Speyer / Frankenthal
Körperverletzungsprozess: Angeklagter hört kaum auf zu reden
Im Einzelfall sind die Delikte nicht allzu schwerwiegend: Mal geht es um Ladendiebstahl, einen offenbar überraschenden Schlag in einem Aldi-Supermarkt gegen einen anderen Kunden, etliche Beleidigungen gegenüber Polizisten oder zahlreiche Verletzungen eines gerichtlich verfügten Annäherungsverbotes. Am Donnerstag wurde die lange Anklage zu den Taten, die dem Mann aus Speyer zur Last gelegt werden, im Gericht vorgetragen. Er lebt mittlerweile im südlichen Rhein-Pfalz-Kreis und war auch sehr gerne bereit, Auskünfte über sich und zumindest einen Teil der ihm zur Last gelegten Taten zu erteilen. Zu einigen legte er sogar Geständnisse ab, zu anderen wollte er nichts sagen.
Ansonsten wäre es eher ein Problem gewesen, ihn in seiner Redelust zu stoppen. Einmal begonnen, hörte der Mandant von Verteidiger Andreas Flory (Speyer) kaum wieder auf zu sprechen. In diesem unaufhörlichen Redeschwall zeigte sich rasch, dass der Angeklagte ein psychisches Problem haben muss. Tatsächlich wurde laut Ergebnis der Beweisaufnahme bei ihm im Pfalzklinikum, wo er sich mehrfach aufgehalten hat oder aufhalten musste, eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Sie bildet den Hintergrund der Taten. Der Angeklagte selbst hält die Diagnose allerdings für falsch. Er habe sich übers Internet informiert und was er dort an typischen Symptomen gelesen habe, treffe nicht auf ihn zu.
Den Einwand des Vorsitzenden Richters Uwe Gau, dass die Ärzte im Pfalzklinikum nicht unerfahren in derlei Diagnosen seien, ließ er nicht gelten. Schließlich wisse er selbst am besten über sich Bescheid. Der Aufenthalt in der Psychiatrie bringe nichts und er nehme auch nicht die Tabletten, die ihm ein Arzt zur Behandlung verschrieben habe.
Nachts am Computer
Der Angeklagte ließ sich vor Gericht ausführlich gegen alle möglichen anderen Personen aus, die im Prinzip durch ihr Verhalten schuld daran seien, dass es ihm zeitweise schlecht gehe. Schlimm sei das, was die Leute einem zumuteten, meinte der Angeklagte. Sein Mitbewohner etwa sei ganz unfähig, seinen Teil der Wohnung einigermaßen sauber zu halten, geschweige denn sich selbst. Vollkommen disziplinlos sei er. Dazu komme, dass er nachts am Computer sitze. Der Angeklagte höre demnach stundenlang das Klicken der Maus und die Geräusche beim Bedienen der Tastatur. Dann gehe immer wieder die Tür, wenn der andere Bad oder Küche aufsuche – unerträglich sei das, vor allem in der Nacht.
Die Fragen des Richters zu Alkohol und Drogen beantwortete der Angeklagte so: Ab und zu ein oder zwei Bier, nicht mehr. Und ja, er habe als Schüler auch ein paar Mal einen Joint geraucht, das sei aber lange her.
Die Motivation fehlt
Der Mann aus Speyer hatte offenbar eine normale Schulzeit durchlaufen und abgeschlossen, danach eine Lehre begonnen, die er aber abbrach, weil ihm die Motivation gefehlt habe. Auch eine weitere Lehre hatte er abgebrochen. Eine Weile habe er zudem in der Gastronomie gearbeitet. Seitdem nichts mehr – keine Motivation.
Was er mit der vielen freien Zeit mache, wollte Richter Gau wissen. Er habe sehr viel Sport gemacht, berichtete der Angeklagte. Und von was habe er gelebt? Er sei ein Lebenskünstler und brauche nicht viel. Dann folgten Ausführungen dazu, dass er ein Einzelkind sei, und was dies bedeute für die Formung der Persönlichkeit. Seine Pläne für die Zukunft: „Ich will schnellstens eine Frau finden und eine Familie gründen, dann wird das auch was mit dem Arbeiten.“
Die Verhandlung wird am Donnerstag, 6. Januar, fortgesetzt.