Speyer
Joachim Pfaffmann stellt beim Künstlerbund aus
Pfaffmann arbeitet analog und digital. Der Fotografie Inhalt und Bedeutung zurückzugeben, ist sein Anspruch. Die Abzüge stellt der Künstler selbst her, archaische Drucktechniken ermöglichen Reisen in unterschiedliche fotografische Epochen.
Literarische und philosophische Bezüge begegnen dem Betrachter und Geschichten, die Pfaffmann in seinem Speyerer Atelier eindrucksvoll ins Bild setzt. Ein wichtiges Element ist für den Künstler die Reduzierung auf das Wesentliche. Seine Schwarz-Weiß-Fotografien, denen allenfalls ein Rest Rot anhaftet, lenken den Blick auf Emotionen. Dass er vorwiegend Frauen fotografiert, sei mehr oder weniger Zufall, sagt Pfaffmann. „Die Männer zieren sich oft“, erklärt er die fehlende Geschlechter-Balance. Umso tiefer macht er die Gefühle der Männer sichtbar, die sich vor die Linse des Künstlers getraut haben.
Geschichte einer Liebe
Zwei Jahre lang hat Pfaffmann eine junge aggressive Amazone fotografisch begleitet. Drei Ergebnisse verdeutlichen ihre Entwicklung von der Prostitution bis zur Mutterschaft und dem gleichzeitigen Einstieg in ein bürgerliches Leben nachhaltig eindrucksvoll. Das Foto-Shooting mit ihm habe den Anstoß zum Ausstieg aus der Prostitution gegeben, berichtet Pfaffmann von der vertrauensvoll professionellen Beziehung zwischen Fotograf und Model.
In fünf Kapiteln erzählt Joachim Pfaffmann die Geschichte einer Liebe von der Magie ihres Anfangs bis zum traurigen Ende. Machtmissbrauch, Übergriff, Lüge, Verrat: Diese Überschriften sind für den Künstler weit mehr als nur Begriffe. In seinen Fotografien werden die Werte und Symbole alter, weißer, heterosexueller Männer schonungslos erlebbar. Seinem Model Anna schneidert er „Ein Kleidchen mit Worten“. Was das Herz begehrt, berührt oder zerstört, erzählen drei Fotografien bemerkenswert.
Eleganz und Schönheit
Über gängige Schönheitsbegriffe setzt sich Joachim Pfaffmann mit Bildern hinweg, die deutlich hervorgehobene Haut-Pigmentierungen, -Unregelmäßigkeiten und -Erhebungen zeigen. Angelehnt an den Goldenen Schnitt verändert der Künstler die Perspektive. Schützend legt eine Frau lauter Hände über die Brüste, eine andere ist auf dem Weg, sich zu verlieben. Die Fotografien lassen Raum für Interpretationen, geben gleichzeitig den unmittelbaren Blick auf manchmal auch politische Botschaften frei. Eindringlich wird Joachim Pfaffmann mit dem Foto Putins unter der Überschrift „Wie klein Dein kaltes Herzlein war“.
Voller Eleganz und Schönheit hat der Künstler Tänzerin Sarah Wünsch in außerordentlichen Posen porträtiert. „Aufrecht im Gegenwind“ tanzt sein Model auf drei Fotodrucken auf Holz durchs Leben.
Neue Gebilde entstehen
Ein Bild ist für Pfaffmann nur dann ein Erfolg, wenn es Emotionen wie Melancholie, Hingabe oder Verzweiflung zeigt und auslöst. Oft liegt seinen Serien lediglich ein Foto zugrunde, das er bis zu sechsmal spiegelt und somit Ansichten verändert. Digitale Verfremdungen erzeugen ganz neue Gebilde, die für Pfaffmann „tief in uns selbst schon lange existieren“.
„Die Dinge müssen wieder eine Transzendenz erhalten, die uns Hoffnung und Gewissheit gibt“, erklärt er seine Motivation und damit das, was die Ausstellung ausmacht. Pfaffmanns Ziel: „Dualität muss wieder Grundprinzip des Menschen werden, Motor seines Sehens, Denkens und Fühlens“.
Ausstellung
Zu sehen vom 14. bis 30. April beim Künstlerbund, Große Sämergasse 1a, Speyer. Geöffnet Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Eröffnung: Freitag, 14. April, 19 Uhr. Begrüßung Künstlerbund-Vorsitzender Reinhard Ader, Einführung: Christoph Anschütz, Musik: Lömsch Lehmann.