Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Jürgen Siewerth: „Gesicht des Erdöls in Speyer“ geht in Ruhestand

Hat die Erdölgewinnnug in Speyer wesentlich begleitet: Jürgen Siewerth.
Hat die Erdölgewinnnug in Speyer wesentlich begleitet: Jürgen Siewerth.

Seit 18 Jahren wird in Speyer Erdöl gefördert. Jürgen Siewerth war als Prokurist der Firma Palatina Geocon von Anfang an dabei. Nun geht der 68-Jährige in Ruhestand.

„Ich bin ein ehrgeiziger Mensch“, sagt Jürgen Siewerth. Das gilt für seinen sportlichen Hintergrund als langjähriger Handballtrainer und das gilt für sein berufliches Selbstverständnis. Seit 18 Jahren fördert ein Konsortium in Speyer Erdöl. Siewerth war als Prokurist der Palatina Geocon von Anfang an dabei, trat nach außen auf, erklärte und trieb die Rohstoffgewinnung voran. Für viele sei er in all den Jahren zum „Gesicht des Erdöls in Speyer“ geworden. „Das macht mich stolz, ist aber auch ein Ansporn gewesen“, sagt der 68-Jährige mit Blick auf sein Berufsleben, das mit dem 30. April zu Ende gegangen ist.

Angefangen hat es 1980 mit einer Lehre bei der Volksbank. Eigentlich habe er Sozialpädagogik studieren wollen, doch dafür habe sein Abiturschnitt nicht gereicht, erzählt Siewerth. Ein besonders guter Schüler sei er nicht gewesen: Er habe die neunte Klasse und auch die Hochschulreife wiederholen müssen. „Erst mit 22 ist der Groschen bei mir gefallen“, sagt er. Seitdem habe er nie wieder Probleme mit Prüfungen oder Noten gehabt. „Das war wie weg.“ Der ehrgeizige Siewerth besuchte die Abendschule, bildete sich in Bilanzbuchhaltung weiter und wechselte in die Industrie. Nach mehreren Stationen fing er 1999 als kaufmännischer Leiter bei der Willersinn-Gruppe an, 2001 kam die Geschäftsführung der zugehörigen Igatec GmbH hinzu.

Mittlerweile elfte Bohrung

Zudem übernahm er als Prokurist Verantwortung für die Geschicke von Palatina. Angefangen hatte die Erdöl-Förderung mit einem Zufallsfund vor mehr als 20 Jahren, als eigentlich nach Erdwärme in Speyer gesucht worden war. Statt heißem Wasser hatte man aber das „schwarze Gold“ in Poren des Buntsandsteins gefunden. Bis heute wird es an zwei Stellen in der Stadt gefördert. Gerade erst im Februar berichtete das Konsortium – zu dem neben Palatina auch die Firma Neptune Energy gehört – von Erfolgen bei der mittlerweile elften Bohrung. Das Fördervolumen – zuletzt lag es bei rund 400 Tonnen pro Tag – soll gesteigert werden.

Siewerth hatte daran auch seinen Anteil, gab immer Auskunft, fachkundig, ruhig, fundiert. Im Beruf sei ihm stets sein sportlicher Hintergrund als Handballtrainer zugute gekommen. „Als Trainer muss man Spieler zusammenbringen können“, sagt er. Das gelte auch für den beruflichen Kontext. „Menschen sind wichtig.“ Das Geschäft mit dem Erdöl erfordere einen offenen Umgang: Viele Akteure müssten mitgenommen werden und auch mal kritische Fragen stellen dürfen. „Speyer ist bürgerlich und mit den demokratischen Parteien habe ich immer gut zusammengearbeitet.“

Faire Kommunikation

Seine Devise: Faire Kommunikation und offener Austausch. „Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Menschen ich über den Platz geführt habe.“ Gleichzeitig sei er sich bewusst: Alle werde man nie überzeugen können. In Speyer jedenfalls hielt sich der Protest gegen die Erdölbohrungen im Vergleich zu anderen Kommunen wie Otterstadt, wo das Förderkonsortium auch tätig werden will, in Grenzen. Das habe wohl auch damit zu tun, dass die Stadt an große Industriebetriebe wie Haltermann Carless oder Thor Chemie gewohnt sei. Die Erdölförderung in Speyer laufe seit 2008 ruhig, es habe nie Vorfälle auf den Plätzen gegeben.

Einen ersten Meilenstein sieht Siewerth schon drei Jahre vor der ersten Bohrung. 2005 habe es erstmals seismische Messungen in der Speyerer Innenstadt gegeben – davor hatte die Stadt, reich an Kulturgütern, das jahrzehntelang abgelehnt. Damals lief noch die Suche nach geeigneten Stellen für Geothermie in der Domstadt. Daraus wurde nichts, aus der Erdölförderung aber sehr wohl. „Ohne diese Messungen hätten wir keine Bohrungen machen können“, weiß der 68-Jährige. Der damalige Oberbürgermeister Werner Schineller (CDU) habe den Messungen zugestimmt – mit der Auflage, sie müssten in den drei Wochen zwischen Kaisertafel und Altstadtfest statt den anvisierten vier bis fünf erledigt sein. Das gelang, genau wie weitere Schritte zum Ziel bis 2008 erstmals gefördert wurde.

„Müssen alle natürlichen Ressourcen fördern“

„Wir müssen alle natürliche Ressourcen fördern“, ist der 68-Jährige überzeugt. Wichtig sei am Ende ein vernünftiger Umgang damit. An regenerativen Energien führe in Zukunft kein Weg vorbei, sagt der überzeugte E-Auto- und Fahrradfahrer. Aber auch Erdöl habe als wichtiger Rohstoff seine Berechtigung. Ihn hier zu fördern sei besser, als noch mehr des „schwarzen Golds“ teuer zu importieren. Ob der Erdöl-Stellenwert in Zukunft der gleiche wie heute bleiben werde, wisse er nicht: Bei der Plastikherstellung zeigten sich Alternativen, beim Kerosin sehe er die nicht.

Beruflich endete Siewerths Weg im April, in seinen Ehrenämtern geht er weiter. Er sei immer eng mit Speyer verwurzelt gewesen und wolle der Stadt nach wie vor etwas zurückgeben, sagt der 68-Jährige. Seine Ehrenämter bei den Kiwanis, dem Kuratorium der Kulturstiftung und als Vorsitzender der Stiftung Speyerer Unternehmen führe er weiter. Die Stiftung hat sich der Schülerförderung in der Domstadt verschrieben. Schon zur beruflichen Anfangszeit sei ihm die Erwachsenenbildung ein wichtiges Anliegen gewesen. Er habe damals bei der Industrie- und Handelskammer als Ausbildungsbetreuer Prüfungen abgenommen. Seitdem hat Jürgen Siewerth einen langen beruflichen Weg zurückgelegt. Auf den Ruhestand blicke er mit dem vielzitierten lachenden und weinenden Auge. Einerseits sei mehr Zeit für Hobbys, Ehrenamt und Enkel. Andererseits habe er im Berufsleben viele Menschen kennen und schätzen gelernt. „Gerade die Palatina ist mir ans Herz gewachsen.“

An zwei Stellen wird in Speyer Erdöl gefördert. Das Bild zeigt den Platz in der Siemensstraße.
An zwei Stellen wird in Speyer Erdöl gefördert. Das Bild zeigt den Platz in der Siemensstraße.
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