Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Iran-Krieg: Teurer Sprit bringt Unternehmen in Not

In Schieflage: Die Treibstoffpreise sind so hoch wie noch nie. Die Entwicklung ist ein Kostentreiber für Unternehmen, die Fahrze
In Schieflage: Die Treibstoffpreise sind so hoch wie noch nie. Die Entwicklung ist ein Kostentreiber für Unternehmen, die Fahrzeuge mit Verbrennermotoren betreiben..

Den Preissprung beim Sprit spüren Unternehmen im Raum Speyer deutlich. Noch sind die Mehrkosten nicht oder kaum bei Kunden angekommen. Doch das kann sich schon bald ändern.

Für Speditionen bedeuten die um fast 50 Prozent gestiegenen Dieselpreise – von etwa 1,70 Euro pro Liter Ende Februar bis aktuell knapp 2,50 Euro je Liter – eine enorme Belastung. Eines der größten Logistikunternehmen im Raum Speyer ist die Haaf Group in Römerberg. Christoph Stoll, geschäftsführender Gesellschafter von Haaf, teilt auf Anfrage mit: „Bei unserer monatlichen Verbrauchsmenge von über 250.000 Litern Diesel belaufen sich die Mehrkosten für Treibstoff schnell auf rund 150.000 Euro pro Monat.“

Bei Haaf seien derzeit rund 100 Fahrzeuge im Einsatz. Alle Lkw mit einer Ausnahme, der elektrisch angetrieben wird, müssten mit Diesel betankt werden. „Auf das Jahr gerechnet sprechen wir von Mehrkosten im Millionenbereich. Die Mehrkosten und deren Auswirkungen sind somit existenziell für uns und die gesamte Branche“, stellt Christoph Stoll fest. Zumal das Spritsparpotenzial bezüglich Fahrweise, Fahrzeugtechnik und Routenplanung weitgehend ausgeschöpft sei.

Spedition Haaf: Frachtzuschläge bis zu 15 Prozent

Aktuell seien die Frachtkosten für die Kunden in vielen Fällen noch nicht angestiegen, informiert der Haaf-Geschäftsführer. Allerdings seien „auf Basis der derzeitigen Dieselpreise“ spürbare Frachtzuschläge in Höhe von zehn bis 15 Prozent zu erwarten. „Weiter steigende Dieselpreise verstärken diesen Effekt“, fügt Stoll hinzu.

Haaf zählt Unternehmen der Automobil-, Chemie-, Baustoff- und Verpackungsindustrie zu seinen Kunden. Üblich sei es, dass bei Lieferverträgen die Kosten an den Dieselpreis gekoppelt würden, so Christoph Stoll. Das sogenannte Floatermodell basiere auf den durchschnittlichen Preisentwicklungen über Monate und wirke sich je nach Variante auf die Lieferkosten erst „mit einem Versatz von einem bis drei Monaten“ aus.

Sonnen-Apotheke: Lieferservice 30 Prozent teurer

Ein nicht unerheblicher Kostenfaktor sind die hohen Spritpreise auch für die Sonnen-Apotheke von Wolfgang Eiberger. Wie die meisten seiner Kollegen bietet Eiberger einen kostenlosen Lieferservice für seine Kunden an. Pro Abgabe beziehungsweise beliefertem Kunden seien bisher im Schnitt sieben Euro an Kosten für die Apotheke in der Maximilianstraße angefallen, teilt Eiberger mit. Inzwischen liege der finanzielle Aufwand für den Service, den seine eigenen Mitarbeiter leisten, bereits bei neun bis zehn Euro.

Der Apotheker will den Lieferdienst für seine Kunden im Umkreis von rund 20 Kilometern ohne zusätzliche Belastungen aufrechterhalten. „Die Preise der Medikamente sind überall gleich“, unterstreicht Eiberger. Er spüre wie seine Kollegen die Konkurrenz durch Online-Apotheken. Die Großhändler, die die Sonnen-Apotheke bis zu fünfmal täglich mit Produkten versorgen, verlangten dagegen eine „Energiekostenpauschale“. Bisher seien ihm keine Pläne zu einer Erhöhung derselben bekannt. So oder so: Die finanziellen Belastungen für die Apotheken würden weiter zunehmen, so Eiberger, der als Beispiele die jüngsten Erhöhungen von Mindestlohn und Kfz-Versicherungen anführt.

Mein Taxi Speyer: Betriebskosten steigen um 80 Prozent

Die beiden zuletzt genannten Aspekte führt auch Sermet Özsoy, der Inhaber des Taxi-Unternehmens Mein Taxi Speyer, als belastende Kostenfaktoren an. Hinzu kommen „massiv verteuerte Ersatzteile und Betriebsstoffe“, wobei die jüngste Entwicklung der Kraftstoffpreise „wie ein Brandbeschleuniger“ wirke. Insgesamt seien seine Betriebskosten um ungefähr 80 Prozent gestiegen.

„Die wirtschaftliche Situation für unseren Betrieb hat einen kritischen Punkt erreicht. Wir betreiben aktuell acht Diesel-Fahrzeuge und sehen uns mit einer Kostenexplosion konfrontiert“, beschreibt Özsoy die Situation von Mein Taxi Speyer. „Das Kernproblem ist unsere Bindung an den festen Taxitarif der Stadt Speyer. Im Gegensatz zu freien Gewerben können wir diese Mehrkosten nicht an unsere Kunden weitergeben“, fügt er hinzu. Der Tarif schreibt für innerstädtische Fahrten bestimmte Preise vor, die zuletzt vor drei Jahren geändert wurden.

Stadt zu Taxitarif: Bei Bedarf werden Anpassungen geprüft

Anfragen von Taxiunternehmen zu einer Anpassung des Taxitarifs sind der Stadt derzeit nicht bekannt, teilt Pressesprecherin Anke Illg mit. „Die Verwaltung steht jedoch im kontinuierlichen Austausch mit den örtlichen Taxiunternehmen, die vereinzelt verstärkt Elektrofahrzeuge einsetzen, um die Auswirkungen der Kraftstoffpreise abzufedern. Bei entsprechendem Bedarf werden mögliche Anpassungen geprüft“, ergänzt sie. Für eine Tarifänderung wäre ein Stadtratsbeschluss nötig. „Dieser ist mit gewissen zeitlichen Vor- und Nachläufen verbunden, sodass ein Inkrafttreten einer entsprechenden Verordnung in der Regel etwa drei Monate in Anspruch nimmt“, erklärt sie.

Sermet Özsoy informiert: „Wir waren bereits zu schmerzhaften Notmaßnahmen gezwungen: Wir mussten Personal entlassen und Fahrzeuge stilllegen, um die laufenden Kosten zu senken.“ Das habe „fatale Folgen für die Infrastruktur in Speyer. Als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs leisten wir einen unverzichtbaren Dienst für die Gemeinschaft. Wenn wir Wagen aus dem Verkehr ziehen müssen, bedeutet das zwangsläufig längere Wartezeiten – insbesondere für Senioren und Patienten, die auf uns für lebensnotwendige Fahrten, wie etwa zur Dialyse, angewiesen sind“, teilt er mit.

Fahrlehrer Frank Tarin: Mehrwertsteuer senken und Ausbildungsvergütung zahlen

Frank Tarin, der Inhaber der Fahrschule Gleich & Tarin in Speyer, hat derzeit vier Autos für den Fahrunterricht in Betrieb, drei mit Diesel- und einen mit Benzin-Motor. Der Fahrlehrer kennt und vermittelt zahlreiche Möglichkeiten, um den Kraftstoffverbrauch möglichst gering zu halten. „Wenn man einen Diesel sportlich fährt, liegt der Verbrauch bei zehn bis zwölf Litern auf 100 Kilometer. Fährt man ihn sparsam, braucht der Wagen weniger als sechs Liter“, weiß er.

Die hohen Spritpreise belasten seine Fahrschule dennoch, erklärt Tarin. Zumal auch er über allgemein steigende Kosten berichtet. „Wie soll der Führerschein so billiger werden?“, greift er ein jüngst diskutiertes Thema auf. Eine Senkung der Mehrwertsteuer und eine staatliche Subvention für Fahrschüler in Ausbildung (ob in Schule, Studium oder Beruf) hält Tarin für probate Mittel, um den Führerschein günstiger anbieten zu können. Das wäre eine Aufgabe für die Politik, meint er.

Tafel Speyer: Unterhaltskosten fast verdoppelt

Zaim Kryezi, der Geschäftsführer von Papii“s Pizza in Speyer, spürt das Preishoch an den Tankstellen ebenfalls. Denn seine Speisen werden mit einem Diesel-Pkw ausgeliefert. Noch habe er die Lieferbedingungen für seine Kunden nicht geändert. Sollte der Diesel jedoch weiterhin so viel kosten, könnte er sich zu einer Änderung gezwungen sehen. Zumal Kryezi steigende Preise im Einkauf erwartet.

Bei der Speyerer Tafel kommen fünf Fahrzeuge mit Dieselmotoren für verschiedene Aufgaben wie Transport von Müll und von Lebensmitteln zum Einsatz, informiert Tafelleiterin Karin Maier. Die Gesamtfahrleistung belaufe sich auf rund 1000 Kilometer wöchentlich. Da auch die „allgemeinen Energiepreise“ steigen, „haben sich die Unterhaltskosten fast verdoppelt“, teilt sie mit.

„Da wir feste tägliche Touren zu unseren Lieferanten und Märkte fahren, haben wir hier keine Möglichkeit, Sprit zu sparen. Da dies hauptsächlich Kurzstrecken sind und keine Leerfahrten entstehen, müssen auch die Kühlaggregate durchlaufen. Wir können nur unsere Fahrer zu einer spritsparenden Fahrweise animieren“, erklärt Karin Maier. „Da wir von Spenden abhängig sind, wissen wir nicht, was die Zukunft bringt und ob wir weiterhin unsere Bedürftigen ohne Einschränkungen bedienen können“, fügt sie hinzu.

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