Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Instagram und Ehrenamt: Wie erreicht man die Wähler heute?

Vier der Kandidaten (von links): Benjamin Haupt, Patrick Kunz, Michael Wagner, Justus Rabe.
Vier der Kandidaten (von links): Benjamin Haupt, Patrick Kunz, Michael Wagner, Justus Rabe.

Zwei Monate noch bis zur Landtagswahl: Der Wahlkampf geht für die sieben Direktkandidaten im Wahlkreis Speyer in die entscheidende Phase. Auf welche Methoden setzen sie dabei?

Die Bewerber im Wahlkreis Speyer, zu dem auch Schifferstadt und die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen gehören, kämpfen für sich selbst, aber auch für ihre Parteien: Wenn diese am 22. März auf rheinland-pfälzischer Ebene gut abschneiden, dann steigt auch die Chance des und der Einzelnen, über die Landesliste ins Parlament einzuziehen. Einen sicheren Platz gibt es jedoch nur einmal: Für den Gewinner oder die Gewinnerin des Direktmandats im Wahlkreis 39. So werden 52 der 101 Abgeordneten bestimmt.

Bei der Wahl 2021 hat Michael Wagner (65, CDU) das Direktmandat gewonnen. „Meine politische Arbeit ändere ich nicht grundsätzlich, nur weil Wahlkampf ist“, betont er auf Anfrage: Engen Austausch mit Bürgern pflege er permanent. „Zuhören. Kümmern. Machen.“ sei nun auch sein Motto im Wahlkampf. Im digitalen Bereich nutze er vor allem Facebook, Instagram und veröffentliche den Newsletter „Wochenrückblick“. Analog sei er in Bürgergesprächen, an Infoständen und bei zahlreichen Veranstaltungen präsent.

„General“ kommt

„Ergänzend setze sich auf Großflächenplakate sowie kleinere Plakate mit unterschiedlichen Motiven, und natürlich wird es eine Broschüre für die Haushalte geben“, so Wagner. Er erhalte auch prominenten Besuch: Mit Spitzenkandidat Gordon Schnieder werde er einen halben Tag lang unterwegs sein, auch Kanzleramtsminister Thorsten Frei und „General“ Johannes Steiniger hätten sich angekündigt. Sein Wahlkampfbudget beziffert Wagner ebenso wenig wie die anderen Bewerber. Neben Parteifreunden unterstützten ihn aber auch „Menschen, die nicht Mitglied der CDU sind“.

Auch die SPD kann mit bekannten Namen aufwarten: Marlene Gottwald (40) kündigt den heutigen Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer, Vorgängerin Malu Dreyer und Bundestagsmitglied Isabel Mackensen-Geis an. Sie setze „bewusst auf eine Kombination aus persönlicher Präsenz vor Ort und kontinuierlicher digitaler Kommunikation“, betont Gottwald. Sie wolle ansprechbar sein. Auch sie werde Großflächenplakate stellen, Broschüren verteilen und an Infoständen, an Haustüren sowie bei vielen Veranstaltungen präsent sein. Zu ihren eigenen Formaten gehörten „Frühstücksgespräche“.

Im Digitalbereich nutze sie Instagram als wichtigste Plattform, betont Gottwald. Ein Beispiel schon Ende 2025: ihr eigener Adventskalender. Sie setze auf Videoformate und Interaktion, etwa mit Umfragen. Dabei könne sie sich auch auf Ehrenamtler aus ihrem Kernteam und weitere Helfer verlassen. Gottwalds zentrale Slogans im Wahlkreis sind „Weil Miteinander zählt“ und „Für eine starke Wirtschaft“.

„Der alte Rotz“

Wie Wagner schon im Landtag vertreten ist der Freie Wähler Patrick Kunz (48) aus Schifferstadt. Er könne im Wahlkampf auf bis zu 40 Helfer bauen, betont er. Kunz kündigt Kopfplakate, großflächige Banner sowie eine Postkarte an, die in möglichst viele Haushalte flattern soll. Bei den Slogans sei auch Augenzwinkern erlaubt: Wenn es etwa „Der alte Rotz muss raus“ heiße, verteile er Taschentuch-Packungen an Wahlkampfständen. „Im Bereich der digitalen Welt habe ich das große Glück, dass mir aus meinem Freundeskreis ein Social-Media-Manager seine Unterstützung im Ehrenamt zugesagt hat“, berichtet Kunz. Dieser mache Fotos, Videos und weitere Beiträge auf Instagram, Facebook und TikTok möglich. Professionelle Videos für Youtube seien indes nicht finanzierbar.

„Wir erheben nicht den Zeigefinger, wir zeigen gute Möglichkeiten für die Zukunft auf“, sagt der Speyerer Direktkandidat Ansgar Parzich (28) über den Wahlkampf seiner Grünen. Instagram und die Homepage des Kreisverbands seien dabei zentrale digitale Medien. Dazu kämen Plakatwerbung, Wahlkampfstände und weitere Veranstaltungen sowie ein „intensiver Haustürwahlkampf“. Der Wunsch des Kandidaten an sein „vielfältiges“ Team: „gute Stimmung, ein offenes Ohr für alle und echte Menschen statt Wahlkampffassade“. An den Haustüren gebe es von ihm neben Flyern „nachhaltige Give-Aways“, so Parzich.

Liberal und pragmatisch

Pragmatisch packt Justus Rabe (41) seinen Wahlkampf als FDP-Kandidat an. „Liberal, bodenständig, zukunftsorientiert“ will er sich präsentieren – und gibt zu, dabei nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung zu haben. Zusammen mit B-Kandidat Timothy Starratt steuere er „ein sehr kleines Team aus reinen Ehrenamtlern“. Auch er wolle flächendeckend Flyer verteilen und persönlich präsent sein, müsse aber als berufstätiger Familienvater auch mal Termine absagen. Er werde unter anderem Unterstützung von der liberalen Europaabgeordneten Svenja Hahn erhalten, kündigt Rabe an. Ein wichtiges Element für ihn seien auch Firmenbesuche. Social Media setze er vielseitig ein – aber bewusst sachlich, „auch wenn das nicht so viel Reichweite bringt wie Krawall“.

Christian Richter (44), Kandidat der Linkspartei, macht seine Ziele mit Infoständen, Plakataktionen, lokalen Veranstaltungen und Haustürgeschäften bekannt, wie Floris Wittner, Kreisvorsitzender der Partei, berichtet. „Ergänzend setzen wir auch auf digitale Kanäle, um unsere Forderungen klar und verständlich zu kommunizieren.“ Motto: „Die Hoffnung organisieren.“ Der Kreis der Aktiven habe sich seit der Bundestagswahl vergrößert, aber die Arbeitsbelastung für einzelne Ehrenamtliche sei immer noch hoch, so Wittner. Von steigenden Unterstützerzahlen hatte auch Benjamin Haupt (44), Kandidat der AfD, berichtet, der die Fragen der RHEINPFALZ nicht im Detail beantwortet hat. Er ist unter anderem in den Sozialen Netzwerke rege und verwendet den AfD-Slogan „Wir regeln das“.

Marlene Gottwald
Marlene Gottwald
Ansgar Parzich
Ansgar Parzich
Christian Richter
Christian Richter
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