Speyer In voller Montur auf Jakobsweg

Michael Weiner geht für andere durchs Feuer. Und das nicht nur von Berufswegen, wo er als Brandoberinspektor bei der Berufsfeuerwehr Mannheim aktiv ist, sondern auch in seiner Freizeit. Ab dem 23. März macht er sich in voller Einsatzausrüstung ab Saint-Jean-Pied-de-Port auf den 880 Kilometer langen Jakobsweg und sammelt dabei Spenden für Brandopfer.

Eine große Jakobsmuschel baumelt als Erkennungszeichen vom Sauerstoffgerät des Feuerwehrmanns. „Unseres Wissens ist er der Erste, der diesen Weg mit dieser Ausstattung absolvieren will“, sagte Erster Bürgermeister Christian Specht bei der Vorstellung des ambitionierten Projekts. Rund 25 Kilo „Zusatzgepäck“ – neben der Sauerstoffflasche noch die feuerfeste Kleidung, der Helm und ein kleiner wasserdichter Seesack für die persönliche Kleidung – nimmt der Feuerwehrmann mit auf seinen Weg von Frankreich ins spanische Santiago de Compostela und weiter nach Kap Finisterre, dem „Ende der Welt“. „Paulinchens Jakobsweg“ nennt der Michael Weiner seinen Spendenlauf, für den er ab sofort um Unterstützer wirbt. „Paulinchen“ heißt der Verein, den eine Mutter 1993 als Unterstützung für brandverletzte Kinder ins Leben gerufen hatte. „Jedes Jahr müssen 30.000 Kinder mit Verbrennungs- oder Verbrühungsverletzungen in ärztliche Behandlung“, berichtete Weiner. Dabei sei die Erstversorgung in der Region zwar hervorragend, ergänzte Specht. „Aber das Leid für viele Betroffene beginnt erst danach, wenn die jungen Patienten wieder zurück in ihre Familien kommen und dort das komplette Leben umkrempeln.“ Der Verein berät und bietet Eltern Rat und Unterstützung, wenn ein Kind zu Schaden gekommen ist. „Jeder Kollege lernt deshalb schon sehr früh, wer Paulinchen ist und was der Verein macht, auch wenn bei meinen Einsätzen glücklicherweise noch nie ein Kind bei den Verletzten war“, sagte Weiner. Der Wunsch zu helfen reicht also weit über Beruf hinaus. „So wie bei den meisten unserer Kollegen“, ist Specht stolz auf seine Berufsfeuerwehrleute. Zu Weiner hat er dabei eine ganz besondere Beziehung: „Ursprünglich hat er als Student der Wirtschaftsinformatik im dualen Studium bei der Stadtverwaltung begonnen und sollte den IT-Bereich der Verwaltung umkrempeln“, berichtete der Bürgermeister. Bei einem Auslandssemester in Kalifornien entdeckte der Student jedoch seine wahre Berufung. „Da habe ich spontan der Feuerwehr vor Ort bei einem Waldbrandeinsatz geholfen“, berichtet der 29-Jährige. Direkt nach der Rückkehr nach Mannheim trat er der Freiwilligen Feuerwehr bei, und Specht gewann den jungen Mann 2011 für die Berufsfeuerwehr. Er wolle anderen Menschen beistehen, betont der Brandoberinspektor. So wie jetzt mit seiner Wanderung, für die er um Unterstützung wirbt. „Die Reisekosten trage ich komplett selbst.“ 35 Tagesetappen hat sich der 29-Jährige vorgenommen und trainiert dafür – selbstverständlich in Einsatzkleidung – am Neckarufer und auf dem Laufband eines Fitnessstudios. „Im Schnitt laufe ich etwa 30 Kilometer am Tag.“ Und für jeden dieser Kilometer wirbt er um Spender und Paten, die für 25 Euro ihren persönlichen Kilometer auf der spirituellen Wanderung erhalten. Die ersten 1000 Meter übernahm dabei die Stadt Mannheim, 104 weitere Paten hat Weiner, ganz ohne Werbung, bereits angeworben. „Jeder Euro kommt bei ,Paulinchen’ an“, verspricht er. Wer Weiner und damit den Verein unterstützen möchte, hat auf der eigens eingerichteten Internetseite unter www.paulinchens-jakobsweg.de dazu die Möglichkeit. Dort will der Informatiker seine Unterstützer auch ständig mit Bildern und Informationen zum gesamten Projekt auf dem Laufenden halten.

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