Speyer
Im Klostergarten will nur Blumenkohl nicht gedeihen
Viel größer als es viele Besucher beim Zugang von der Vincentiusstraße erwarten, ist die Grünfläche: rund zwei Hektar, also 20.000 Quadratmeter. Als Jürgen Strebel 1988 als junger Mann dort anfing, gehörte noch eine große Obstwiese mit 350 Obstbäumen dazu. An seinen ersten Arbeitstag kann er sich noch gut erinnern: Bohnenland fräsen und Stangen für die Stangenbohnen aufstellen. Zu dieser Zeit lebten 113 Ordensschwestern im Institut St. Dominikus, die sich großteils aus dem Garten selbst versorgten. „Damals haben wir acht Tonnen Äpfel eingelagert und über 600 Tomatenpflanzen gehabt“, erzählt Strebel.
Gemüse baut der Gärtner auch heute noch an, auch wenn es „nur“ noch 240 Tomatenpflanzen sind, dazu Paprika, Rettich und Radieschen, Gurken, Zucchini, Bohnen, Kohl, Kräuter – all das eben, was die Küche für die inzwischen noch 65 Ordensschwestern benötigt. Nur Blumenkohl will im Garten einfach nicht gedeihen.
Pfingstrosen auf Eis
Strebel trennt nicht strikt nach Nutz- und Ziergarten. Gemüsebeete wechseln sich ab mit schönen Blumenrabatten, die Dahlien schauen schon ein gutes Stück aus der Erde. Die Rosen stehen gerade in voller Blüte, die unzähligen Pfingstrosen sind schon verblüht, doch Strebel hat genug „auf Eis gelegt“. Wenn man sie vor dem Aufblühen schneide und in Plastik verpackt ins Kühlhaus lege, habe man bis in den Juli hinein blühende Pfingstrosen, verrät er. Einen Teil der Pracht benötigen die Ordensfrauen für den Schmuck der Kapelle. „Dazwischen gibt’s immer wieder eine kleine ökologische Nische für Vögel und Insekten“, so Strebel. Wie zum Beweis flattert ein großer orangefarbener Schmetterling auf eine Distelblüte.
Sogar Nordmanntannen stehen im Garten – die Christbäume für die Kapelle für die nächsten Jahre. Zusätzlich betreut Strebel rund 180 Gräber verstorbener Schwestern in einer eigenen Abteilung des Hauptfriedhofs.
Die Schwestern kommen gerne in den Garten zu einem Spaziergang, erklärt Strebel. Oft verweilen sie vor der geschmückten Lourdes-Grotte. Hin und wieder hilft eine der Schwestern im Garten mit. An diesem Morgen zupft eine Erdbeeren. Außerdem hat Strebel einen angestellten Helfer. Bis in die 1950er Jahre wurde der beim Klosterbau 1912 angelegte Garten komplett von Schwestern gepflegt.
Gärtner zieht alles selbst
Zu tun hat Strebel immer etwas, denn ein Garten ist bekanntlich nie fertig. Fast alle Pflanzen, ob Gemüsepflanzen oder Stiefmütterchen für die Gräber, zieht er selbst. „Vom Samenkorn bis zum Kompost“, sagt er. Gedüngt wird viel mit Ernterückständen, mit Pflanzenschutzmitteln ist er äußerst sparsam. Im Winter werden die 35 Apfelbäume geschnitten, bei schlechtem Wetter wartet der Gärtner die Maschinen. Früher habe es noch mehr zu tun gegeben, denn auch die Außenstellen des Klosters wurden mit Obst und Gemüse versorgt.
Wenn Strebel nach getaner Arbeit nach Hause geht, warten dort sein 90-jähriger Vater und sein privater Garten auf ihn. Auch dort wächst alles an Gemüse, was man sich nur vorstellen kann, und Blumen in jeder Farbe. Er sagt: „Meine Rückzugsmöglichkeit, das brauche ich zum Ausgleich.“