Speyer „Ich mache es richtig – oder gar nicht“
«Speyer.» Die Vereine, die in der Pfalz Kunstradsport betreiben, sind an den Fingern zweier Hände abzuzählen. In Böhl-Iggelheim, in Bolanden, in Schifferstadt und in Ludwigshafen stehen Hochburgen. Und natürlich steht auch eine in Speyer. Schon sehr lange zwar, aber neuerdings wird beim RC Vorwärts Speyer wieder sehr intensiv und erfolgreich gearbeitet.
Sarah Seidl, die Trainerin und Abteilungsleiterin, hat den Aufschwung zu verantworten. Vor genau drei Jahren schaute sie sich zum ersten Mal das damalige Training mit vier, fünf Kindern in Speyer an, angelockt von Monika Blümmel, der Fachwartin im Pfälzischen Radfahrerbund, die ein Leben lang schon im Kunstradsport arbeitete. Blümmel hatte erfahren, dass Sarah Seidl, die aus Kieselbronn bei Pforzheim stammt und seit vielen Jahren in der Metropolregion lebt und arbeitet, in die Pfalz umsiedeln wolle. So kam’s denn auch. Im Januar 2016 zog Seidl, die in zwei Wochen 37 Jahre alt wird, nach Dudenhofen. Zuvor hatte die ehemalige Kunstradsportlerin in Hemsbach an der Bergstraße im Hallenradsport trainiert. „So wie es nach drei Jahren läuft, ist es schon sehr gut“, sagt Sarah Seidl, „es hat sich echt viel getan, seit ich hier bin“. Sie fühlt sich wohl in der Pfalz, liebt Speyer und geht in der familiären Verbundenheit im Verein auf. Elf Kinder und Jugendliche schart sie um sich, hat Hilfen von Müttern beim Programmfahren oder beim In-Schuss-Halten der Räder. Sie selbst hatte mit zwölf Jahren mit dem Kunstradsport angefangen, erzielte 2010 in Hamburg als Fünfte ihre beste Platzierung bei deutschen Meisterschaften, war aber schon 2002 Achte der Weltmeisterschaften in Dornbirn, damals im Trikot von Australien gestartet, wohin sie nach dem Abitur für ein Jahr mit dem Kunstrad im Gepäck gezogen war. Ihre Großeltern leben noch heute in Sydney. Die Speyerer Gruppe wächst. „Wir sind beim Schulfest der Siedlungsgrundschule in Speyer Nord aufgetreten und haben dann ein Schnuppertraining angeboten. Da kommen dann viel mehr Kinder als wir später trainieren können, aber es bleiben immer wieder welche hängen“, erzählt Seidl. „Alle müssen mit unseren Anforderungen klar kommen. Entweder es gefällt ihnen oder es gefällt ihnen nicht“, sagte sie unmissverständlich, „meine Zeit ist auch kostbar. Ich habe ja noch ein Berufs- und Privatleben“, macht sie ihre Erwartungen deutlich: fleißiges und regelmäßiges Training. Sie trainiert außerdem den E-Kader in der Pfalz. „Ich nehme das Ganze sehr ernst. Entweder ich mache es richtig, oder ich mache es gar nicht.“ Beruflich arbeitet die agile, lebenslustige und ideenreiche Trainerin überdies sehr erfolgreich im Sport der Metropolregion. Sie durfte das Mannheimer Sportstipendium aufbauen. „Angefangen habe ich in einem ganz leeren Büro, ohne E-Mail-Adresse und ohne Telefonnummer“, erinnert sie sich. Jetzt ist ihr „Kind“ schon ganz schön groß geworden. Die Initiative stammt von der Mannheimer Familie Greinert und der Mannheimer Universität. „Die Idee war, dass die Spitzensportler, die in der Region trainieren und an der Uni Mannheim studieren und somit ein Zeitproblem haben, unterstützt werden müssen. Leistungssport betreiben und Klausuren schreiben – das muss unter einen Hut gebracht werden“, sagt Sarah Seidl, die selbst ihren Magister in Sportwissenschaften in Heidelberg machte. Inzwischen ist neben der Familie Greinert auch die Dietmar-Hopp-Stiftung als Förderer eingestiegen. Eine gemeinnützige GmbH betreibt das „Spitzensportstipendium Metropolregion Rhein-Neckar“, Kooperationspartner sind die Universitäten Mannheim und Heidelberg, der Olympiastützpunkt sitzt längst im Boot. Und: Sarah Seidl organisiert und kooperiert für die Sportstipendiaten. Nicht selten beaufsichtigt sie das Schreiben einer Klausur einer Fußballerin oder Hockeyspielerin – samstags morgens von 7 bis 9 Uhr. Danach geht sie in ihr eigenes Training beim RC Vorwärts in Speyer.