Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Hoffnung durch die Musik

Anastasia Yasko spielt in Speyer.
Anastasia Yasko spielt in Speyer.

Die im russischen Kursk geborene Pianistin Anastasia Yasko spielt im Historischen Ratssaal Speyer. Matthias Nowack sprach mit ihr über ihre Geburtsstadt und das Konzert.

Frau Yasko, Sie sind in Kursk geboren, der russischen Partnerstadt von Speyer, und leben heute in Salzburg. Haben Sie noch Erinnerungen an Ihre Kindheit in Kursk? Oder vielleicht sogar noch aktuelle Kontakte? Verbindet Sie etwas mit der Stadt, in der Sie geboren wurden?
Natürlich habe ich sehr viele schöne und warme Erinnerungen an Kursk! Obwohl meine Eltern bald nach meiner Geburt nach Moskau gezogen sind, waren wir oft in Kursk, und ich habe dort viele Sommer bei meinen Großeltern verbracht. Am besten erinnere ich mich an Sommerabende im Garten, leckeres Essen, an Spiele mit Freunden bis zum späten Abend und an die Zeit mit der Familie. In den letzten Jahren schaffe ich es leider nicht so oft, nach Kursk zu kommen, aber ich versuche trotzdem regelmäßig dorthin zu reisen. In Kursk leben meine Verwandten und meine Großmutter, die vor Kurzem 97 Jahre alt geworden ist.

Wie kam es zur Vereinbarung eines Konzertes in Speyer?
Die Idee, ein Konzert zu Ehren des Komponisten Georgij Swiridow in Speyer zu organisieren, kam eher zufällig. Nach einem meiner Konzerte in Rheinland-Pfalz sprach mich ein Zuhörer an und erzählte, dass er aus Speyer komme und dass Speyer eine Partnerstadt von Kursk sei. Seitdem interessiere ich mich sehr für diese Stadt und wollte sie gern besuchen. Vor einem Monat wurde der 110. Geburtstag von Georgij Swiridow gefeiert. So entstand die Idee, ein Konzert zu spielen, das seinem Werk gewidmet ist – und zwar in Speyer.

Welches Programm werden Sie im Historischen Rathaus der Domstadt spielen?
Das geplante Programm besteht aus weniger bekannter und sehr kontrastreicher russischer Musik. Ein ganzes Konzert nur mit Werken von Georgij Swiridow zu spielen wäre schwierig, da er nur sehr wenige Stücke für Klavier solo komponiert hat. Ich werde seine einzige Klaviersonate aufführen, ein sehr dramatisches Werk, das noch während des Zweiten Weltkrieges komponiert wurde. Diese Sonate habe ich unter anderen 2021 für mein Debüt-Album 20th Century Russian Piano Sonatas aufgenommen. Außerdem erklingen Tschaikowskis Variationen über ein originelles Thema des Komponisten, das in seiner Melodik stark an ein russisches Volkslied erinnert. Das h-Moll-Präludium von Anatolij Ljadow, einem russischen Komponisten, Dirigenten und Professor am St. Petersburger Konservatorium, stellt eine lyrische und sehr berührende melancholische Stimmung dar. Den Abschluss bildet die Erste Sonate von Sergei Rachmaninow – ein monumentales, fast „symphonisches“ Werk mit einer verborgenen Idee von drei Figuren aus Goethes „Faust“ – Faust, Gretchen und Mephistopheles.

Was fasziniert Sie an dem ebenfalls in Kursk geborenen Komponisten Swiridow?
Es ist schwer zu beschreiben, seine Musik hat mich immer berührt, vor allem seine Lieder und Chorwerke finde ich absolut hörenswert! Von seinem bekanntesten Orchesterstück „Die Zeit, vorwärts!“ bekomme ich immer noch Gänsehaut. In seiner Musik findet man eine wunderschöne Verbindung zwischen der menschlichen Stimme und dem poetischen Wort, sowohl in seinen Liedern als auch in den Chören, Kantaten und Oratorien. In seiner Kammermusik und Klaviermusik hört man den starken Einfluss seines Lehrers Dmitri Schostakowitsch – Polyphonie, orchestrale Denkweise, besonders ausdrucksvolle Dissonanzen.

Haben Sie eine Vorliebe für russische Komponisten?
Ja, ich liebe russische Musik sehr! Und nicht nur die Klaviermusik. Aber genauso liebe ich die Musik von Chopin und Schumann, Bach und Brahms. In meinem Herzen ist für jeden Komponisten genügend Platz, und es gibt noch so viel wunderbare Musik, die ich gerne spielen würde.

Kann die Musik der großen russischen Komponisten nach dem Ende des Ukraine-Krieges wieder Brücken zwischen Russland und den Europäern schlagen?
Ja, Musik kann sehr vieles! Ich habe klassische Musik immer als eine internationale Sprache empfunden und glaube stark daran, dass sie uns besonders in den schwersten Zeiten zusammenführt, Hoffnung gibt und uns menschlicher macht.

Spielen Sie 2026 weiter Konzerte in Deutschland?
Derzeit kann ich sicher sagen, dass ich im August dieses Jahres in Kassel und im September in Hainfeld (Pfalz) auftreten werde.

Waren Sie eigentlich schon einmal in Speyer?
Noch nicht, und ich freue mich schon sehr drauf!

Termin

Das Konzert ist am Sonntag, 25. Januar, 16 Uhr, im Historischen Ratssaal in Speyer. Karten bei der Tourist-Info Speyer und über Reservix. Die Schirmherrschaft für das Konzert hat Bürgermeisterin Monika Kabs übernommen.

Zur Person

Die im russischen Kursk geborene Anastasia Yasko ist eine vielseitige und international tätige klassische Pianistin, die sowohl als Konzert-Künstlerin als auch als Musikdozentin aktiv ist. Sie lebt heute in Salzburg und unterrichtet seit 2018 am dortigen Mozarteum. Ihre Karriere umfasst zahlreiche Preise bei internationalen Wettbewerben sowie eine Reihe von Alben mit Schwerpunkt auf russischer und romantischer Klaviermusik. Als Solistin gastierte sie in Russland, der Ukraine, Deutschland, Österreich, Italien, Spanien, Frankreich, Portugal und Japan.

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