Speyer Historische Gebissbehandlung
Keine Minute Leerlauf und Langeweile beim Tabakdorffest in Harthausen: Drei Tage lang gab es bei idealem Wetter Live-Musik, Theateraufführungen, eine Ausstellung, außergewöhnliche Autos und vieles mehr. Ortskartell-Vorsitzender Gerald Fischer war zufrieden: „Unser Konzept, neues, zusätzliches Publikum anzusprechen und die Speyerer Straße zu beleben, ist aufgegangen.“
Wahrscheinlich wäre 1834 die Festung Germersheim nie gebaut worden – zumindest nicht in der imposanten Größe und in der kurzen Zeit von 21 Jahren –, hätten nicht Karl-Ludwig, rechtschaffener Harthäuser Bürger, bei der Grundsteinlegung furchtbare Zahnschmerzen geplagt. Wie ein fauler Backenzahn Einfluss auf die Militärgeschichte der Pfalz hatte, erzählte Autor Andreas Heck in seinem neuen Stück „Königskinder und Königssteine“. Die Männer in Hecks Szenen erfinden oft Ausreden, sich vor der Arbeit sowie den häuslichen und ehelichen Pflichten zu drücken und vor den Notwendigkeiten des Lebens zu flüchten – in die Wirtschaft oder (eingebildete) Krankheiten. Sie leiden, jammern, sind Drückeberger, fühlen sich von ihren Ehefrauen missverstanden und schikaniert. Karl-Ludwig quälen der Malefizzahn und sein Weib Käthe, die ihn zum Frisör und Zahnzieher zerrt: „Du gehst jetzt sofort da rein.“ Er weigert sich. Sie: „Das ist mir egal.“ Während der Gebissbehandlung – Karl-Ludwig fällt, noch ein letzter Rucker, ohnmächtig vom Stuhl – kommt bayerisches Militär nach Harthausen. Kleiner Seitenhieb auf Dudenhofen: „Da gibt’s nur Sand und nix Gescheites, aus dem man Ziegel brennen könnte.“ Karl-Ludwig probiert`s mit der klassischen Methode: Schnur um den Zahn und die Aborttüre zuwerfen. Klappt auch nicht. Sepp will ihm zum Schnuranbinden einen besonders schweren Ziegelstein brennen. Karl-Ludwig nimmt den falschen, vom Ziegelleibesitzer Fritz Steiger als Muster für die Offiziere bereitgelegten. Nach einigem Durcheinander bringt Sepp den richtigen, größeren, in den er die Initialen K. L. eingebrannt hat. Der Major liest sie als König Ludwig, hält die Harthäuser für Patrioten und erteilt den Auftrag zum Brennen des „Königssteins“. Karl-Ludwig salutiert, die Kordel spannt, der Zahl purzelt aus seinem Mund. So wurden der Backenzahn und Steigers Steine Teile der Festung Germersheim. Farben und Seele Monika Kuhn, nach Schwegenheim zurückgekehrt, stellte im Prinzregent-Luitpold-Schuppen unter dem Titel „Farben sind der Spiegel der Seele“ aus. Ihre Interpretation des Kunstbegriffs: „Ein Maler sitzt vor einem leeren Blatt und da soll was drauf. Das ist Kunst.“ In den Aquarell- und Acrylbildern – Akt, Stillleben, Naturerkundungen, Nachbildungen wie Edvard Munchs „Der Schrei“ – dominieren immer wieder Rot und Blau. Sie malt expressionistisch, lässt sich nicht auf einen durchgängigen Stil festlegen. Bei Motiv und Technik liefern die jeweilige inneren Stimmung und im Hintergrund klassische Musik Inspiration. Kuhn schulte ihr Talent per Fernstudium an der Kunstakademie Karlsruhe, der Freien Kunstschule Wiesbaden und in Kollegen-Kursen. Sie nahm an 50 Ausstellungen teil und ist Mitglied der Pfälzer Maler. Oldies und Wohnwagen Herbert und Elisabeth Klein kamen gestern Morgen mit einem 1000 S DKW Coupé, Baujahr 1960, samt Wohnwagen, „einer der ersten Eribus Hymer“, mit aufgeschnallten Skiern und Koffer von Bellheim zum Oldtimer-Treffen. Erworben hat Herbert Klein das Auto im Jahr 2000, „noch zu D-Mark-Zeiten“, aus der Schweiz. Er investierte rund 40 Stunden in Wiederherstellungsarbeiten. Tempo 120 habe der Wagen ohne Anhänger noch drauf. Für den Tachostand 70.000 Kilometer wollte Klein „keine Echtheitsgarantie ausstellen“. Dauergäste beim Tabakdorffest sind auch Gerhard und Else Nasel aus Altrip. Dieses Mal wählten sie aus ihren elf Oldies den Fiat Multipla, Baujahr 1961, aus. Mit Platz für sechs Personen plus Liegemöglichkeit wurde er in Italien vornehmlich als Hoteltaxi eingesetzt, vom Vorbesitzer zum Holztransport. Gekauft hat Nasel ihn vor 15 Jahren. Er musste nichts dran machen. Gefragt, warum den Multipla, sagt der Rentner, der seit 35 Jahren Sammler ist: „Es ist einer der seltensten Autos.“