Speyerer Umland
Hilfe gefragt: Nur so bleibt der Storch in der Pfalz heimisch – mit Übersichtskarte
Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Weißstorch komplett aus der Pfalz verschwunden. In den 1970er Jahren führte ein Zusammenspiel aus der Trockenlegung von Feuchtwiesen, dem Bau neuer Straßen, intensiverer Landbewirtschaftung und dem Einsatz langlebiger Insektengifte dazu, dass die Art in der Region ausstarb, erklärt Jessica Lehmann, Leiterin des Rheinland-Pfälzischen Storchenzentrums in Bornheim. „Das Aussterben war damals menschengemacht.“
Fast 30 Jahre später hat sich der Weißstorch wieder etabliert: Seit 1997 gilt er in Rheinland-Pfalz wieder als heimisch. Inzwischen gibt es nach Angaben Lehmanns rund 700 Brutpaare im Land. Möglich geworden sei diese Entwicklung durch großes ehrenamtliches Engagement. Damals wurden Storchenpaare aus Baden-Württemberg im Storchenzentrum Bornheim aufgenommen und gepflegt. Anschließend begann man, die Tiere zu beringen und auszuwildern. „Durch das Beringen ist es uns möglich, die Population der Weißstörche in der Region im Blick zu behalten“, sagt Lehmann.
Gefahren frühzeitig erkennen
Jedes Jahr erfassen Ehrenamtliche der Aktion PfalzStorch und des Naturschutzbunds (Nabu) landesweit die besetzten Nester, dokumentieren den Bruterfolg und beringen neue Jungtiere. So lasse sich beurteilen, ob die Lebensverhältnisse in der Region weiterhin günstig seien – und ob sich neue Gefahren abzeichnen, erklärt Lehmann.
Die häufigste Todesursache für Störche seien Stromleitungen. Zwar gebe es auf europäischer Ebene Vorgaben, Strommasten besser zu isolieren, die Umsetzung dauere jedoch, so die Leiterin. Eine weitere Gefahr für die Tiere sei Plastikmüll: Jungstörche werden von den Elterntieren vor allem mit Regenwürmern gefüttert – weggeworfene Gummiringe würden dabei häufig mit Würmern verwechselt.
Auf Hinweise angewiesen
Um Bestandsentwicklung und Todesursachen weiterhin gut verfolgen und einordnen zu können, ist das Storchenzentrum auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Inzwischen sei die Brutsaison so weit fortgeschritten, dass mit weiteren Brutpaaren nicht mehr zu rechnen sei, sagt Lehmann. Die meisten Störche bewachen und beschatten derzeit ihre Jungen im Nest oder brüten noch Eier aus.
Der Zeitraum für die Beringung ist begrenzt: Mit etwa acht Wochen beginnen Jungstörche, das Fliegen zu üben. Damit steige das Risiko, dass sie bei der Markierung durch ehrenamtliche Beringer aus dem Nest fallen und sterben.
Neststandorte im Speyerer Umland
Neben vereinzelten Storchennestern im Mechtersheimer Ortskern, Römerberg sowie zwischen Neuhofen und Limburgerhof ist es die Kollerinsel bei Otterstadt, die in der Region die höchste Nesterdichte hat. „Auf der Kollerinsel sind uns dieses Jahr insgesamt acht Storchennester bekannt“, teilt Andreas Blättner, Vorsitzender des Vereins für Heimatpflege und Naturschutz in Otterstadt (VHNO), mit. Der Verein kümmert sich um die Pflege der Tiere auf der Halbinsel, die offiziell zu Baden-Württemberg gehört. Vergangenes Jahr seien in den Nestern auf der Kollerinsel insgesamt elf Jungstörche geboren worden, berichtet Blättner. Der Stand für dieses Jahr steht noch aus: Die Hälfte der Nester sei soweit zugänglich, dass die Beringung der Jungtiere Mitte Juni stattfinden werde, ergänzt der Vereinsvorsitz.
Die bereits bekannten Neststandorte für das Speyerer Umland haben wir in dieser Karte zusammengefasst. Dort finden sich auch Informationen zu den jeweiligen Nestern.
Wer Informationen zu einem bereits erfassten Nest übermitteln wollen, sollte die in der Karte angegebenen Nestbezeichnungen verwenden, um Verwechslungen zu vermeiden. Besonders wichtig sind den ehrenamtlichen Helfern Hinweise auf neue Storchennester, die in diesem Jahr neu dazugekommen sind. Meldungen können an weiss-storch@nabu-rlp.de gerichtet werden.