Speyer
Helene Uhl zeigt ihre Bilder im Feuerbachhaus
Mit Gefühlen, eigenen oder denen ihres Gegenübers, setzt sich Uhl künstlerisch und emotional auseinander. Nach 18 Jahren in Frankfurt zurückgekehrt in ihre Geburtsstadt, hat sie sich ihrem Herzensthema gestellt. Die Geburt ihrer zweiten Tochter sei entscheidender Anlass dafür gewesen, sagt sie. „Sämtliche Arbeiten sind in diesem Jahr entstanden“, berichtet sie von Zeit-Oasen in der gerade zu Ende gegangenen Elternzeit. „Ich habe noch keine lange Ausstellungskarriere“, erklärt Uhl, warum sie zum ersten Mal in Speyer ausstellt.
Gefühle sind der rote Faden, Gefühle beschäftigen die Künstlerin seit langem. „Technisch war es für mich eine Spielwiese“, sagt sie. Emotionen aus der Tabuzone zu holen, sie zu akzeptieren und zu respektieren sei Ziel und Anspruch. „Ein gefühlvolles Leben zu leben ist nach wie vor ein Nischen-Phänomen“, ist die 37-Jährige überzeugt. „Gefühlvolle Frauen werden als hysterisch abgetan, Männer, die weinen, gelten als Weicheier“, beschreibt sie ihre Wahrnehmung.
Spielerischer Ansatz
Für die Ausstellung hat Uhl einen spielerischen Ansatz gefunden. Plakativ konfrontiert sie den Betrachter mit Antworten auf die Frage: „Wie geht es?“ „Alles paletti, schönes Wetter heute, so lala, na ja, läuft“ sind ausweichende oder allgemeingültige Entgegnungen, die Uhl in Hologramm-Optik anbietet. Dem Betrachter lässt sie viel Raum für Interpretationen, eigene Betrachtungen und Gedanken: „Wir sollten mehr und ehrlich über Gefühle reden.“
Eine großformatige Collage voller gestanzter bunter Klebepunkte zeigt Gefühle und „Gefühlchen“, mit denen die Künstlerin gleich nach der Geburt ihres zweiten Kindes umgegangen ist. Im Wortsinn vielschichtig erzählt das Bild von Glück, Ängsten, überbordender Freude und Hoffnung auf eine verheißungsvolle Zukunft.
Auch Autorin
Zwei Stillleben unterbrechen Uhls Arbeiten am Computer. Statt der überwiegenden Digital-Drucke hat sie auf Acryl-Basis mit Bunt- und Filzstift zwei Tisch-Szenen gemalt, die doppeldeutig zu verstehen sind. Einsamkeit, vielleicht Abhängigkeit, spricht aus der Arbeit, die ein halbvolles Weinglas mitsamt Flasche und verglimmender Zigarette zeigt. Dem Betrachter bleibt es überlassen, „Zu Tisch“ auch hinsichtlich der Gefühle des nicht sichtbaren Trinkenden zu deuten.
Drei Textfragmente aus dem Alltag der von Uhl erfundenen „Frau Sommer“ weisen die Künstlerin auch als Autorin aus. In „Smile on me“ erkennt der Betrachter Emojis, die Gefühle digital ausdrücken. Mit „What the fuck“ bricht Uhl dem Fluch eine Lanze. Schmerzhafte Emotionen wegzuschimpfen, hilft nach Ansicht der Künstlerin bei der Verarbeitung.
Wer zu seinen Gefühlen steht oder sie endlich beim Wort nehmen möchte, sollte sich die Ausstellung im Feuerbachhaus nicht entgehen lassen.
Ausstellung
Zu sehen bis 3. November im Feuerbachhaus, Allerheiligenstraße 9, Speyer. Geöffnet Mittwoch bis Samstag 17 bis 22, Sonntag 11.30 bis 18 Uhr. Eröffnung Donnerstag, 5. September 19 Uhr. Begrüßung Mira Hoffmann, Einführung Helene Uhl.