Speyer Harte Arbeit für die Kunst

Zum ersten Mal dabei: Melanie Paff und ihr Sonnensymbol.
Zum ersten Mal dabei: Melanie Paff und ihr Sonnensymbol.

Die Teilnahme am Bildhauerkurs auf dem Rathausplatz in Dudenhofen ist begehrt. Ob das erste Mal oder schon öfter dabei, für alle sind es trotz Widrigkeiten wie Hitze, Regen und körperliche Anstrengung mit die spannendsten und schönsten Tage des Jahres.

Eva Heyder aus Mutterstadt empfindet bei ihrer Premiere die Arbeit am Sandstein als „echte Knochenarbeit“ – zumal anfangs beim Vorhaben Frauenkopf einige Hammerschläge knapp daneben gingen, wovon die blauen Flecken auf den Händen zeugen. Vergangenes Jahr übte sie schon mal in der Toskana an weißem Carrara-Marmor. Melanie Paff, Sozialpädagogin aus Schifferstadt und auch das erste Mal dabei, unterschätzte die Belastung der Sehnen und der Muskulatur. Was der Spaß an der Beschäftigung, am Hiersein mehr als wettmache. Nicht schlimm, sollte das Sonnensymbol nicht fertig werden. Christine Horrer kommt aus Waldsee und ist gelernte technische Zeichnerin. Bei der zweiten Teilnahme hat sie sich eine knieende, kauernde Frauenfigur vorgenommen, setzt hinter die Beschreibung aber ein Fragezeichen: „Es wird immer anderes, als einmal vorgestellt.“ Altes Handwerk interessiert und begeistert sie. Wie die anderen schätzt sie die Atmosphäre, die Tipps vom Speyerer Bildhauer Holger Grimm, der den Kurs leitet, und den Austausch mit den anderen Teilnehmern. Eine aus der Gruppe ist Dagmar Bicker aus Limburgerhof, Logopädin und Bildhauer-Debütantin. „In der Woche werde ich die Knospe wahrscheinlich nicht ganz hinbekommen“, befürchtet sie. Den Stein zu formen, brauche Geduld. Lege sie Hammer und Meisel weg, rege sich der Muskelkater. Neben ihr hämmert Valentina Bergener, Erzieherin in Rheingönheim. Auch sie „spürt die harte Arbeit am ganzen Körper“. Das Ergebnis entschädige aber dafür – wenn’s denn der beabsichtigte Elefant wird. Georg Scherdel, Starkstromelektriker aus Lambsheim, möchte das Weinfass mit Reben anschließend in der heimischen Hofeinfahrt aufstellen. Seine Kurs-Erfahrung: „Es ist eine langwierige und zugleich entspannende Übung, die zum Reflektieren und mit sich ins Reine kommen einlädt.“ Immer wieder wolle der Stein gelesen werden: „Er ist sehr strukturreich und birgt jederzeit die Gefahr, dass er reißt.“ Wem der Begriff „abstrakter Gartenzwerg“ nichts sagt, kann sich bei Holger Blaufuß, technischer Angestellter aus Ludwigshafen, kundig machen. Michael Kurt, Diplom-Pädagoge aus Otterstadt, hält es eigentlich eher mit der Malerei – aktuell stellt er in Brühl aus. Sein Vergleich mit der Bildhauerei: „Das Handwerk im ursprünglichen Sinn ist der härtere Weg zum Ausdruck.“ Allein erstmal die nicht benötigte Masse wegzuklopfen – viel Stein zur „Rückansicht einer Frau, die sich im Fels auflöst“ benötigt er nicht. Ein Reiz liegt für ihn in der Ewigkeit des Materials und der täglichen Ansicht beim Gang durch den Garten. Nach fünf Köpfen wagt sich Eveline Sanderbeck, Krankenschwester aus Dudenhofen, an die drei Grazien von Pompeji, die Töchter des Zeus. Ein Bild der dienenden Untergöttinnen hängt bei ihr Zuhause an der Wand und inspirierte sie. Wagnis vor allem deshalb: „Es ist nicht einfach, die verschiedenen Ebenen in der Tiefe des Reliefs darzustellen.“ Das Motiv Mutter mit Kind von Marianne Heiden, Hausfrau aus Mechtersheim, zeichnete die Oma. Sie wollte es „mal probieren“, findet`s anstrengend, aber zugleich toll. Gustav Adlhoch feiert bei elf Kursen sein Zehnjähriges. Gedacht hatte der Dudenhofener dieses Mal an eine Meerjungfrau – in Mischtechnik, mit Eichenholz und Sandstein. Dann geriet ihm die Vorbereitung zu kurz und er entschied sich für zwei junge Eulen. Noch immer freut er sich auf die Woche: „Sie ist Anlass und Gelegenheit, mir Zeit für mich und das Wesentliche zu nehmen, etwas zu schaffen, mit dem ich tief einverstanden, zufrieden sein kann.“ Marliese Goldschmidt, Leiterin der örtlichen Volkshochschule, meißelt eine Felsenburg, der Wunsch der Architektin ihres Hauses. Danke sagen möchte sie Holger Grimm, Ortsbürgermeister Peter Eberhard und Hausmeister Rainer Nord. TERMIN Abschluss des Bildhauersymposiums mit Vorstellung der Arbeiten auf dem Konrad-Adenauer-Platz in Dudenhofen ist am Freitag, 17. August, 18.30 Uhr, umrahmt durch die „Spielleute Scurrilitas“.

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