Speyer / Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Grippewelle: Wie rüsten sich Krankenhäuser und Praxen?

Angelika Wagner, Leitung der Station 8 am St. Vincentius-Krankenhaus, mit einem Patienten bei der Durchführung einer schleimlöse
Angelika Wagner, Leitung der Station 8 am St. Vincentius-Krankenhaus, mit einem Patienten bei der Durchführung einer schleimlösenden Inhalation.

Herbstzeit ist Grippezeit. Krankenhäuser und Arztpraxen spüren die Auswirkungen von Influenza unterschiedlich stark. Wie ist die Situation vor Ort?

Im St. Vincentius-Krankenhaus in der Holzstraße sind die Auswirkungen der Grippesaison spürbar – „allerdings in erster Linie aufseiten des Personals“, erklärt Sprecherin Andrea Brönner auf Anfrage: „Derzeit sind einige unserer Mitarbeitenden im medizinischen Bereich erkrankt, aber dies ist für diese Jahreszeit nicht ungewöhnlich.“ Auf Patientenseite beobachte die Klinik aktuell keine Influenza-Fälle.

Das unterscheide die Auswirkungen in dieser Saison bisher von vorigen Jahren. Schwere Fälle von Influenza gebe es bislang nicht. „Die Lage ist insgesamt stabil, insbesondere im Hinblick auf die Versorgung von Patientinnen und Patienten.“

Das gilt auch für das Diakonissen-Stiftungskrankenhaus. „Aktuell wirkt sich die Grippesaison im Haus nicht aus“, sagt Jürgen Majolk, Chefarzt der Interdisziplinären Zentralen Aufnahme. Und wie ist die Lage bei Infekten mit dem Corona-Virus, das die Welt vor einigen Jahren in Atem gehalten hat? Im „Diak“ treten laut Majolk vereinzelt Fälle auf, fast alle Patienten würden ambulant behandelt: „Stationäre Covid-bedingte Aufnahmen gibt es aktuell keine.“

Im „Vincenz“ hat die Anzahl der Patientinnen und Patienten mit einer Covid-Infektion zuletzt wieder leicht zugenommen. „Die Betroffenen werden jedoch auf Normalstationen behandelt und wurden wegen anderer Erkrankungen stationär aufgenommen.“ Schwere Covid-Verläufe, die intensivmedizinisch betreut werden müssten, gebe es nicht. Intensivbetten sind laut Rückmeldungen von beiden Krankenhäusern ausreichend vorhanden.

Mehr grippale Infekte

Und wie rüsten sich die Arztpraxen? Für die Hausärztliche Gemeinschaftspraxis Speyer-Nord stellt Arzt Nikolai Wezler eine Zunahme der Patienten mit Infektionskrankheiten fest. Konkret berichtet er über „grippale Infekte jeder Art und Magen-Darm-Infektionen“, die aktuell in der Bevölkerung am meisten verbreitet seien. Wezler, der neben Peter Erb und Nadine Pletsch zum Ärzteteam der Gemeinschaftspraxis zählt, rät gesunden Personen, sich bei einem erhöhten Infektionsrisiko durch das Tragen einer Mund-Nasen-Maske und „gute Handhygiene“ vor einer Ansteckung zu schützen. Um das Infektionsrisiko in der Praxis zu verringern, habe man für bereits Erkrankte einen separaten Eingang eingerichtet und biete diesen außerdem eine tägliche „spezielle Sprechstunde“ an. Aus Wezlers Sicht gibt es aktuell genügend Medikamente, um Betroffene angemessen behandeln zu können. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland im Frühjahr 2020 hatte es wiederholt an verschiedenen Medikamenten zur Behandlung von Infektionskrankheiten gemangelt.

Im Speyerer Umland ist die Situation auch deswegen angespannt, weil in den Herbstferien Hausarztpraxen wie in Waldsee zeitweise geschlossen waren. In Notfällen übernehmen dann die Kollegen aus anderen Praxen. Ärzte waren dort nicht zu sprechen. „Zu viel zu tun“, hieß es von den Sprechstundenhilfen. Viele Menschen husten und schniefen. Doch zu dieser Jahreszeit ist das laut Robert-Koch-Institut nichts Ungewöhnliches. Das RKI stufte die Anzahl der Personen mit Atemwegserkrankungen und die mit grippeähnlichen Erkrankungen in ihrem jüngsten Wochenbericht für den Zeitraum vom 6. bis 12. Oktober als moderat ein. In der genannten Woche gab es laut RKI 1,3 Millionen Menschen, bei denen eine Grippe diagnostiziert wurde. Zirka 6,5 Millionen Menschen in Deutschland hatten eine andere akute Atemwegserkrankung mit Husten oder Halsschmerzen oder Fieber, die ein Arzt festgestellt hatte. Corona spielt ebenfalls wieder eine Rolle. Die Inzidenz, die auf Schätzungen und einem Abwassermonitoring beruht, steigt laut RKI seit August an. Vor zwei Wochen wurde demnach von rund 600 Covid-19-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner ausgegangen.

Dreifacher Test

Die Kliniken treffen Schutzvorkehrungen: Im Diakonissen-Stiftungskrankenhaus werden ab 1. November alle Patienten einem Triple-Antigen-Test auf Influenza, Covid und das Humane Respiratorische Syncytial-Virus (RSV) unterzogen. So könne die Einrichtung bei einem Anstieg der Infektionen schnell reagieren. „Durch unser hauseigenes Labor können wir Patienten entsprechend testen, isolieren und unterbringen“, erklärt Sprecherin Susanne Liebold. Der Stufenplan zum Vorgehen bei erhöhtem Auftreten von Erkrankungen in der Bevölkerung sei seit Jahren erprobt. „Dieser sieht vor, dass unsere Mitarbeitenden je nach Lage zusätzliche Schutzmaßnahmen ergreifen, beispielsweise Masken im direkten Patientenkontakt tragen.“ Das diene dem bestmöglichen Schutz von Patienten und Mitarbeitern. Zusätzlich werden Besucherinnen und Besucher im Haus informiert, wie einer Ansteckung vorgebeugt werden kann. Für das Klinikpersonal werde zudem an mehreren Terminen wieder eine Grippeschutzimpfung angeboten.

Das St. Vincentius-Krankenhaus testet zum Schutz konsequent alle Patientinnen und Patienten mit Erkältungssymptomen wie Husten oder Schnupfen, erklärt Brönner. Der PCR-Test sei eine sichere Grundlage, um alle Patienten und Mitarbeitende bestmöglich zu schützen. Und auch am „Vincenz“ gilt: „Darüber hinaus bieten wir allen Mitarbeitenden wie jedes Jahr eine kostenlose Grippeschutzimpfung an, die sehr gut angenommen wird“, sagt die Sprecherin. Für Angestellte über 60 Jahre stehe ein spezieller, hoch dosierter Grippeimpfstoff zur Verfügung. Zudem sei im November eine Corona-Impfaktion für das Krankenhauspersonal geplant.

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