Speyer Gesichter der Kulturszene: Udo Sailer

Udo Sailer: Musiker.
Udo Sailer: Musiker.

Mit den im Internet in Facebook vorgestellten Menschen aus der Kultur- und Veranstaltungsbranche beteiligt sich die Stadt an einer bundesweiten Initiative. Auf der Webseite gibt es die kompletten Interviews mit Kultur-Fachbereichsleiter Matthias Nowack. Die RHEINPFALZ stellt die Kulturgesichter seit Dezember ebenfalls vor.

Udo Sailer ist Musiker und seit 50 Jahren in der Branche. „Ich habe durch diese Pandemie gelernt, dass Durchatmen nichts Selbstverständliches ist und wir dankbar für jeden nicht verseuchten Liter Luft sein müssen. Die Krise erlebe ich als eine Zeit des Besinnens auf das Wesentliche, nämlich meine Frau, die Familie, den Hund und unser aller Gesundheit. Wir gehen nur aus dem Haus, um Lebensmittel einzukaufen und täglich aus naheliegenden Gründen mit dem Hund in den Wald. So können wir uns und andere schützen. Die Telefongespräche mit Freunden werden deshalb länger und der Alkoholkonsum ist bei null angelangt – ohne lustige Runde will alles nicht so recht schmecken“, sagt er. Aber er schreibt an einem neuen Buch, komponiert, übt viel Klavier und Orgel (dank der senilen Bettflucht) und macht Onlinevertrieb und -promotion. Ab und zu kommentiere er unnützes Zeug in Facebook. „Mir ist keinen Moment langweilig. Dennoch fehlen mir die Auftritte vor Publikum mit anderen Musikern sehr.“ Mit ein paar bekannten, exzellenten Kollegen aus Speyer und Umgebung werde es nach Corona ein interessantes Projekt geben. Man habe ja genug Vorlaufzeit für die Planung. „Telefonisch sind wir uns schon einig, fehlt nur noch der Handschlag.“

Bei den Bands, mit denen er spielt, gab es sehr viele Absagen von Auftritten. „Die Verträge wurden einfach gekündigt. Betrifft N.S.A., Art2Be, LY-SA, Gordon Blue. “ Vor dem Lockdown hat er selbst einige Events gecancelt, die in geschlossenen Räumen stattfanden. Als Risikogruppenbetroffener war das für ihn die einzig vernünftige und gesunde Maßnahme. Zum Glück müsse er aber meinen Lebensunterhalt nicht mit Livemusik verdienen. Er kenne niemanden, bei dem die Hilfspakete auch nur annähernd den Niedergang verhindern konnten. Wenigstens die Stadt Speyer helfe, wo sie nur kann, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, insbesondere der Speyer.Kultur.Support.

Gagen werden sinken

Die Branche werde wahrscheinlich ausgedünnt werden und vermutlich auch die Gagen nochmal sinken, obwohl sie schon vor Corona mit „Geiz ist geil“ belegt gewesen wären. Die großen Konzerte und Festivals werde es wieder geben, aber die Clubszene habe jetzt schon viele Federn gelassen und gebe ein trauriges Bild ab. Wie sich das auf die Zukunft auswirke, bleibe abzuwarten. „Wir können nur hoffen, dass die Maßnahmen der Regierung keine Komplettrodung der Kulturlandschaft verursacht haben. Eines ist mir mehr denn je bewusst geworden: Auftritte sind kostbar, ideell und materiell. Man darf sie nicht verschleudern“, sagt er.

Von der Politik nach Corona erwartet er Fairness, Weitblick, Toleranz, weniger Wahlkampf und mehr Zeit für die eigentlichen Aufgaben, einen ▪ Workshop als Pflichtveranstaltung für Politiker mit dem Thema „Kultur, die drittstärkste Wirtschaftsmacht“, empathische Entscheidungen für die Kulturbranche und respektvollere Behandlung der Ausübenden und verlässliche Aussagen.

Link

https://www.speyer.de/kulturgesichter