Speyer
Geht es mit Nextbike weiter?
Was ist VRNnextbike?
Das Fahrradverleihsystem des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar, das es in vielen Städten der Metropolregion gibt. In Speyer wurde es 2015 eingeführt. An zwölf Standorten stehen laut VRN rund 65 Fahrräder zum Ausleihen zur Verfügung. Nutzer können sich online, via App oder über eine Hotline registrieren. Abgerechnet werden Fahrten im 15-Minuten-Takt und per Kreditkarte, Lastschrift oder Paypal bezahlt.
Wie beliebt ist das System?
In Speyer wird es nach der Corona-Pandemie immer beliebter, wie eine Sprecherin des VRN auf Anfrage mitteilt. Das System verzeichne „einen deutlichen Nachfrageanstieg“. Bisheriger Rekord: rund 12.700 Ausleihen im Jahr 2024. Die Station am Hauptbahnhof sei mit Abstand am beliebtesten – rund 3500 Mal seien hier Fahrräder ausgeliehen worden. Danach folgen laut VRN Stationen am Postplatz, in der Salzgasse und an der Universität mit jeweils mehr als 1000 Ausleihen und Rückgaben. Im ersten Halbjahr 2025 seien bereits 5100 Vorgänge gezählt worden. „Ein Niveau, das im Vergleich zu den Vorjahren stabil bleibt“, so die Pressesprecherin.
Die Stadt will das System mit Nextbike dennoch „kritisch hinterfragen“. Warum?
Grund dafür sind laut einer Verwaltungssprecherin die hohen jährlichen Gesamtkosten des Systems sowie die vergleichsweise hohen Kosten pro Ausleihvorgang. „Die Stadt Speyer leistet gemäß dem geltenden Rahmenvertrag einen fixen Zuschuss pro Fahrrad und Station“, erklärt die Sprecherin des VRN. Im Jahr 2024 seien das wegen verfügbarer Fördermittel insgesamt 35.000 Euro brutto gewesen. „Im Jahr 2025 entfällt diese Förderung, weshalb der städtische Zuschuss für das Gesamtjahr regulär wieder bei 53.000 Euro liegt“, erklärt die Sprecherin. Die derzeitigen Zuschüsse pro Fahrrad und Station basierten auf der europaweiten Ausschreibung von 2014, bei der Nextbike den Zuschlag erhalten habe, erläutert eine Sprecherin der Stadtverwaltung. „An diese vertraglichen Konditionen ist die Stadt gebunden.“ Ein Sonderangebot oder eine vertragliche Abweichung seien nicht realisierbar.
Gab es diese Diskussion nicht schon einmal?
Ja. Auch bei der Vertragsverlängerung 2020 wurde von mehreren Stadträten Kritik an dem hohen städtischen Zuschuss laut. Damals hatte die Stadt nachverhandelt und musste „nur“ noch 169.000 Euro auf fünf Jahre zuschießen. Am Ende stimmten die Entscheidungsträger der Vertragsverlängerung mehrheitlich zu. Überlegungen gab es damals auch, ein eigenes lokales System mit den Speyerer Stadtwerken (SWS) und ihrer Tochter Verkehrsbetriebe Speyer (VBS) einzuführen.
Was ist aus diesem Projekt geworden?
Es sei „nach sorgfältiger Prüfung nicht weiterverfolgt“ worden, wie eine SWS-Sprecherin erklärt. „Der Aufbau und Betrieb eines eigenen Systems hätte einen erheblichen Personal- und Investitionsaufwand bedeutet.“ Das hätte unter anderem Beschaffung und Wartung der Räder, den technischen Betrieb sowie die Abwicklung von Ausleihe, Rückgabe und Abrechnung umfasst. Hinzu seien versicherungstechnische Überlegungen gekommen. Es hätten Haftungsregelungen für etwaige Schäden oder Unfälle getroffen werden müssen. Damit verbundene Risiken und Versicherungsanforderungen hätten den Betrieb zusätzlich erschwert.
Wie geht es weiter?
Der derzeit gültige Vertrag mit der Stadt und Nextbike läuft laut VRN-Sprecherin noch bis Ende 2025: „Eine mögliche Verlängerung bis Februar 2027 wird aktuell geprüft, wobei auch eine Angebotsanpassung zur Reduzierung der Kosten diskutiert wird.“ Aus dem Rathaus heißt es, aus Sicht der Verwaltung werde eine Vertragsverlängerung „nicht empfohlen“. Die abschließende Entscheidung darüber treffe der Stadtrat. In der kommenden Sitzung (4. September) soll abgestimmt werden.
Gibt es auch Überlegungen, zu einem anderen Anbieter zu wechseln?
Die Stadt findet das Fahrradverleihsystem grundsätzlich sinnvoll, „um den Anteil des umweltfreundlichen Radverkehrs gegenüber dem motorisierten Individualverkehr zu erhöhen“. Grundsätzlich signalisieren die Verantwortlichen auch Interesse, an einem einheitlichen System teilzunehmen, das ab 1. März 2027 vom VRN europaweit ausgeschrieben werde. In der nächsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr will die Verwaltung umfassend über „Teilnahmemöglichkeiten, die zukünftige Anzahl der Fahrräder und Stationen, sowie den zu erwartenden finanziellen Rahmen informieren“.
