Speyer Gaudi im „Märchenwald“

Abgefahren: Kostüme gehören bei der Gaudi auf zwei Rädern ebenso dazu wie der Schweiß, der unter der Verkleidung vergossen wird.
Abgefahren: Kostüme gehören bei der Gaudi auf zwei Rädern ebenso dazu wie der Schweiß, der unter der Verkleidung vergossen wird.

Was sich damals als eine Gaudi weniger Klapprad-Freunde darstellte, ist heute nicht mehr wegzudenken: Der 27. Kalmit-Klapprad-Cup am heutigen Samstag (Start: 15 Uhr) genießt – ebenso wie das in den 1970er-Jahren in die Mode gekommene Zweirad – Kultstatus. Diesmal lautet das Motto für die mehr als 1000 meist verkleidungsfreudigen Teilnehmer „1001 Scharnier – Märchen aus dem Orient und von hier“.

Auch diesmal wird die Fahrt auf die höchste Erhebung des Pfälzerwaldes kein Zuckerschlecken werden. Es ist sportlicher Ehrgeiz gefordert. Immerhin führt der Weg vom Ortsausgang Maikammer, dem „Märchenpark-Platz“, genau 6,8 Kilometer bergauf in Richtung Kalmit-Hütte. Und da wird auch unter der Maskerade der Schweiß fließen. „Das wird auch eine Mordsgaudi werden“, verspricht Peter Zürker, der Präsident des seit 2011 veranstaltenden Pfälzer Klappvereins aus Dudenhofen. Der Klapprad-Chef kann das neuerliche Spektakel kaum abwarten. Zugelassen sind nur Starter mit rasierten Beinen und Klapprädern ohne Schaltung. „Da schauen wir ganz genau hin“, verrät Zürker, der zusammen mit seinen Freunden Jürgen und Christof Flörchinger sowie Rainer Klein erstmals 1992 mit dem Klapprad zur Kalmit fuhr und die Idee für den Cup hatte. „Klappradiologe Dr. Klapp“ wird diejenigen aus dem Rennen nehmen, die vor dem Start technische Defekte aufweisen. Inzwischen ist die Nachfrage nach einem Startplatz groß. „Wir sind dicht. Nur für Notfälle machen wir gegen einen Aufschlag eine Ausnahme“, verrät Zürker, nachdem die 1000 Plätze bereits nach zwölf Stunden vergeben waren. Genau 1077 Pedaleure, darunter auch welche aus der Schweiz, den Niederlanden und Frankreich, werden erwartet. Zürker rät dazu, die Startunterlagen bereits ab 10 Uhr am „Märchenpark-Platz“, von dem aus gestartet wird, abzuholen. Spätestens um 14 Uhr, wenn die Strecke durch den „Märchenwald“ zur Kalmit komplett für den Verkehr gesperrt wird, steigt die Spannung. Dabei sei mit Brotkrümeln und Kieselsteinen auf der Strecke zu rechnen. Lediglich das Verteilen von vergifteten Äpfeln sei nicht gestattet. Hänsel, Gretel, Hexen, Stiefmütter, Zwerge und „Klappunzels“ dürften manchen Zaungast entlang der Strecke erschrecken. Starter ohne Startnummer werden vom „bösen Wolf gefressen“. Die Kreativität und die Gaudi um das Kräftemessen mit dem Klapprad kennen keine Grenzen. Am Ziel, dem Kalmit-„Märchen-Parkplatz“, spielen die Speyerer Klappmusikanten, besser unter dem Namen „Marching Bones Jazzband“ bekannt. Danach geht es zu Fuß hinter dem „Rattenfänger“ durch den „Märchenwald“ singend zurück zum „Märchenpark-Platz“, wo im Knusperhäuschen „Hot Four“ und „Jimmi Hänsel & Gretel Experience“ bei der Grusel-Märchen-Disco für „Stimmung sorgen werden, bis der Knüppel aus dem Sack hüpft“, so Zürker. Außerdem betont er: „Wir warnen ausdrücklich vor einer Abfahrt mit dem Klapprad.“ Die Siegerehrung findet ab 18 Uhr statt. Ausgezeichnet werden nicht nur die Schnellsten, sondern auch die Pedaleure, die für den Weg nach oben die schärfsten Outfits gewählt haben.

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