Landtagswahl
Freier Wähler Patrick Kunz will mehr Glasfaser, weniger Bürokratie und Geothermie
„Dinge, die für Kommunen wichtig sind, werden in Mainz entschieden.“ Mit diesem Satz erklärt der Schifferstadter Patrick Kunz, warum er sich 2016 und 2021 um ein Landtagsmandat bewarb. „In meiner Jugend hätte ich nicht geglaubt, Geschichte zu schreiben“, sagt der heute 48-Jährige und meint damit seinen Einzug vor fünf Jahren als einer der ersten Freien Wähler in den rheinland-pfälzischen Landtag. Kunz stand damals auf Listenplatz 4 seiner Partei. Er hatte nach eigener Aussage schon früh durch seinen Onkel, Chef der Bereitschaftspolizei der Länder und Sicherheitschef von Ex-Kanzler Helmut Kohl, Bezug zur Politik. Nach zwölf Jahren als Zeitsoldat kehrte Kunz in die Region zurück und folgte der familiären Empfehlung, in die Politik zu gehen.
Kunz bereut diesen Schritt nicht. Er schätzt den Kontakt zu den Menschen in seinem Wahlkreis, der Speyer, Schifferstadt und die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen umfasst. Als „offen, geradlinig und mutig“ beschreibt er sich selbst und betont, auch unpopuläre Meinungen zu vertreten. So lehnt er etwa die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre ab – eine Position, die er auch gegenüber Schülern verteidigt. „Mit 16 habe ich in meiner Ausbildung selbst Steuern gezahlt und war enttäuscht, nicht wählen zu dürfen. Heute sehe ich das anders“, erklärt der gelernte Prozessleitelektroniker, der vor seiner Bundeswehrzeit ein Jahr als BASF-Facharbeiter tätig war.
Kunz will mit Lebenserfahrung punkten
Der 48-Jährige ist überzeugt, dass Lebenserfahrung nötig ist, um fundierte Wahlentscheidungen zu treffen. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren durchliefen wichtige Entwicklungsschritte. „Jedes Kind sollte Zeit haben, erwachsen zu werden“, sagt Kunz. Er selbst bezeichnet seine Lebenserfahrung als „breit gefächert“. Stationen wie Ausbildung, Schichtarbeit, Bundeswehrzeit und Verwaltungsausbildung hätten ihm bei seiner politischen Arbeit geholfen. Besonders prägend sei die Zeit beim Militär gewesen, wo er in Feldlagern lebte und sah, wie wenig Ressourcen Menschen auf dem Balkan hatten. Seine folgende Verwaltungsausbildung im mittleren nichttechnischen Dienst ermögliche es ihm, komplexe Unterlagen wie Haushaltspläne des Landes zu durchdringen.
Kunz möchte seine Arbeit im Landtag fortsetzen und nennt Ziele: Glasfaserausbau vorantreiben und vom Land organisieren sowie Bürokratie abbauen. Dabei sieht er den Staat „in der Bringschuld“. Er verweist auf Estland, wo mit weniger Verwaltungsmitarbeitern effizienter als in Deutschland gearbeitet werde – sechs Personen kümmerten sich dort um 45.000 Arbeitslose – und Digitalisierung bürgerfreundliche Lösungen ermögliche. In Estland trage der Arzt die Geburt eines Kindes in ein System ein, sodass der Staat informiert sei und alle notwendigen Dokumente in die Wege leiten könne. Europäische Datenschutzregeln seien dort ebenfalls bindend, führt Kunz an und will damit mögliche Bedenken von Datenschützern zerstreuen. Zudem fordert er, Medienkompetenz als Bildungsrecht zu verankern. Er sieht Chancen im Robotereinsatz in Pflegeheimen – etwa beim Putzen –, um Personal für wichtige Aufgaben zu entlasten. Außerdem setzt der Freie Wähler auf die Energie- und Wärmewende und ist „absolut überzeugt“ vom geplanten Tiefengeothermie-Projekt bei Waldsee, das dort umstritten ist.
Optimistisch, dass es Freie Wähler in den Landtag schaffen
Auch wenn die Freien Wähler laut aktuellen Umfragen um den Einzug in den Landtag zittern müssen, geht Kunz davon aus, dass seine Partei „auf jeden Fall“ die Fünf-Prozent-Hürde überwindet. Kunz steht auf Platz 5 der Landesliste seiner Partei, die nach dem Austritt zweier Mitglieder aus der Fraktion aktuell über vier Sitze im Landtag verfügt und dort als parlamentarische Gruppe – ohne Fraktionsstatus – agiert. Kunz glaubt, dass auch sechs Prozent für die Freien Wähler bei der Wahl am 22. März möglich sein könnten. „Alles darüber wäre ein sehr großer Vertrauensbeweis“, sagt der Verwaltungsbeamte des Bundes im Verteidigungsministerium, der für sein Landtagsmandat freigestellt ist. In seiner wenig verbleibenden Freizeit ist er gerne mit seiner Partnerin und den zwei Hunden zusammen, geht angeln und kümmert sich um das gerade gebaute Haus mit Garten in Schifferstadt.