Speyer
Frauenstreik in Speyer: Rund 200 Frauen gehen für ihre Rechte auf die Straße
Die Teilnehmerinnen des Frauenstreiks am Montag auf der Maximilianstraße hatten im Vorfeld Plakate und Banner gestaltet. Darauf war unter anderem zu lesen: „Care ist Arbeit“, „Familien entlasten“ oder „Patriarchat: Mein Sohn ist mehr wert als meine Tochter“. Zu der bundesweiten Aktion, an der sich in mehreren Städten Tausende Menschen beteiligten, hatten Bündnisse wie das „Töchterkollektiv“ und „Enough! Genug!“ aufgerufen. Ziel war, auf unbezahlte, schlecht bezahlte sowie unsichtbare Arbeit aufmerksam zu machen sowie gesellschaftliche und politische Veränderung zu fordern. Zu den zentralen Forderungen zählen unter anderem die Aufwertung von Sorgeberufen, existenzsichernde Löhne und verlässliche Arbeitszeitmodelle, womit auch eine zuverlässige Kinderbetreuung einhergeht, sowie die Schließung der Rentenlücke. Der Frauenstreik stand unter dem Motto: „Ohne uns steht alles still“. Um 12 Uhr wurde bundesweit zum fünfminütigen Schweigen aufgerufen. „Wir haben das Jahr 2026, und es gibt immer noch Länder, in denen Frauen nur sprechen dürfen, wenn Männer es erlauben“, sagte Claudia Häckel-Vavala, die Organisatorin des Frauenstreiks in Speyer, nach den Schweigeminuten. Während der etwa fünfstündigen Aktion sprachen Teilnehmerinnen unter anderem über ihren Alltag in der Pflege, über Mängel im Bildungssystem und den „Gender Health Gap“, der das Ungleichgewicht in der medizinischen Behandlung von Frauen gegenüber Männern beschreibt. Eine Rednerin verdeutlichte, wie bei ihr mit 29 Jahren die Menopause einsetzte, sie von Ärzten nicht ernst genommen wurde und durch falsche Behandlungen unter anderem 30 Kilogramm Gewicht zulegte sowie schwere Depressionen bekam. Frauen würden in der Medizin nicht mitgenommen, weil in der Forschung, Vorbeugung und Behandlung der männliche Körper als Maßstab gelte, sagte sie.