Speyer Frauenstreik in Speyer: „Ohne uns steht alles still“ – Demonstration am 9. März
„Frauen haben sich in der Vergangenheit so viele Rechte erkämpft, und jetzt wird wieder rückschrittlich gedacht“, sagt Claudia Häckel-Vavala und verweist darauf, dass traditionelle Rollenbilder – auch durch den Aufschwung von rechts – wieder mehr Anklang in der Gesellschaft fänden und demokratische Werte, auch durch Machthaber wie Putin und Trump, unter Druck stünden. Die Mutter von zwei Kindern organisiert für Speyer den bundesweiten Frauenstreik, der am Montag, 9. März, zwischen Altpörtel und Dom auf der Maximilianstraße stattfinden wird. Unter dem Motto „Ohne uns steht alles still“ wollen in ganz Deutschland an diesem Tag – einen Tag nach dem Weltfrauentag – Tausende Frauen auf die Straßen gehen, für ihre Rechte werben und auf Missstände aufmerksam machen. Zur Aktion haben Bündnisse wie das „Töchterkollektiv“ und „Enough! Genug!“ aufgerufen, die in den sozialen Medien mehr als 70.000 Follower haben.
Am Montag soll deutlich werden, was passiert, wenn Frauen nicht ihrer Arbeit nachgehen. „Wir wollen sichtbar machen, was sonst unsichtbar bleibt, und zeigen, was passiert, wenn wir unsere Arbeit niederlegen“, sagt Häckel-Vavala. Wer nicht zur Aktion kommen kann, solle auf der Arbeit oder zu Hause mit seinen Aufgaben pausieren – nicht einkaufen gehen, nicht kochen, keine Hausarbeit erledigen oder putzen. Diese Sorgearbeit, gerade von Müttern, sei weiterhin nicht in dem Maß anerkannt, wie es sein müsste. Sie werde als Selbstverständlichkeit angesehen, sagt die Organisatorin des Frauenstreiks in Speyer. Gleichzeitig gebe es aus der Politik die Forderung, dass mehr Frauen in Vollzeit arbeiten sollten. „Die Rahmenbedingungen stimmen dafür aber weiterhin nicht. Es fehlt an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und es wird zu wenig in Bildung und Familien investiert“, sagt Häckel-Vavala. Länder in Nordeuropa oder Spanien seien bei Frauenrechten weiter.
Frauen fühlen sich doppel- und dauerbelastet
Ebenso wollen die Frauen darauf aufmerksam machen, dass ihre Erwerbsarbeit strukturell benachteiligt werde und geschlechtsspezifische Gewalt weiterhin ein massives gesellschaftliches Problem sei. Beim Frauenstreik in Speyer wird es neben Musik- und Tanzbeiträgen deswegen auch Redebeiträge geben, unter anderem zum Thema Mental Load, den Frauen aufgrund der Dauerbelastung durch Kinder und womöglich auch der Doppelbelastung Familie, Beruf und Haushalt spürten, berichtet die 36-Jährige. Außerdem wird eine junge Frau auftreten, die über Femizide spricht, weil sie in ihrem Umfeld eine solche Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechtes erlebt habe.
Claudia Häckel-Vavala betont, dass bei der Aktion nicht nur Frauen auf die Straßen gehen sollen, sondern auch Männer eingeladen sind, sich über die Themen, die die Frauen beschäftigten, zu informieren. „Wenn Frauen gestärkt werden, profitieren auch Männer davon“, sagt sie.
Termin & Programm
Bundesweiter Frauenstreik am Montag, 9. März, in Speyer. 11 Uhr: Begrüßung und Eröffnung am Altpörtel unter anderem mit Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) sowie Reden zum sozialen Status einer Frau in der Gesellschaft und der Frauenkrankheit Endometriose. Ab 11.25 Uhr Flashmob und Liedbeitrag von Sängerin Marina del Hay. 12 Uhr: bundesweit fünf Minuten Stille, danach Rede zu Mental Load. 12.15 Uhr: Demozug startet Richtung MediaTor, wo es ab 12.30 Uhr eine Fotoaktion geben soll. Ab 13 Uhr ziehen die Demonstranten zum Dom und versammeln sich dort. 14 Uhr: Schweigeminute für Opfer von Femiziden, anschließend Reden von Johanna Wirsing und Annette Heinemeyer (Omas gegen Rechts). Ab 14.55 Uhr geht es zurück Richtung Altpörtel, danach gemeinsames Zusammensein bei den Stadtstreichern in der Schlitzergasse 3.