Speyer Flugzeugteile und ein Softball

Skulpturen, Filme, Installationen, Graphik und Malerei: Nicht nur die Arbeiten der diesjährigen Purrmann-Preisträger sind einen Blick wert. Das zeigt die Ausstellung von Werken der sieben Finalisten für den Großen Preis und der acht Finalisten für den Förderpreis.
Malerei tritt in der zeitgenössischen Kunst ein wenig in den Hintergrund. Die Bremer Künstlerin Sybille Springer hält an dem klassischen Genre fest, interpretiert es auf ihre Weise. Sehr gegensätzlich erscheinen die Gemälde, die sie eingereicht hat: Eins ist weiß, das andere schwarz – zumindest auf den ersten Blick. „Wet Light“ heißt das weiße Bild, das bei näherer Betrachtung eben nicht nur weiß ist. Es bilden sich Konturen heraus. Sie erinnern an einen See im fahlen Licht, in dem sich die Baumkronen spiegeln. Mit „Sweet Darkness“ zeigt Springer, wie viele verschiedene Schattierungen Schwarz haben kann. Ganz anders sind die Arbeiten von Michail Pirgelis. Der in Köln lebende Künstler hat sich der Idee des Fliegens auf eine ganz neue Art und Weise verschrieben. Er wandelt Flugzeugteile in skulpturale Objekte um. Seine Werke zeichnen sich durch eine besondere Zweideutigkeit aus: einerseits den Traum vom Fliegen und andererseits die Möglichkeit des Scheiterns, erinnern seine Arbeiten doch stark an Flugzeug-Wrackteile. Die Britin Helen Marten sorgt für den Hingucker-Beitrag der Ausstellung. Ihre Installation „Gulls“ folgt dem Prinzip der Collage. Mehrere Teile sind scheinbar willkürlich zusammengefügt, das Material könnte auch aus der Mülltonne stammen. Die Collage besteht aus einem „Haus“ und mehreren japanischen Figuren. Es wimmelt nur so von kleinen Details, sodass es auch nach mehreren Betrachtungen noch Neues zu entdecken gibt. Sie liebe es, viele Teile zu einem Ganzen zu arrangieren, ähnlich wie man das mit Blumen in einer Vase tue, sagt Marten. Im Gegensatz zu ihr hat der aus Polen stammende Künstler Christian Keinstar mehrere Installationen eingereicht. Eine davon ist „The Sink“. In seinem Waschbecken befindet sich übrigens wirklich etwas, und zwar das Hightech-Metall Gallium, das bereits bei 29 Grad Celsius anfängt zu schmelzen. Es ist in flüssiger Form im Waschbecken, wie einige neugierige Besucher erfuhren, die den Finger hineinsteckten. Der Künstler nahm es mit Humor: „Das geht schwer wieder ab“, erklärte er schmunzelnd einem Mann, der versuchte, sich die Hand zu säubern. Gallium steht auch im Mittelpunkt von Keinstars Video-Performance „Liberate me“: Eine Frau mit einer silbernen Maske liegt auf einer Bahre. Langsam beginnt die Maske zu schmelzen, denn sie besteht aus Gallium. „Degeneration und Zusammenbruch beschäftigen mich bei meiner Arbeit“, sagt der Kölner. Das wird besonders bei dieser Performance deutlich. Doch nicht nur die Finalisten des Großen Hans-Purrmann-Preises haben bemerkenswerte Exponate beigesteuert, auch die Arbeiten der besten acht Bewerber für den Förderpreis sind sehenswert. Drei Graphiken aus seiner Werksammlung „Promised Land“ hat beispielsweise David Borgmann eingereicht. Sie zeigen die Symbolik, die heute im gelobten Land vorherrscht: Zäune, Absperrungen, Stacheldraht. Humorvoller ist da die „Sportecke“ von Tina Beifuß, deren Exponate die die Gesetze der Schwerkraft auszuhebeln scheinen: Ein Softball in einem Baumwollnetz schwebt in der Luft, ebenso wie Reifen und Band für die rhythmische Sportgymnastik. Das Geheimnis liegt in der Wahl der Materialien.