Speyer
Flugzeug-Werft in Landeanflug
Lange Jahre hat Roland Kern darauf hingearbeitet: Eine Werft zur Wartung von Flugzeugen sollte sich am Verkehrslandeplatz Speyer ansiedeln. In wenigen Tagen erfüllt sich das Ziel des Geschäftsführers der Platzbetreiber-Gesellschaft mit der Eröffnung des Air Service Krüger. Wer jetzt noch mehr Flugbetrieb erwartet, liege falsch. Das Gegenteil sei der Fall, sagt Kern.
Wie einen gravierenden Mangel hat Roland Kern das Fehlen einer Werft am Verkehrslandeplatz empfunden. „Es ist so, wie wenn es in einer Stadt keine Autowerkstatt gibt“, zieht der Geschäftsführer der Flugplatz Speyer/Ludwigshafen (FSL) GmbH einen Vergleich. Die Besitzer der 60 bis 70 Propellerflugzeuge am Platz müssen bislang in eine „Werkstatt“ nach Mainz, Baden-Baden, Worms oder Mannheim. Manche fliegen auch zu weiter entfernt liegenden Werften, weiß Kern. Die Jets, also Flugzeuge mit Strahltriebwerken, würden sowieso in größeren Werften gewartet, zum Beispiel in Köln oder Genf.
Wie ein Sechser im Lotto ist für den FSL-Manager nun die Ansiedlung des Air Service Krüger. „Inhaber Oliver Krüger führt bereits in Mannheim eine Flugzeugwerft und gründet bei uns einen weiteren Betrieb. Er kann in kurzer Zeit einen kompletten Service anbieten. Außerdem hat die räumliche Nähe viele Vorteile“, sagt Kern. Die FSL habe Krüger eine 500 Quadratmeter große Halle unweit des Tower-Gebäudes auf dem Platz verkauft. Das Gebäude habe der Platzbetreiber vor Jahren erworben und zwischenzeitlich an die Charterflug-Gesellschaft Silver Cloud Air vermietet; die ist inzwischen stark gewachsen und hat selbst einen Hangar errichtet.
Mannheimer fliegt auf Speyer
Werft-Inhaber Oliver Krüger ist froh über die Chance, in Speyer eine weitere Betriebsstätte eröffnen zu können. „Wir sind in Mannheim komplett ausgelastet“, teilt er mit. Der 48-jährige gelernte Fluggerätmechaniker mit einer Weiterbildung zur Prüfung gewarteter Maschinen hat in Mannheim acht Mitarbeiter, von denen er zunächst, einen oder zwei – je nach Bedarf – nach Speyer abstellen werde. „Ich bin auf der Suche nach Fluggerätmechanikern und nach Technikern mit einer ähnlichen Ausbildung aus der Region“, kündigt Krüger an, in Speyer Arbeitsplätze zu schaffen.
Die Gesamtinvestition inklusive des zum 1. Oktober vollzogenen Hallenkaufs beziffert der Werft-Boss auf „mindestens 300.000 Euro“. In diesen Tagen werde der Hangar, der Platz für sechs bis sieben einmotorige Propellerflugzeuge zugleich biete, nach den Vorstellungen Krügers umgestaltet. Dazu zählten Anschlüsse ans Strom- und Wassernetz, die Einrichtung von Sanitär- und Aufenthaltsräumen, eine helle Schutzschicht für den Betonboden und die Ausstattung mit den für Wartungs- sowie Reparaturarbeiten nötigen technischen Geräten.
Eröffnung im Lauf des Monats
„Wir eröffnen die Werft noch im Lauf dieses Monats“, kündigt Krüger an. Zunächst seien dann einfache Wartungsarbeiten möglich, bald jedoch auch das komplette Programm, zu dem die jährliche Wartung sowie die obligatorischen 100-Stunden-Kontrollen des Motors gehören. „In der Luftfahrt spielt Vertrauen eine große Rolle“, weiß der 48-Jährige. Deshalb werde er auch gar nicht erst versuchen, Flugzeugbesitzer von anderen Werften abzuwerben. Stattdessen setze der Unternehmer darauf, dass der kurze Weg die Piloten am Platz früher oder später in seine Werkstatt führen und er sie dann von der Qualität seines Services überzeugen werde.
„Ich sehe mein Engagement in Speyer langfristig“, verdeutlicht der Firmeninhaber. Die bisherige Entwicklung des Platzes unter Geschäftsführer Kern und die Zukunftsaussichten ließen ihn zuversichtlich nach vorne schauen. Krüger habe zunächst in einer Flugzeugwerft in Baden-Baden als Angestellter gearbeitet, dann den Betrieb dort übernommen, bevor er diesen vor wenigen Jahren nach Mannheim verlagerte. Mit dem neuen Standort in der Domstadt mache er sich im Übrigen nicht selbst Konkurrenz, weil die Anzahl von Flugzeugbesitzern von hier, die in die Quadratestadt kommen, sehr gering sei.
RHEINPFALZ-Einwurf: Konsequent
Wer Roland Kern kennt, der weiß, dass er keine halben Sachen mag. Ein Flugplatz ohne Werft, das ist für ihn kein Zustand. Wer Kern kennt, der weiß auch, dass er konsequent ein Ziel verfolgt und damit – oft – erfolgreich ist. Mit der Ansiedlung einer Werft feiert er nun, siebeneinhalb Jahre nachdem er Flugplatz-Chef wurde, einen weiteren Erfolg. Nicht zu Lasten der Umwelt – der kurze Weg spart Starts und Landungen ein!