Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Firma Infiltec: Filterherstellung kann in Speyer funktionieren

Infiltec: Geschäftsführer Timo Stock neben einer Büste seines Vaters, des Firmengründers Manfred Stock.
Infiltec: Geschäftsführer Timo Stock neben einer Büste seines Vaters, des Firmengründers Manfred Stock.

Die vor ihrem Abschied stehende Firma Mann + Hummel ist nicht Speyers einziger Filterhersteller. Es gibt auch die Infiltec GmbH, deren Chef in mehrfacher Hinsicht mitfühlt.

„Es ist äußerst bedenklich, wenn so etwas passiert“, sagt Timo Stock über die Mann + Hummel-Pläne, das Speyerer Werk zu schließen. Der 49-Jährige trägt seit zwei Jahrzehnten Verantwortung bei der Infiltec GmbH in der Alten Rheinhäuser Straße. Zunächst war er an der Seite seines Vaters Manfred Stock, der den Komplettanbieter von Filtersystemen für die Gas- und Flüssigkeitsfiltration 1987 gegründet hatte. Seit rund 15 Jahren ist der Sohn geschäftsführender Gesellschafter. Dass Mann + Hummel beabsichtigt, 600 Jobs in Speyer abzubauen, sei auch angesichts der langen Tradition in Speyer eine Katastrophe, sagt Stock. „Und es ist bezeichnend.“

Stock weiß, dass Filtersysteme nach wie vor gefragt sind. Er fühlt nicht nur mit den Mitarbeitern, sondern auch nachvollziehen, warum andere Branchenvertreter über die Verlagerung ihrer Produktion ins Ausland nachdenken. Der Standort Deutschland verliere an Wert, so seine Einschätzung: Das „Made in Germany“ könne die aus seiner Sicht übermäßige Belastung durch Steuern, Vorschriften und Bürokratie nicht mehr überstrahlen. Die Politik habe noch nicht ausreichend erkannt, wie massiv dieses Umfeld den Bürgern, aber auch dem Mittelstand schade. „Wenn der Mittelstand in die Knie geht, ist das ganz schlecht für den Standort.“

Umsatz ist gesunken

Stock berichtet von den Auswirkungen auf Infiltec: Die Fixkosten etwa für Energie, Löhne und Verwaltungsaufwand seien deutlich gestiegen, der Umsatz gesunken. Er reiche nicht mehr an die Jahre vor der Corona-Krise und teilweise auch in dieser Zeit heran. Die Speyerer Filtertechnik sei in der Pandemie-Bekämpfung besonders gefragt gewesen. Rund 25 Prozent weniger als noch vor einigen Jahren würden heute in Speyer-Süd umgesetzt, so Stock. Viele industrielle Kunden hielten sich mit Investitionen zurück und orderten nicht mehr im bekannten Maß. Damit könne ein Unternehmen nur zurechtkommen, wenn es eine Innovationskraft und eine breite Produktpalette wie Infiltec mitbringe und zu Umstrukturierungen bereit sei.

„Unsere einzige Möglichkeit besteht darin, immer mehr zu automatisieren“, betont Stock. Einige Prozesse liefen schon vollautomatisch, weitere werden nach seiner Einschätzung hinzukommen, wenn KI und humanoide Roboter verstärkt Einzug halten. Investitionsbereitschaft habe Infiltec stets bewiesen. In den vergangenen Jahren seien vor allem für das neue Zentrallager in der Alten Rheinhäuser Straße und den Aufbau eines zweiten Werks in der Daimlerstraße, in dem die mechanische Fertigung angesiedelt ist, mehr als acht Millionen Euro ausgegeben worden. Der Personalstand sei von rund 120 – damals auch mit gut 20 Leiharbeitern – auf 75 gesunken.

E-Mobilität sichert Aufträge

Fachkräfte würden dennoch gesucht, allerdings weniger in der Produktion als im Lager oder in der Entwicklung, etwa mit Technischen Zeichnern, berichtet Stock. „Filtrationstechnik wird immer gebraucht“, so der Geschäftsführer, der stolz ist auf die „High-End-Produkte“ aus seinem Familienbetrieb. Meist handele es sich um überschaubare, individuell georderte Stückzahlen für den Maschinenbau weltweit, aber auch Aufträge aus der Automobilindustrie spielten eine Rolle. Ein auffällig hoher Anteil davon komme von Anbietern von E-Mobilität, was Infiltec in Krisenzeiten helfe. Sein Hauptziel bestehe darin, mit einem Erhalt der Arbeitsplätze und der Hinzunahme neuer Technik die Umsätze wieder zu steigern, betont Stock.

„Ich bin immer noch dabei, umzustrukturieren“, sagt der Firmenchef. Er habe nicht vor, ins Ausland zu gehen, sondern wolle in Speyer bleiben, wobei er sich für die Zukunft auch vorstellen könnte, alle Firmenbereiche wieder an einem Standort zusammenzuführen. Filterproduktion in größerem Maßstab in der Domstadt könne auch in Zukunft funktionieren, betont Stock. „Das geht aber nur mit technischer Weiterentwicklung.“ So sehr er davon überzeugt ist, vermisst er Rückenwind von den politischen Rahmenbedingungen: „Ich konnte als Unternehmer bisher immer ein paar Jahre im Voraus Entwicklungen erkennen und planen. Das ist jetzt praktisch unmöglich geworden, und das macht die Sache kompliziert.“

2024 fertiggestellt: neues Zentrallager von Infiltec in der Alten Rheinhäuser Straße.
2024 fertiggestellt: neues Zentrallager von Infiltec in der Alten Rheinhäuser Straße.
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