Speyer Fanny und Felix: Musikalische Lesung beim Musikfest

Matthias Folz (rechts) gibt als Abraham Mendelssohn seiner Tochter Fanny (Aliki Hirsch) einen Brief. Links die Musikerinnen, die
Matthias Folz (rechts) gibt als Abraham Mendelssohn seiner Tochter Fanny (Aliki Hirsch) einen Brief. Links die Musikerinnen, die Fanny Hensels Klaviertrio op. 11 spielten.

Die musikalische Lesung zu den Geschwistern Mendelssohn im Historischen Ratssaal war ein sehr erhellender und sehr reizvoller Programmpunkt beim Speyerer Musikfest.

Zu den traditionellen Programmpunkten beim Musikfest der Deutschen Staatsphilharmonie in Speyer gehört die musikalische Lesung, für die Matthias Folz, der Leiter des Kinder- und Jugendtheaters verantwortlich zeichnet. Vor drei Jahren gab es eine musikalische Lesung mit Folz und Aliki Hirsch, die aus Briefen des Ehepaars Mendelssohn zu ihrer Hochzeitsreise, die bekanntlich auch nach Speyer führte, lasen. Jetzt ging es um das innige Verhältnis der Geschwister Fanny und Felix Mendelssohn und dabei vor allem um die künstlerischen Ambitionen von Fanny, die eine erstklassige Pianistin und Komponistin, auch – wie Zeitzeugen berichten – eine ebensolche Dirigentin war, die aber in das traditionelle Rollenbild als Hausfrau und Mutter eingeschlossen war.

In den vorgetragenen Briefen wurde die problematische Situation der Musikerin sehr deutlich. Vater Abraham wies ihr klar die herkömmliche Frauenrolle zu – und Felix war auch nicht dafür, dass die ohne Frage geliebte Schwester ihre Kompositionen veröffentlichte. So sind denn noch immer nicht alle Werke Fannys im Blick – und gelegentlich stellt sich ein bisher Felix zugeschriebenes Stück als eines von Fanny heraus.

Berührende Lebendigkeit

Wie immer hatte Matthias Folz die Texte überzeugend ausgewählt und in einen sinnfälligen Zusammenhang gestellt. Auch trug er die Texte gewohnt prononciert vor. Wie vor drei Jahren eine ganz große Sache war die Rezitation von Aliki Hirsch, die den Briefen der Fanny Mendelssohn eine packende und berührende Lebendigkeit verlieh.

Die Matinee gab nicht zuletzt deshalb einen erhellenden Einblick in diese musikalische Familie, in das Verhältnis von Fanny und Felix, aber auch in die Situation von künstlerisch engagierten und tätigen Frauen in jener Zeit, die vielen Hindernisse und Vorurteilen ausgesetzt waren und deren Bedeutung im Fall von Fanny Hensel erst sehr langsam erkannt wird.

Erstklassiges Kammermusikwerk

Sofía Roldán Cativa, Violine, Rut Bántay, Violoncello, und Asli Kilic, Klavier, spielten zwischen den Textbeiträgen höchst eindrucksvoll die vier Sätze von Fanny Hensels Klaviertrio d-moll op. 11. Das ist ihr letztes großes Stück und ein ebenso originelles wie erstklassiges Kammermusikwerk, das den Rang der Komponistin mit Nachdruck belegt.

Was an dem Morgen nicht gesagt wurde: Fanny Hensel starb am 14. Mai 1847 ganz überraschend im Alter von 42 Jahren. Ihr vier Jahre jüngerer Bruder Felix, der davon tief getroffen war, überlebte sie nur um ein halbes Jahr.

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