Mein Speyer (2)
Für Künstlerin Regina Reim ist der Dom ein Kraftzentrum
Immer wieder ist es der Speyerer Kaiserdom, der auf Regina Reim große Anziehungskraft ausübt. Sie spricht von einem „Fels in der Brandung“. Er hat viele Wirrnisse und Verwundungen in seiner fast 1000-jährigen Geschichte überdauert. „Jeder seiner Steine ist einzigartig“, sagt sie, „und doch bildet alles eine Einheit.“ Darin erkennt sie eine allumfassende Schöpferkraft, zu der sie sich immer wieder hingezogen fühlt. Der Dom ist ein Gesamtkunstwerk für Reim.
Gerne gönnt sie sich in der Mittagspause einen Spaziergang dorthin. Dabei umrundet sie die romanische Kathedrale, um Kraft für ihre künstlerische Arbeit zu tanken. Und wenn sie tiefere Einkehr sucht, gibt es eine ganz besondere Stelle in der Kapelle der Krypta des Domes, die sie immer wieder aufs Neue fasziniert.
Ihre allererste Erfahrung mit dem Speyerer Dom geht weit in die Kindheit zurück. Gelegentlich kam sie mit ihren Eltern aus der Westpfalz nach Speyer, die neben dem Dom auch gerne das Historische Museum besuchten. Und sie kennt als gebürtige Dahnerin das Felsenland rund um Dahn. Felsen, Burgen und Kirchen aus Sandstein haben sie deshalb schon in der Kindheit fasziniert und ihre Fantasie beflügelt, so die 58-Jährige.
Sandstein beflügelt Fantasie
Letztendlich hat sie sich für eine künstlerische Laufbahn entschieden, hat freie Malerei an der Universität Mainz studiert, zahlreiche Kunstpreise und Stipendien erhalten und ist in Galerien bundesweit vertreten. 1992 eröffnete sie ihr erstes Atelier in Neustadt. Später integrierte sie spirituelle und religiöse Aspekte in ihr vielfältiges Werk. Musik ist eine weitere wichtige Inspirationsquelle für die Künstlerin. Derzeit arbeitet sie an freistehenden lebensgroßen Papierskulpturen in einer Serie, die sie „Sacred Spaces“ („Heilige Räume“) nennt. Es sind gestische „Cut-outs“, welche aus Büttenpapier in filigraner Kleinarbeit zu dreidimensionalen Innenraum-Objekten oder figuralen Fabelwesen zusammengesetzt werden.
In ihrer Neustadter Zeit hat sie Führungen auf dem Hambacher Schloss angeboten. Im Zuge der Recherchen rund um die Geschichte der „Käschdeburg“ ist sie auch auf Steinmetzzeichen an manchen Stellen des Speyerer Domes gestoßen. Sie erinnert sich noch genau an den Tag, an dem sie diese Zeichen an der Ostseite der Speyerer Kathedrale zum ersten Mal entdeckte. Die Ausstrahlung des Domes und die lebendige, weltoffene Atmosphäre in Speyer haben sie letztendlich so beeindruckt, dass der Wunsch entstand, auch in Speyer zu wohnen und zu arbeiten.
2001 ist sie vom Neustadter Ortsteil Hambach nach Speyer gezogen. Seit 2011 betreibt sie ein Atelier in der Korngasse. Auch wenn sie heute im Umland von Speyer wohnt, bleibt der Dom das Kraftzentrum, mit dem Reim viele Erfahrungen verbindet. Besonders beeindruckt sie der Blick über das Heidentürmchen auf die Apsis und die Ostseite des Domes.
Besondere Zeit
Mit dem Domgarten und der Bühne unterhalb des Heidentürmchens verbindet sie zudem Erinnerungen an eine intensive und spannende Zeit mit der Performance-Gruppe „Erbengemeinschaft Felix Gordon“. Die von Martin Eckrich 1999 mit anderen Künstlern und Kunstinteressierten gegründete Gruppe erregte damals mit ihren Aufführungen im öffentlichen Raum, oft vor dem Dom oder an gut besuchten Plätzen in der Maximilianstraße, beträchtliches Aufsehen. Themen waren der Krieg und seine Verherrlichung, Religion, Geld, Irrwege, Tod und Vergänglichkeit und natürlich auch die Kunst. Die Mitglieder von „Felix Gordon“ trafen sich regelmäßig im Domgarten sowie auf der Bühne unterhalb des Heidentürmchens, um Pläne zu schmieden, Aktionen vorzubereiten oder über ihre Projekte zu diskutieren.
Der Kaiser- und Mariendom hat viele Facetten für Regina Reim. Für die freischaffende Künstlerin ist er ein einzigartiges Bauwerk mit magischer Anziehungskraft.
Die Serie
Bekannte Speyerer zeigen uns einen Ort in der Stadt, mit dem sie persönliche Geschichten oder Erinnerungen verbinden, und erzählen davon vor Ort. Das kann ein Platz sein, ein Weg, ein Gebäude – muss aber nicht. Lassen Sie sich überraschen!