Speyer Es kribbelt in den Beinen
«Dudenhofen.»Christian Bosch (40) liebt das Tanzen und die Fasnacht. Dreimal in der Woche setzt sich der gebürtige Speyerer in seinem neuen Wohnort Heidelberg ins Auto und fährt nach Dudenhofen. Dort trainiert er rund 30 Aktive in verschiedenen Gruppen im Karnevalverein und das seit mittlerweile neun Jahren. Zu viel wird ihm das nicht.
Bosch tanzt schon seit der Jugend, als Gardist und als Teil eines Tanzpaares. Das Trainieren kam irgendwann hinzu. Vor einiger Zeit hat sich der rhythmusbegeisterte Mann eine Auszeit vom Karneval genommen. Aber: Es kribbelte wieder in den Beinen, und der kreative Kopf musste die Ideen irgendwo loswerden. „Ich habe einfach auf eigene Faust bei Vereinen angefragt, ob ein Trainer gesucht wird“, erinnert sich Bosch. Der Karnevalverein Dudenhofen (KVD) suchte, sah den groß gewachsenen Domstädter und krallte ihn sich direkt. Solo- und Doppel-Tanzmariechen, Junioren- und Aktivengarde, Asparagus-Hexen – allen bringt Bosch Bewegung bei und das mit Herz und Seele. „Ich bin ein Mensch, der gerne Gutes tut“, sagt er über sein Engagement, das in Stunden und Tagen nicht aufzurechnen ist. Das will Bosch auch nicht: „Ich mache das gerne – das ist der Hauptgrund, weshalb ich dabei bin.“ Der KVD sei eine große Familie, und in der fühlt sich der Trainer wohl. Für Bosch ist es wichtig, junge Menschen zu motivieren, sie von der Straße wegzuholen und ihnen etwas Sinnvolles beizubringen. „Die Kinder sind meine vorrangige Motivation“, macht der 40-Jährige deutlich. Freude bereitet es ihm nicht zuletzt, die Steigerungen der Einzelnen im Leistungsniveau zu sehen. Viele, die mit acht, neun Jahren beim KVD in einer Tanzgruppierung eingestiegen sind, sind immer noch dabei. Über seine „Mädels“, wie er die Aktiven liebevoll nennt, lässt der Trainer nichts kommen. Im Gegenteil: Er ist froh, nicht nur der zu sein, der Schritte und Bewegungsabläufe beibringt, sondern auch als Freund wahrgenommen zu werden, dem man vertrauen kann. Die Jugendlichen aufzufangen, wenn sie mal eine schlechte Phase haben – auch das sieht Bosch als seine Aufgabe. Er selbst hat erlebt, wie wertvoll es ist, sich auf etwas stützen zu können. „Der Karneval hat mir selbst schon viel gegeben“, erzählt der 40-Jährige nachdenklich. Nicht immer sei in seinem Leben alles rosig gewesen. In der Fasnacht habe er seinen Platz gefunden, das Gefühl gehabt, zu wissen, wo er hingehöre, sagt Bosch. Bei aller Hilfestellung: Der Ehrgeiz ist ihm als Trainer angeboren. „Ich habe gewisse Erwartungen und die versuche ich durchzusetzen“, gibt Bosch zu. Nur zwei Wochen Pause gönnt er sich und den Aktiven nach der Kampagne, dann geht es weiter mit den wöchentlichen Treffs. Dazu kommt ein Trainingswochenende. „Einen Tanz zu konzipieren fällt mir leicht“, versichert Bosch. Die Choreografie entsteht nicht vor, sondern während der Zusammenkünfte. „Früher habe ich die zu Hause mit Figuren gestellt, aber das war nicht das Richtige“, sagt er. Eines ist Bosch wichtig: „Meine Tänze brauchen einen Sinn.“ An die Zusammenstellung der Musik geht er frühzeitig. Seit zwei Monaten ist er bereits damit beschäftigt, die Melodien für die Asparagus-Hexen für die kommende Kampagne zu suchen und zu schneiden. Auch die Kostüme entspringen der Fantasie des Trainers. Zum Ausgleich tut er das, was ihm im Blut liegt: Tanzen – als Aktiver der Showtanzgruppe „Hupfmädels +“ in Reilingen.