Speyer Erst The Who, dann Ray Brown

Hat eine Leidenschaft für Schallplatten: Jürgen Michaelis.
Hat eine Leidenschaft für Schallplatten: Jürgen Michaelis.

„Die Gäste sagen, dass die Musik sehr entspannend und entschleunigend ist“, erzählt Jürgen Michaelis. Der Ruheständler und Musikfan ist in der Veranstaltungsreihe „Vinyl Club“ des Speyerer Zimmertheaters der Mann für den Jazz – so auch am Mittwoch, 6. März, um 20 Uhr. Nur – wie ist er dazu gekommen?

1966, im Alter von 14 Jahren, besuchte Jürgen Michaelis ein Konzert in der Ebert-Halle in Ludwigshafen, das er bis heute nicht vergessen kann: das von The Who. „Die Musik war toll; über die Hälfte aller Stühle wurde zerlegt“, erinnert er sich. „Es war ein super Konzert.“ Vor seinen Eltern flunkerte er, eine große Gruppe Mitschüler ginge dort geschlossen hin. Dabei waren es nur er und sein bester Freund. Der „Kurzschluss“, wie er es nennt, zum Jazz passierte 2001 bei einem Konzert von Ray Brown in Speyer. Er durfte diesen Ausnahmekünstler ein Jahr vor dessen Tod erleben. Heute ist Michaelis 67 Jahre alt, wohnt in Dudenhofen, hat zwei Kinder und sechs Enkel, um die er sich in seinem Ruhestand kümmern kann. „Ich habe Maschinenbau in Karlsruhe studiert und in der Speyerer Werft gearbeitet“, erzählt er, „mehr als 30 Jahre als technischer Leiter.“ Michaelis war nie professioneller Musiker, aber die Musik hat sein Leben geprägt: „Ich spiele vor allem Schlagzeug und Gitarre.“ Im Studium spielte er in einer Rock-’n’-Roll-Tanzkapelle. „Damals gab es noch keine Diskotheken. Da hat man eben Tanzmusik gespielt.“ Zehn oder zwölf Mark bekam er als Stundenlohn. Auch heute noch sitzt er am Schlagzeug in einer Jazz-Band. Was die Anzahl der Auftritte angeht, setzt sich Michaelis nicht allzu sehr unter Druck: „Zusammen sind wir drei Bandmitglieder über 220 Jahre alt. Und es ist sowieso schwerer geworden, die Leute aus dem Haus zu bewegen, um Live-Musik zu hören.“ Die Idee, „Jazz auf Vinyl“ im Zimmertheater – bei freiem Eintritt – zu bieten, kam ihm durch seine Sammelleidenschaft für Schallplatten. „Ich verkaufe ab und zu auf Flohmärkten und berate die Leute dann auch.“ Da habe er gemerkt, dass vor allem jüngere Leute begeistert von seinen Tipps seien. „Ich kenne mich also ganz gut aus und habe anscheinend einen guten Geschmack.“ Durch andere Veranstaltungen hat Michaelis das Zimmertheater bereits gekannt. Jetzt legt er jeden ersten Mittwoch im Monat in der Wintersaison Jazz-Schallplatten auf – jeweils zu einem speziellen Thema wie einem Künstler oder Instrument. Am 6. März geht es um bekannte oder weniger bekannte Schlagzeuger, „Jazzschlagzeuger, Sideman oder Solisten“ ist das Motto des Abends. „Gene Krupa und Buddy Rich sind Schlagzeuger, die den Jazz sehr geprägt haben.“ Die Musik sei handgemacht – ohne elektronische Unterstützung, so Michaelis. Auch deshalb bekäme er die Rückmeldung, dass sie so „entschleunigend und entspannend“ sei. Er freut sich auf viele Gäste.

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