Speyer Erinnerung an „Speyerer Kaiser“
Seit Samstagnachmittag hat Speyer für historisch Interessierte eine Sehenswürdigkeit mehr: Im Beisein von rund 200 Interessenten wurde auf dem von Bäumen und Büschen umstandenen Rasen zwischen dem Dom und der Antikenhalle die Stauferstele enthüllt. Es ist die 36. Stele des in Baden-Württemberg ansässigen Komitees der Stauferfreunde.
An der Enthüllung beteiligt war neben dem Speyerer Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU) und der Stifterin Luise Layher von der Geschäftsführung der Speyerer Veranstaltungs- und Messe-GmbH (Technik-Museum) ihr Enkel, Matteo Schönauer (7) aus Ettlingen. Dessen Familie gehört zu den Stiftern der 2017 in dieser Stadt bei Karlsruhe eingeweihten 34. Stauferstele, Layher war im Vorjahr Stifterin in Güglingen. Sie sagte, sie danke mit ihrer Stiftung für die Verdienstmedaille, die Speyer ihrem Vater Eberhard Layher als Gründer des Technik-Museums verliehen hatte. Der kleine Matteo sprang nach einer kurzfristigen Änderung der Enthüllungszeremonie für den Speyerer Ehrenbürger Bernhard Vogel ein. Der war nach seiner Festrede im Historischen Ratssaal mit einiger Verzögerung am Standort der Stele eingetroffen. In seiner gut 30-minütigen Ansprache hatte der frühere rheinland-pfälzische und thüringische Ministerpräsident auf die Bedeutung der Staufer für Speyer und für Europa verwiesen. Sie waren ein Adelsgeschlecht, das vom elften bis zum 13. Jahrhundert mehrere Herzöge und römisch-deutsche Könige sowie Kaiser hervorbrachte. Friedrich I. („Barbarossa“), Heinrich VI. und Friedrich II. waren die bekanntesten. In der Krypta des Speyerer Doms ruhen die Gebeine von Barbarossas Frau Kaiserin Beatrix sowie ihrer Kinder Prinzessin Agnes und König Philipp von Schwaben. Vogel: „Die Staufer waren sozusagen in Speyer zu Hause, hielten sie doch 69 Hoftage hier ab. Sie waren um Einigkeit bemüht. Hätten sie zwei Generationen lang weitermachen können, hätte es schon im 14. Jahrhundert ein vereintes Europa gegeben.“ Die 2,90 Meter hohe und samt Basisplatte etwa 4,5 Tonnen schwere Speyerer Stele aus gebändertem Jura-Travertin (eine besondere Sorte von Marmor) steht dort, wo es früher die Bischofspfalz gab, die Stelle der meisten Stauferschen Hoftage in der Stadt am Rhein. Diesen Standort hatte der Heiligensteiner Historiker Karl Erhard Schuhmacher angeregt, die Stadtverwaltung und das Domkapitel einigten sich darauf (wir berichteten). Die Stele, nach der auf dem Trifels (2008) die zweite in der Pfalz, ist auf vier Seiten beschriftet. Eingemeißelt hat Bildhauer Markus Wolf aus Stuttgart-Plieningen die Namen von acht Kaisern, Königen und weiblichen Angehörigen der Staufer. Der mit Stadt und Stauferkomitee abgestimmte ursprünglich Text wurde gekürzt, damit die Kostenvorgabe eingehalten werden konnte. Sie lag laut Bildhauer zwischen 25.000 und 30.000 Euro. Zu Einweihung und Enthüllung der Stele waren rund 120 Interessenten aus dem Stuttgarter Raum gemeinsam in Bussen nach Speyer gekommen. Sie erlebten die Domstadt bei „kubanischen Temperaturen“, wie es Oberbürgermeister Eger formulierte.