Schwegenheim
Erdöl-Bohrung bei Schwegenheim steht weiter still: Neuer Palatina-Chef prüft Optionen
Die letzte öffentliche Meldung vom Erdöl-Bohrplatz nahe der B9 bei Schwegenheim datiert aus dem vergangenen Dezember. Damals erklärte der Geschäftsführer der verantwortlichen Erdöl-Firma Palatina Geocon, Jürgen Siewerth, gegenüber der RHEINPFALZ, dass sich die Arbeiten für einen geplanten Fördertest verzögern, weil sich eine mechanische Absperreinrichtung in 2000 Metern Tiefe nicht lösen lasse. Diese Absperreinrichtung müsse vor dem angedachten erneuten Fördertest ausgebaut werden. Siewerth sagte damals, kurz vor Weihnachten, dass die Arbeiten erst einmal unterbrochen würden und der geplante Fördertest frühestens im Februar 2026 beginnen könne. Passiert ist diesbezüglich bislang jedoch nichts. Siewerth ist Ende April in den Ruhestand gegangen.
Sein Nachfolger Eugen Lang erklärte jetzt auf RHEINPFALZ-Anfrage, dass die Bohrung sicher eingeschlossen worden sei und „alle Kontraktoren und Anlagen demobilisiert“ worden seien. Das bedeutet, dass die Anlagen abgebaut wurden und die dafür zuständigen Fremdfirmen abgezogen sind. Lang zufolge wird aktuell untersucht, wie weiter vorgegangen werden könne. Die Verzögerungen seien kein Grund, das Projekt abzubrechen, sagte der neue Palatina-Chef. Allerdings kosten sie das Unternehmen Geld: Ex-Chef Siewerth hatte gegenüber der RHEINPFALZ im Dezember von Mehrkosten in Millionenhöhe gesprochen. Für das Erdöl-Projekt des Speyerer Unternehmens, das zur Willersinn-Gruppe gehört, war einst mit fünf Millionen Euro kalkuliert worden.
Großkonzern war aus Projekt ausgestiegen
Nach Angaben von Lang steht weiterhin im Raum, die Absperreinrichtung zu lösen, wofür jedoch eine andere Bohranlage benötigt würde. Sollte sie sich nicht lösen lassen, wird als Alternative über eine Ablenkung der Bohrung unter Tage nachgedacht. Dafür braucht Palatina Geocon allerdings eine Genehmigung des Landesamts für Geologie und Bergbau in Mainz.
Das Speyerer Unternehmen mit Sitz in der Siemensstraße hatte im August 2023 die alleinige Führung und vollständige Eigentümerschaft des Schwegenheimer Erdöl-Projekts übernommen, nachdem der international agierende Konzern Neptune Energy aus dem Vorhaben ausgestiegen war. Grund war, dass der Konzern nach Auswertung der Ergebnisse eines Fördertests aus dem Herbst 2019 kein Potenzial mehr in der Lagerstätte sah. In der Betrachtung spielten Faktoren wie die Menge, der Druck, mit dem das Erdöl aus der Lagerstätte fließt, die Qualität und der Abtransport des Öls und damit letztlich die Wirtschaftlichkeit einer Förderung eine Rolle. In Speyer fördern Palatina Geocon und Neptune Energy beziehungsweise dessen Vorgängerunternehmen seit 2008 gemeinsam Erdöl.
