Harthausen
Einkaufsfahrt mit Herz: Warum Harthausens Bürgerbus so gut läuft
Donnerstagmorgen, 9 Uhr. Es ist Einkaufstag. Peter Hesser biegt im Bürgerbus in die Franz-Hartard-Straße ein. Auf dem Bürgersteig warten zwei Damen und winken. Sie freuen sich auf ihn. Wie vier weitere an dem Tag. Das Angebot brummt ein Jahr nach Einführung.
„Das ist so prima, dass es den Bus gibt“, sagt Traudel Birkle beim Einsteigen. Ihre Freundin Irene Strobe bestätigt. „Die Fahrer sind gut gelaunt. Sie helfen uns beim Tragen, sie holen uns vor der Haustür ab und bringen uns wieder dorthin zurück“, lobt sie, während Peter Hesser ihr noch beim Anlegen des Sicherheitsgurts hilft. Schnell bringen die Frauen auf den Punkt, warum für sie der im März 2025 eingerichtete kostenlose wöchentliche Service der Ortsgemeinde so wertvoll ist.
Verabredung zum Shoppen
Christa Steiger, Jutta Müller, Irmgard Claus und Anna Dörner steigen nach und nach zu. Alle kennen sich, jede freut sich aufs Wiedersehen und aufs Plaudern. Teils haben sie sich gezielt verabredet, wollen mitunter in dasselbe Geschäft. „Wir sind alleinstehend und im Alter nicht mehr so mobil“, betonen sie. Angehörige oder Freunde seien nicht immer greifbar. Das macht viele Seniorinnen zu Stammkunden der Einkaufs- und Besorgungsfahrten. Morgens ab 8 Uhr melden sie sich jeweils unter 0152 07248096 an.
Als alle im Bus sitzen, fragt Hesser, wo es hingehen soll. Drei möchten nach Dudenhofen, der Rest nach Speyer. „Bei gutem Wetter immer Speyer, bei schlechtem reicht manchmal schon Schwegenheim“, sagt der 74-Jährige. „Man will halt auch mal was anderes sehen“, sagen die Frauen. „Manchmal reicht die Zeit sogar für einen Besuch in einem Café in der Stadt.“
Ohne Umsteigen zum Arzt
Doch das ist nicht das Wichtigste für sie: „Es gibt ja bei uns keine Apotheke mehr“, sagt eine Mitfahrerin. „Die regulären Busverbindungen ab Harthausen sind zwar gut, der Preis ist schon wieder gestiegen. Vier Euro hin nach Speyer und vier zurück“, stellt eine andere fest. „Heute kaufe ich Blumenerde und so kriege ich sie vor die Haustür gelegt“, sagt eine andere. „Mit dem Bürgerbus komme ich ohne Umsteigen und ohne Angst, ob ich den Anschluss schaffe, zum Augenarzt ins Cura-Center“, nennt eine Dritte einen weiteren Pluspunkt.
„Die Atmosphäre ist immer freundlich hier im Bus. Wir haben Spaß und die Chauffeure fahren uns sicher“, loben sie das für sie unverzichtbare „Gesamtpaket“. Warum das in Hanhofen nicht läuft, wie die RHEINPFALZ kürzlich berichtet hat, können weder Hesser noch eine Frau nachvollziehen. „Abholung um 11 Uhr“, ruft Hesser zwischen Bank und Supermärkten im Spargeldorf, das nun erreicht ist. „Abholung wieder hier um 12“ heißt es kurz darauf am Speyerer Postplatz.
„Kunden sind nett, höflich und pünktlich“
„Ich habe Zeit und will etwas Sinnvolles machen, was zurückgeben an die Gemeinschaft, die Älteren unterstützen“, erklärt der 74-jährige Rentner Hesser, warum er diesen Ehrenamtsjob übernommen hat. „Außerdem macht es Spaß. Unsere Kunden sind nett, höflich, pünktlich und freuen sich immer auf uns.“ Die Motivation sei bei allen seinen Kollegen Hubert Weimann, Roland Klesse, Karl-Heinz „Charly“ Schreiner und Berthold Steiger identisch, versichert er. Auch ganz interessant: Am Bürgerbus-Lenkrad sitzen (bisher) nur Männer, zugestiegen sind bisher nur Frauen.
Der in Kürze aus dem Amt scheidende Ortsbürgermeister Rainer Schaust (CDU) freut sich über die Resonanz. „Die Nachfrage in März, April und Mai 2025 war sehr schleppend. Zum Teil fanden keine Fahrten statt“, sagt er. Erst mit dem Fahrtziel Speyer seien die Anmeldezahlen gestiegen. „Mittlerweile hat sich die Nachfrage deutlich stabilisiert mit fünf bis sechs Fahrgästen.“ Seit Juni bietet das Fahrerteam für die Seniorenresidenz „Haus Theresa“ einmal im Monat einen Ausflug nach Speyer an.
Am Ende liegt die Blumenerde vor der Haustür
Es ist 11 Uhr geworden in Dudenhofen. Pünktlich stehen die Seniorinnen mit vollen Taschen am Treffpunkt. Großes „Hallo“ und heimwärts geht’s. Im Vorgarten von Traudel Birkle legt Peter ihre zwei Säcke Blumenerde ab. „Wir kaufen natürlich auch in den Geschäften hier am Ort ein, damit die bleiben“, ruft sie noch. Dann macht sich der Diplom-Ingenieur im Ruhestand schon auf nach Speyer. „Die anderen sind genauso pünktlich. Das weiß ich genau“, sagt er und gibt etwas Gas.