Speyer Ein Leben lang kleben

Von Körner bis Kiesinger: Peter Eberhard mit einer Auswahl der Plakate, die Franz Leibig gesammelt hat.
Von Körner bis Kiesinger: Peter Eberhard mit einer Auswahl der Plakate, die Franz Leibig gesammelt hat.

«DUDENHOFEN.»Franz Leibig, der 2011 verstorben ist, war „ein treuer Parteisoldat“, erinnert sich Dudenhofens CDU-Ortsbürgermeister Peter Eberhard. „Er hat über Jahrzehnte die Vorbereitungen getroffen für das Aufstellen von Plakaten im Ort“, erzählt er. „Franz Leibig hat die Plakate früher mit Helfern auf Holztafeln geklebt und aufgehängt.“ Mindestens ein Exemplar habe der Dudenhofener jeweils aufgehoben – über rund ein halbes Jahrhundert hinweg. Um die 60 Plakate kamen so zusammen, die nach Leibigs Tod in den Besitz seiner Tochter übergingen. Diese hat die Sammlung vor einiger Zeit Peter Eberhard übergeben, der in der Nachbarschaft wohnt. Sowohl die Bundes- und Landespolitik als auch das kommunale Geschehen spiegeln sich in den Wahlplakaten wieder. Mitte der 1960er-Jahre wurde eines davon gedruckt, das die markanten Gesichtszüge Konrad Adenauers zeigt. Der war damals zwar schon kein Kanzler mehr, doch seine auf das Plakat gedruckten Worte – „Meine ganze Arbeit dient dem Kampf für Frieden, Freiheit und Sicherheit unseres Volkes. Ludwig Erhard setzt mein Werk fort“ – hatten immer noch Gewicht. Ein Plakat für Erhards Nachfolger Kurt Georg Kiesinger findet sich ebenfalls in der Sammlung: „Auf den Kanzler kommt es an“, heißt es darauf. Auch CSU-Politiker Franz Josef Strauß warb einmal in Dudenhofen um Wählerstimmen und wollte „Kanzler für Frieden und Freiheit“ sein – es kam bekanntlich anders. Erfolgreicher war Angela Merkel, die versprach: „Wir haben die Kraft.“ Helmut Kohl, Bernhard Vogel, Johannes Gerster – die Liste bekannter deutscher Politiker lässt sich beim Durchforsten der Plakate aus der Sammlung Franz Leibigs fortsetzen. Manche davon haben auch in Person den Weg nach Dudenhofen gefunden: Heiner Geißler zum Beispiel sprach 1985 in der Festhalle. Ein weiteres Plakat kündigte einen Auftritt von Finanzminister Theo Waigel an gleicher Stelle im Jahr 1994 an. Auf ewig mit dem Skandal um seinen Doktortitel verbunden wird wahrscheinlich der frühere Wirtschafts- und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der einmal in Neustadt auftrat. Auch dieses Plakat hat Franz Leibig aufgehoben. Neben diesen bundespolitisch bekannten Gesichtern findet sich auch lokale Prominenz in der Sammlung: Clemens Körner beispielsweise, der Dudenhofener Bürgermeister war und es mittlerweile zum Landrat geschafft hat. Verwahrt hat Franz Leibig auch ein mehrere Meter langes Banner mit der Aufschrift: „CDU - Unser Bürgermeisterkandidat: K. Bettag“. „Das hing einst über der Neustadter Straße. Ich kann mich noch erinnern, dass ich es als Kind gesehen habe“, erinnert sich Peter Eberhard. Damals habe er auch geholfen, Flugblätter zu drucken und zu verteilen. Einmal sei seinem Vater am Abend vor der Wahl zugetragen worden, dass die SPD Flugblätter im Ort austrägt. Die CDU habe daraufhin ihre Leute zusammengetrommelt, die ihrerseits noch in der Nacht Gegenargumente auf Zettel gedruckt und diese in die Briefkästen geworfen hätten, erzählt Eberhard. Der aktuelle Ortsbürgermeister, der bei den Wahlen im Mai nicht mehr antritt, ist ebenfalls schon Plakatmotiv gewesen. „Als Bürgermeister-Kandidat ist es schon wichtig, dass man ein gutes Bild hat. Man muss authentisch rüberkommen“, sagt Eberhard. Als er zugleich als Orts- und als Verbandsgemeinde-Bürgermeister angetreten ist, hat die Partei zwei verschiedene Plakatmotive drucken lassen: „Auf dem Plakat für die Ortsbürgermeisterwahl kam ich etwas hemdsärmeliger rüber, ohne Krawatte“, sagt er. Umstritten ist der Effekt, den Plakate auf die Wahlentscheidung der Bürger haben. Für Peter Eberhard sind sie unverzichtbar: „Die Leute registrieren dadurch: Die sind da und machen was. Wenn man gar nicht plakatiert, denken manche vielleicht: Die glauben, sie hätten schon gewonnen“, sagt er. Zu viele Plakate seien andererseits auch nicht hilfreich: „Wenn alle 50 Meter ein Plakat hängt, dann kommt das auch nicht gut an“, ist Eberhard überzeugt. In Dudenhofen gebe es die Vorgabe, dass jede Partei nicht mehr als 30 Plakate hängen soll. Daran werde sich im Großen und Ganzen auch gehalten. Termin Ausstellung „Wahlplakate der letzten 60 Jahre – gesammelt und aufbewahrt von Franz Leibig“ von Freitag, 8. Februar, bis Sonntag, 10. Februar, im Pfarrheim St. Heinrich, Johann-Walter-Straße 4, Dudenhofen. Öffnungszeiten: Freitag, Eröffnung um 19 Uhr; Samstag, 14 bis 18 Uhr; Sonntag, 11 bis 18 Uhr. Am Samstag und Sonntag gibt es Kaffee und Kuchen.

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