Speyer „Ein Funken Hoffnung“: Weihnachtliche Traktoren rollen durch die Vorderpfalz
Vergangenes Jahr hatten die Landwirte die Parade weihnachtlich geschmückter Traktoren noch aus Protest gegen die Politik der Bundesregierung abgesagt. Nun rollt die „Ein Funken Hoffnung“-Tour wieder durch Speyer und sein Umland. Das heißt nicht, dass damit jetzt alles gut wäre.
Ein Jahr ist es her, dass Tausende Traktoren republikweit Straßen blockierten, um erst gegen die Abschaffung des Steuervorteils beim Agrardiesel und dann gegen die Agrarpolitik von Bund und EU insgesamt zu protestieren. Landauf, landab gab es Sternfahrten, Zugmaschinen standen vor dem Brandenburger Tor, Bürger, Verbände und Initiativen solidarisierten sich.
Fragt man heute Sebastian Fischer, den Sprecher des Fuhr- und Ackerbauvereins Speyer, was sich seither für die Landwirtschaft geändert hat, erntet man ein ernüchtertes: „Nichts.“ Zumindest habe sich nichts zum Besseren bewegt, sagt Fischer. Der studierte Agrarwissenschaftler bewirtschaftet im Nebenerwerb den Thomashof im Speyerer Norden. Die Abschaffung des Agrardiesels komme lediglich später. „Die versprochene Entbürokratisierung lässt auf sich warten, der Mindestlohn soll auf 15 Euro steigen.“ Doch die Preise deutscher Agrarprodukte „orientieren sich am Weltmarkt“. Im Klartext: Die Produktionskosten hierzulande seien infolge Überregulierung und hoher Anforderungen zu hoch, um mit der ausländischen Konkurrenz mitzuhalten. „Die Marktlage ist mittlerweile auch im Weinbau katastrophal. Die Motivation unter den Kollegen ist am Boden“, bilanziert Fischer.
Sein Kollege Alexander Friedrich aus Hochdorf-Assenheim kann nur zustimmen. In einem gemeinsamen Markt sollten auch „überall die gleichen Produktionsstandards gelten“, sagt der Gemüseerzeuger. Für Biogas-Anlagen, wie er sie betreibt, wünscht sich der Landwirt zudem eine stärkere Berücksichtigung als Baustein der Energiewende, denn bei sogenannten Dunkelflauten könnten „Biogas-Anlagen als Reservekapazitäten eine entscheidende Rolle bei der Sicherung der deutschen Stromversorgung spielen“, ist Friedrich überzeugt.
Landwirte beklagen Tatenlosigkeit der Politik
Doch bei aller Enttäuschung: Etwas sei doch anders geworden, meint Fischer: „Wir Landwirte haben das Gefühl, dass nicht mehr direkt entschieden wird, sondern dass die Politik doch erst mal bei uns nachfragt.“ Das mache nicht nur ihm Hoffnung. „Wir sind mit Leib und Seele Landwirte und kämpfen für unsere Familienbetriebe. Sind sie erst mal zu, machen Sie nicht mehr auf“, sagt der Familienvater mit Nachdruck.
Am 7. Dezember gehen Bauern aus der Region daher wieder auf die Straße, um auf ihre Sache aufmerksam zu machen – aber diesmal nicht, um den Verkehrsfluss zu stören, sondern um mit den beleuchteten Traktoren den Zuschauern Freude und „einen Funken Hoffnung“ zu schenken, wie die Organisatoren der hiesigen Lichterfahrt betonen. Dabei wollen sie Spenden sammeln, die dieses Jahr vor allem den Lebenshilfen Speyer-Schifferstadt und Germersheim sowie einem Projekt des Stadtsportverbands Speyer zugutekommen, das sich der sportlichen Bewegung von Vorschulkindern widmet. „Wir Landwirte können vieles bewegen“, sagt Fischer: „Wir haben den wichtigsten Beruf der Erde.“
Routenverlauf
Am Samstag, 7. Dezember, um 17 Uhr geht es los am Schulzentrum Schifferstadt. Danach fahrt die Kolonne mit Tempo 6 bis 10 durch die Salierstraße nach Waldsee, über die Albert-Einstein-Allee an Waldsee entlang auf die L535 nach Otterstadt, durch die Speyerer Straße und über die L534 in die Waldseer Straße in Speyer-Nord, dann über Wormser Landstraße, Bahnhofstraße, Hirschgraben, Eselsdamm, Hafenstraße und Klipfelsau zum Domplatz. Danach geht es über die Stationen Große Himmelsgasse, Johannesstraße, St.-Guido-Stifts-Platz, Hirschgraben, Bahnhofstraße, Obere Langgasse, Dudenhofer Straße, Theodor-Heuss-Straße und Heinrich-Heine-Straße übers Feld auf die Schillerstraße nach Dudenhofen. Dort durch Kettelerstraße und Carl-Zimmermann-Straße bis zum Martinshof, wo der Konvoi gegen 21.45 Uhr ankommt. Mehr Infos gibt es auf der Facebook-Seite des Fuhr- und Ackerbauvereins Speyer.
Spendenkonto
Empfänger: Landwirtschaft verbindet Rheinland-Pfalz e.V.
IBAN: DE55550912000036715103
BIC: GENODE51NIS