Speyer Druck zu hoch

«SPEYER.» Deutschlands Nachwuchs-Fußball hat Probleme, wie nicht zuletzt die jüngsten Länderspielergebnisse zeigen. Zu groß ist der Erwartungsdruck, den manche Vereine über oft nicht lizenzierte Trainer auf Schüler- und Jugendspieler ausüben. Dieser Ansicht ist der Speyerer Fußball-Trainer Günter Thomas.
„Mir blutet das Herz, wenn mir Eltern berichten, was sich da abspielt“, sagt der Speyerer, der als Profi beim SV Südwest Ludwigshafen, VfR Heilbronn und 1. FC Kaiserslautern, das Tor hütete und heute die Torwartschule Vorderpfalz betreibt. Vereine mit Leistungszentren – meist in der Bundesliga, aber auch in unteren Ligen – duldeten oder förderten dies gar. Scouts sprechen die Eltern der Acht- bis 14-Jährigen aus der E- bis D-Jugend mit dem Hinweis an, nur in diesen Vereinen habe ihr Kind eine Zukunft als Fußballer. Das sei mit ein Grund, warum sich Dorfvereine wegen Mangels im Nachwuchs zu Spielgemeinschaften zusammenfinden. Thomas: „Weil die Kinder zu Vereinen mit Leistungszentren gelotst worden sind“, wo sie dann aber oft nicht aufgestellt würden, „einfach, weil zu viele Kinder da sind. Die Neuankömmlinge werden dann nicht einmal in den Kader aufgenommen oder sitzen lange Zeit auf der Ersatzbank“. Sei die Abwerbung anfänglich oft im Sinn der Eltern, von denen manche sehr weite Fahrten zum wöchentlich mehrmaligen Training in Kauf nähmen, so würde mancher Vater und manche Mutter mit der Zeit erkennen, dass „der Erwartungsdruck auf ihre Kinder zu groß ist“, was sich auch auf ihr schulisches Leistungsvermögen auswirken könne. Ein Unding sei es auch, dass manche Vereine Väter von Fußball-Kindern „einfach zum Trainer erklären, obwohl die dazu nicht ausgebildet sind und sich dazu auch nicht ausbilden lassen wollen, weil das halt etwas koste. Für die fünftägige Ausbildung verlangt der Südwestdeutsche Fußball-Verband zwischen 220 und 250 Euro. Szenekenner Günter Thomas: „Bei alldem ist zu bedenken, dass Fußballspieler nicht gezüchtet werden können, die Kinder zum einen Spaß an der Sache haben und sich beim täglichen Kicken auf dem Bolzplatz oder auf Grünanlagen fußballerisch entwickeln. Leider sind diese Plätze und Anlagen oft mit dem Hinweis versehen, dass ihr Betreten verboten ist.“