Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Dreifaltigkeitskirche: Kammermusikalische Sternstunde

Eingespieltes Duo: Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger am Cembalo und Violinistin Juliane Sauerbeck bei ihrem Konzert.
Eingespieltes Duo: Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger am Cembalo und Violinistin Juliane Sauerbeck bei ihrem Konzert.

Das Kammerkonzert in der Speyerer Dreifaltigkeitskirche kann auch als Abend der Wiederentdeckung eines wenig beachteten Komponisten und seines Werkes gelten.

Kirchenmusikdirektor und Gedächtniskirchenkantor Robert Sattelberger hat am Sonntagabend zusammen mit der Violinistin Juliane Sauerbeck den Besuchern des Konzerts „Von Bach bis Mozart. Eine Reise vom Barock zur Klassik“ eine kammermusikalische Sternstunde bereitet. Durch die Moderation von Kirchenpräsident i.R. Eberhard Cherdron erfuhr das Publikum in dem spätbarocken Gotteshaus obendrein interessante Fakten zu den aufgeführten Werken.

Den Auftakt machte das Duo Sauerbeck/Sattelberger mit Johann Sebastian Bachs Sonate G-Dur (BWV 1021). Auf die Programmänderung, angekündigt war die Aufführung einer anderen Sonate G-Dur von Bach (BWV 1019), wies Eberhard Cherdron hin. Er pries die viersätzige Sonate mit der Beschreibung „kurz und knackig“ an.

Barockgeige mit Darmsaiten

Von Anfang an war hörbar, dass Sattelberger und Sauerbeck schon oft gemeinsam aufgetreten sind, insbesondere bei der Reihe „Kammermusik in der Gotischen Kapelle“ im Speyerer Adenauerpark. „Unser Kammermusikabend in der Dreifaltigkeitskirche ist ein Ersatzangebot für die Reihe, die in diesem Jahr ausfällt“, erklärte Sattelberger. Bachs Sonate zum Auftakt verlangte insbesondere Juliane Sauerbeck an der Geige einiges ab. Doch sie meisterte alle schwierigen Passagen. Nicht zuletzt im abschließenden Satz, dem Presto, war das Tempo sehr flott, übrigens auch für Sattelberger am Cembalo.

Sauerbeck spielte die ersten Werke des Konzerts mit einer Barockgeige, die mit Darmsaiten bespannt ist, während die Saiten heutzutage meist aus einer Kombination aus Kunststoff und Metall bestehen. Das erforderte ein mehrfaches Stimmen des empfindlichen Instruments im Lauf des Abends. Gleiches galt, in Bezug auf das Stimmen, für das von Sattelberger gespielte Cembalo, ein sogenannter Sassmann-Nachbau in flämischer Bauweise nach Andreas Ruckers. „Das Cembalo gehört der Landeskirche und steht normalerweise in der Gedächtniskirche“, teilte der studierte Kirchenmusiker mit.

Gipfel der Virtuosität

Vier weitere aufgeführte Werke zählen zum Barock beziehungsweise bereits zur Übergangszeit dieser Epoche zur Klassik: Georg Philipp Telemanns Fantasie D-Dur für Violine solo (TWV 40:17), Carl Philipp Emanuel Bachs Württemberg Sonate Nr. 1 a-moll für Cembalo, Jean-Marie Leclairs Sonate Op. 9 Nr. 3 D-Dur für Violine und Cembalo sowie Giuseppe Tartinis Sonata g-moll Nr. 4 für Violine und Cembalo. Sauerbecks zunehmend ausdrucksstarkes Spiel ließ die Zuhörer etwa die Verzweiflung und den Schmerz tief fühlen, die in Tartinis Werk angelegt sind. Wie Cherdron sagte, geht es in diesem Stück um das tragische Schicksal der mythologischen Gestalt Dido („Dido abbandonata“ oder „Die verlassene Dido“).

Den Gipfel der Virtuosität erreichte das Konzert mit dem Vortrag der Sonata III pour le Clavecin ou Forte Piano g-moll von Joseph Bologne und der Sonate C-Dur KV 296 für Violine und Cembalo von Wolfgang Amadeus Mozart. Nach den Worten Eberhard Cherdrons dreht sich ein erst vor zwei Jahren herausgekommener Film um den Wettstreit der Zeitgenossen Bologne (1745-1799) und Mozart (1756-1791) als Geigenspieler. „Den hat es in Wirklichkeit sicher nicht gegeben“, stellte er fest, auch wenn sich die beiden Musiker in Paris begegneten. Wobei Bologne seither im Schatten des Wunderkindes aus Salzburg steht.

In der Dreifaltigkeitskirche gab es eine Art Wettstreit der beiden Kompositionen Bolognes und Mozarts um die Gunst der Zuhörer. Beeindruckend: Die souveräne Spieltechnik Sauerbecks inklusive Vibrato und Tremolo. Die Violinistin studierte ihr Instrument an der Musikhochschule Karlsruhe, besuchte etliche Meisterkurse und bildete sich in Alter Musik fort. Sattelberger absolvierte das Konzertexamen im Fach Orgel in Düsseldorf. Unterricht im Cembalo erhielt er bei Margret Bauer in Heidelberg.

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