Speyer „Djo djo iri“ schallt’s von der Höh’

Setzt sich über die Grenzen der U- und E-Musik hinweg: das Rennquintett.
Setzt sich über die Grenzen der U- und E-Musik hinweg: das Rennquintett.

Witz und virtuose Musik: Gibt es eine bessere Art, ins neue Jahr zu kommen, als in Begleitung des Rennquintetts? Wohl kaum, wie die auch an diesem Silvesterabend voll besetzte Speyerer Gedächtniskirche vermuten lässt!

Wie schon in den vergangenen Jahren war auch Robert Sattelberger an der großen Orgel dabei, und das Rennquintett hatte einen Gast mitgebracht: Robert Neumair aus Südtirol, der dem Konzert das Flair alpenländischer Weihnacht verleihen sollte, wie es in der Ankündigung hieß. Der erst 35-Jährige zeigte sich allerdings allen musikalischen Genres gewachsen – egal ob er als sechster Bläser mit dem Flügelhorn Barock und Klassik spielte, einen Titel von Sting sang oder ob er Jazz und Sterzinger Andachtsjodler darbot. Er ist Multi-Instrumentalist; alleine in diesem Konzert spielte er neben dem Flügelhorn Akkordeon, steirische Harmonika und Schlagzeug. Und Tradition des Rennquintetts ist, sich über die Grenzen der U- und E-Musik hinwegzusetzen und einfach gute Musik zu machen – gerne mit einem Augenzwinkern. Das Konzert begann mit einem Glanzstück: Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge in d-Moll im Zusammenspiel von Bläsern und Orgel. Es begannen die Bläser unten im Chor mit der Toccata, Sattelberger setzte mit der Orgel zur Fuge ein, während die Bläser die Empore erklommen und zusammen mit der Orgel das Stück vollendeten. Danach spielten Orgel und Bläser noch zusammen die Choralfantasie des Landauer Komponisten und Arrangeurs Jürgen Pfiester über „Oh du fröhliche“. Und nach einem weiteren Glanzstück von Sattelberger, der hoch virtuosen Toccata aus der Orgelsinfonie Nr. 5 von Charles Marie Widor, verlagerte sich der Fokus wieder: Die Speyerer lernten vom Rennquintett den Sterzinger Andachtsjodler – schwieriger Text mit seinem „Djo djo iri“. Aber die Speyerer konnten das; am Ende hallte die Gedächtniskirche davon wider. Neumair stellte sich mit dem „Vierteljahrhundert Dreiviertler“ von Herbert Pixner, einem anderen Südtiroler Musiker, vor. Und dann wurde es wirklich bunt – mit John Dowlands „Can She Excuse My Wrongs“, ein Lied aus dem späten 16. Jahrhundert, das üblicherweise zur Laute gesungen wird, hier mit Bläsern, Akkordeon und Trommel und Singstimmen. Jürgen Leiner, der den Abend moderierte, erklärte: Die Komponisten des Barock hatten nur Melodien, nie bestimmte Instrumente notiert, also war der Mix beste barocke Tradition. Es klang übrigens sehr stimmig und harmonisch, ebenso wie später ein weiteres Arrangement, Paganinis Capriccio Nr. 24, für Violine komponiert und gespielt mit Bläsern und Akkordeon. Klassischer ging es zu mit Antonio Vivaldis Doppelkonzert für zwei Trompeten, Johann Sebastian Bachs „Wachet auf“ für Orgel und Felix Mendessohns „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ für die Bläser. Gleich danach kam ein Sprung ins 20. Jahrhundert – mit Charlie Parker und Leroy Anderson. Traditionell endete das Konzert mit Händels „Halleluja“ von der Empore. Und weil es so schön war, gab sich das Publikum selber eine der Zugaben – mit dem Andachtsjodler.

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