Speyer Die Zeichen stehen auf Abschied
«DUDENHOFEN/RÖMERBERG.»„Ja, es stimmt, dass ich dem Generalvikar den Verzicht auf die Pfarrstelle als auch auf das Amt als leitender Pfarrer schriftlich angeboten habe. Ob die Bistumsleitung darauf eingehen wird, das kann ich nicht abschätzen“, sagt Metzinger auf einen möglichen Wechsel angesprochen. Auch das Bistum bestätigt auf Anfrage: Generalvikar Andreas Sturm und der Leiter der Personalabteilung, Domkapitular Josef Szuba, seien mit Metzinger im Gespräch. Bisher sei noch keine Entscheidung gefallen. Noch offen sei daher auch, wann er die Pfarrei verlasse und wohin, sagt Metzinger. Er habe eine „zeitliche Wunschvorstellung“, so der Pfarrer, ohne diese zu konkretisieren. In der Vorderpfalz wolle er gerne bleiben. Allerdings nicht mehr als leitender Pfarrer, sondern als Kooperator. Die Entscheidung, die Pfarrei – wenn möglich – zu verlassen, gehe von ihm aus und sei nicht auf Druck zustande gekommen, versichert er außerdem. Dass ihm dies nicht leicht fiel, ist dem 52-Jährigen anzumerken. Letztlich seien es verschiedene Gründe gewesen, die ihn zu der Entscheidung bewogen hätten. Er sei seit 20 Jahren leitender Pfarrer. Durch die gesellschaftlichen Veränderungen sei es immer schwerer, diesem Amt gerecht zu werden. „Immer mehr Zusammenlegungen bedeuten immer weniger bei den Menschen, immer weniger Seelsorger sein“, sagt Metzinger. Dafür müsse er immer mehr Verwalter und Fachmann für so unterschiedliche Dinge wie Bauwesen, Grundstücksangelegenheiten, Personalrecht oder Management sein. „Uns Pfarrer überfordert man damit gewaltig“, findet er. Aus eben diesem Grund will Metzinger bei einem Wechsel nicht mehr als leitender Pfarrer tätig sein. „Endlich wieder mehr Zeit zu haben für die Seelsorge, Taufen, Hochzeiten, Gottesdienste, Trauerbegleitung, Gespräch mit Menschen, die Rat suchen“ – das wünsche er sich. Metzinger hadert damit, durch die Größe der Pfarrei „an den uns anvertrauten Orten nicht mehr so häufig und intensiv präsent sein“ zu können. „Ich bin nur stundenweise hier, weil ich dann noch stundenweise dort sein will und noch ein paar Minuten noch ganz woanders. Was erleben dann die Leute? Eine hin- und herrennende Person“, sagt er. „Man hat nicht mehr unbedingt den Überblick, was wo in welchem Ort passiert und bis man’s merkt, ist es vorbei.“ Die Folgen des Sparzwangs führt Metzinger als weiteren Grund für seinen Wunsch an, nicht mehr leitender Pfarrer sein zu wollen. Insbesondere die Vorgabe des Bistums, Pfarrheimflächen zu reduzieren, beschäftigt ihn. „Das sollen bitte die den Menschen erklären, die das angeordnet und den Ehrenamtlichen und Pfarrern zur Aufgabe gemacht haben“, findet er. Dass auch Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und in manchen in der Pfarrgemeinde engagierten Katholiken eine Rolle bei seinem Wechselwunsch gespielt haben, deutet Metzinger nur an. „Manche meinen auch, das ,Pfarrervakuum’ vor Ort durch sich selber ausgleichen zu müssen. Von heute auf morgen hast du da Leute vor dir, die reißen alles an sich“, sagt er. Ein Problem sei das, wenn Menschen darunter leiden und meinten der Pfarrer müsse ein Machtwort sprechen. „Also muss man als Pfarrer wieder in den Ring steigen und sich eine blutige Nase holen. Ist das hin und wieder mal so, dann mag das ja noch akzeptabel sein, aber ist das immer so, dann gelangt man schnell selber an seine Grenzen.“ Durch die vielen Aufgaben sieht Metzinger einen Rollenkonflikt für sich, wenn er beispielsweise gleichzeitig Personalchef und Seelsorger sein soll. Auch dass ein befreundeter Priester seines Alters einen doppelten schweren Schlaganfall erlitten hat, habe seine Entscheidung beeinflusst, sagt Metzinger. „Das hat mir auch zu Denken gegeben, zumal ich selber seit 2010 am Herz erkrankt bin und auch eine weitere nicht einfache organische Krankheit habe.“ Davon unberührt sei sein Arbeits- und Einsatzwillen als Priester und Seelsorger. „Seit 26 Jahren arbeite ich sieben Tage die Woche und daran wird sich auch nichts ändern“, sagt er. Über das Gesagte hinaus gebe es weitere Gründe für seinen Wunsch, die Pfarrei zu verlassen, auch sehr persönlicher Natur. „Aber die haben in der Presse nichts verloren“, sagt er. Trotz der von ihm angesprochenen Fehlentwicklungen will Metzinger den Verantwortlichen im Bistum keine Vorwürfe machen: „Die können für die Misere meines Erachtens auch nichts. Wie soll ein Bedarf gedeckt werden, wenn kein Personal mehr da ist?“ Wenig Hoffnung kann Metzinger jenen machen, die noch auf einen Sinneswandel seinerseits hoffen. „Von unserer Seite aus ist die Entscheidung endgültig“, sagt er. Mit „uns“ meine er sich und seine Haushälterin. „Auch sie hat ihre Gründe zu gehen, die aber ebenfalls nichts in der Öffentlichkeit zu suchen haben. Wir beide haben uns besprochen und gemeinsam beschlossen wegzugehen.“ Beiden sei die Entscheidung „unheimlich schwer gefallen“. Sowohl er als auch seine Haushälterin seien „auf unglaublich liebevolle Weise hier von den Menschen aufgenommen und respektiert“ worden. „Ohne irgendeiner anderen Pfarrei meiner Vergangenheit etwas in Abrede stellen zu wollen, muss ich sagen, dass ich noch nie eine so gute Pfarrei hatte“, sagt Metzinger. Besonders am Herzen hat Metzinger stets die Jugendarbeit gelegen. Für die Messdiener hat er zahlreiche Reisen organisiert, zuletzt 2018 in die Niederlande. „Diese jungen, vorbildlichen und ganz besonderen Menschen in der Jugendarbeit lassen wir gar nicht gerne zurück. Das ist auch emotional für uns etwas, was uns zerreißt“, sagt er. „Andererseits gehe ich aber auch auf die 60 zu. Bei manchem kann ich körperlich nicht mehr mithalten. Die Jugend braucht einen Ansprechpartner, der fit ist!“ Auch mit dem übrigen Pastoralteam sowie den Mitarbeitern im Pfarrbüro verbindet Metzinger „ganz tolle, liebevolle und intensive schöne Erfahrungen“. Den Pfarreirat habe er bereits über seinen Entschluss, die Pfarrei wenn möglich zu verlassen, informiert, sagt Metzinger. „Das spricht sich natürlich herum.“ Er und seine Haushälterin seien überrascht über die vielen Solidaritätsbekundungen. „Wir haben unzählige Reaktionen schriftlicher, mündlicher, persönlicher Art, die ihr Bedauern, ihre Traurigkeit ausdrücken, dass wir gehen.“ Dass es auch Menschen gibt, die seinen Weggang begrüßen, ist für Metzinger keine Überraschung: „Natürlich gibt es auch Personen, die froh sind, wenn wir gehen. Das wäre ja auch unrealistisch zu meinen, dass dem nicht der Fall wäre. Denn man passt nie allen und man macht auch nicht alles jedem Recht. Denen sei’s gegönnt, dass wir gehen. Aber die große Gemeinschaft weint! Wir auch!“, sagt der Pfarrer.