Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Die 70er-Jahre in Waldsee: „Zum Kennenlernen war mehr Aufwand nötig“

Beim Seniorennachmittag der Ortsgemeinde Waldsee in der Kulturhalle: Norbert Eckrich und seine Frau Renate (rechts).
Beim Seniorennachmittag der Ortsgemeinde Waldsee in der Kulturhalle: Norbert Eckrich und seine Frau Renate (rechts). Foto: Lenz

Die Kulturhalle in Waldsee war wieder voll beim Seniorennachmittag der Ortsgemeinde. Nach kurzer „Anwärmzeit“ wurde fleißig mitgesungen und sich an früher erinnert.

Auf einer Bühne, die mit Campingstühlen, Sonnenschirm, aufblasbarem Swimmingpool und Gummi-Entchen ganz im Stil von Sommer, Sonne, Badestrand der 70er-Jahre ausgestattet war, spielten und sangen „Fräulein Breuer“ (Maria Breuer) und „Herr Fischer“ (Sascha Fischer) von den (Urlaubs-)Träumen der damaligen Jahre. Die Schauspieler des Frankenthaler Theaters „Alte Werkstatt“ waren bereits zum dritten Mal mit ihrer Schlagerrevue zu Gast in Waldsee. Nach den 50ern und 60ern waren es nun die 70er, die sie mit Liedern von Rudi Carell, Publikumsspielen wie Bingo und Erinnerungen an die großen Samstagabend-Fernsehshows von Peter Alexander oder Rudi Carell thematisierten.

Aber wie war es denn tatsächlich damals in Waldsee? Norbert Eckrich, 84, und seine Frau Renate, 82, erinnern sich. Die beiden haben 1960 geheiratet. Renate Eckrich stammt nicht aus Waldsee, sondern aus Maudach, weshalb sie sich bei dem Thema etwas zurückhalten wollte. „Das war nicht so wie heute, wo die jungen Leute sich im Nu über Internet-Netzwerke kennenlernen und verabreden“, erzählte Norbert Eckrich. „Es war schon ein bisschen mehr Aufwand und Ausdauer nötig. Und die Mädchen waren behüteter, es war nicht immer leicht, ihnen näher zu kommen“, sagte er.

Besondere Maskenbälle

Der Ort zum Kennenlernen seien vor allem die Tanzbälle gewesen. Traditionell war Tanz an Erntedank und an der Kerwe in den 50ern, später kam noch der Tanz in den Mai dazu. Außerdem veranstaltete jeder der großen Vereine einen Ball. Die Fasnachts-Maskenbälle der Vereine seien besonders gewesen. „Die Regel war, dass die Paare getrennt kamen. Die unmaskierten Männer kamen zuerst und warteten gespannt. Später kamen die Frauen, voll maskiert, man habe sie nicht erkennen dürfen. Na ja, im Laufe der Jahre konnte man schon was ahnen. Nicht alle schafften sich Jahr für Jahr eine brandneue Verkleidung an, und wer ein gutes Gedächtnis hatte ...“, sagte Eckrich. Punkt Mitternacht hätten die Frauen ihre Masken abgenommen, und so mancher Mann habe erkennen müssen, dass er gar nicht den Abend mit seiner Frau verbracht hatte, wie er glaubte. „Später hörten die Maskenbälle auf, weil die Frauen nicht mehr wollten. Sie wollten neben ihren Männern sitzen und sich nicht mehr so unkenntlich machen mit ihren Masken.“

Sechs Bälle von sechs Vereinen gab es, sie fanden im Saal „Zum Löwen“ und „Zum Grünen Baum“ statt. „Es gab da auch ein Nebenzimmer mit Bar, das ,süße Löchel' genannt. Später gab es jeden Samstag Tanz im Café Frank, später im Hotel Oberst, zum Ärger des damaligen Pfarrers, der sogar eine Unterschriftenaktion unternahm – erfolglos natürlich.“ Eine Disko gab es in den 60ern und Anfang der 70er auch schon in Waldsee: „Im Wirtshaus ,Zum Grünen Baum’ stand eine Music-Box, da konnte man für 20 Pfennig eine Schallplatte abspielen“, erinnert sich das Ehepaar.

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