Speyer Die Übung fehlt

Auffällig laut der Polizei: Viele Unfälle ereignen sich im zweiten Jahresquartal. „Womöglich haben die Kinder nach dem langen Wi
Auffällig laut der Polizei: Viele Unfälle ereignen sich im zweiten Jahresquartal. »Womöglich haben die Kinder nach dem langen Winter wieder die Fahrräder rausgeholt«, sagt Verkehrsexperte Marc Klenk.

Unfälle mit Kindern haben stark zugenommen und in der Unfallstatistik den höchsten Stand seit fünf Jahren erreicht. Die Polizeiinspektion Schifferstadt, die auch für Waldsee zuständig ist, hat sie deshalb besonders unter die Lupe genommen – und nach Ursachen gesucht.

Zuerst die nackten Zahlen: 41-mal waren Kinder im vergangenen Jahr in Unfälle verwickelt, davon 32-mal als Beteiligte, in neun Fällen waren sie als Beifahrer betroffen, sagt Polizist Marc Klenk. Er ist der Sachbearbeiter für Verkehr bei der Schifferstadter Inspektion. Und er macht direkt weiter mit der Statistik: 22-mal waren radfahrende Kinder an Unfällen beteiligt, zweimal als Fußgänger. Etwas aus der Reihe fällt ein 14-Jähriger, der mit Papas Auto durch Kurven driften wollte – was im Computerspiel besser klappte als in der Realität auf einem Wirtschaftsweg. Der Junge knallte mit dem Auto gegen eine Sitzbank am Wegesrand, von der sich jemand noch rechtzeitig retten konnte, der dort gerade saß. Zieht man von der Gesamtzahl die Unfälle ab, bei denen nicht das Verhalten der Kinder die Ursache war, bleiben 27 Fälle. Elf davon sind in Schifferstadt passiert, der Rest verteilt sich auf andere Gemeinden. Interessant ist die Aufschlüsselung nach Unfallursachen. Laut Klenk war elfmal mangelnde Konzentration und Fahrsicherheit der Kinder die Ursache, die zwischen sieben und zehn Jahren alt waren. Fünfmal haben Kinder zwischen elf und 14 Jahren die Vorfahrtsregel „Rechts-vor-Links“ nicht beachtet. Sechsmal haben Kinder die falsche Fahrbahn benutzt. Auffällig ist auch, dass die meisten Kinder im zweiten Jahresquartal Unfälle hatten. „Womöglich haben die Kinder nach dem langen Winter wieder die Fahrräder rausgeholt, aber es fehlte ihnen Fahrpraxis und Sicherheit“, meint Klenk. Die Polizei will etwas gegen die Kinderunfälle tun. Verstärkte Überwachung sei aber nicht das Mittel der Wahl. Stattdessen soll die Arbeit der Jugendverkehrsschule der Polizei verstärkt werden. Die Statistik zeigt, dass fehlende Fahrsicherheit und mangelnde Kenntnis der Verkehrsregeln Hauptursachen der Unfälle sind. Betrachtet man alle Verkehrsunfälle im Berichtsjahr der PI Schifferstadt, ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um knapp drei Prozent auf 2085 gestiegen. Betrachtet man die letzten vier Jahre, zeigt sich eine leichte Zunahme. Denkbar ist, dass dies mit der allgemein steigenden Verkehrsdichte zusammenhängt, bestätigt Klenk auf Nachfrage. Die Gesamtzahl der Verletzten bleibe seit einigen Jahren auf demselben Niveau, im vergangenen Jahr waren es 250. Die Anzahl der Schwerverletzten (46) zeigt leicht abnehmende Tendenz. Deutlich mehr als die Hälfte der Unfälle, 58 Prozent, passieren im Zusammenhang mit ruhendem Verkehr: Anstoßen beim Ein- oder Ausparken, Spiegel werden im Vorbeifahren angestoßen, oder Laternen, Blumenkübel und Stromkästen werden angefahren. Bei zwei Unfällen kamen Menschen ums Leben. Ein Fall passierte auf der Landstraße zwischen Rödersheim-Gronau und Hochdorf-Assenheim. In der Abenddämmerung fuhr ein stark alkoholisierter Motorradfahrer in zwei entgegenkommende Radfahrer. Sie waren nebeneinander und ohne Licht unterwegs. Der zweite tödliche Unfall passierte auf einem Feldweg neben der Mutterstadter Straße. Hier fuhr ein 77-jähriger Radfahrer die Radrampe der Brücke herunter und traf auf ein Auto, das verbotenerweise den Feldweg befuhr.

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