Speyer Der Pfarrer mit dem leisen Auto

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Josef Metzinger will das, was er predigt, auch leben. Also fährt der katholische Pfarrer von Dudenhofen, Hanhofen, Harthausen, Berghausen, Heiligenstein und Mechtersheim jetzt mit einem Elektroauto in die Gemeinden und bezieht seinen Strom von einem Ökoanbieter.

DUDENHOFEN

. Josef Metzinger würde einen guten Autoverkäufer abgeben – so schön und begeistert kann er von seinem nagelneuen VW e-up erzählen, den er am Montag in Kaiserslautern abgeholt hat. Es ist ein Elektro-Auto, es läuft nicht mit Diesel oder Benzin, sondern mit Strom aus der Steckdose. Die Motivation, umzusteigen, erklärt er so: Auf der einen Seite ist da sein Glaube mit der „wunderbaren Schöpfungsgeschichte“, auf der anderen Seite „lebst du so, als hättest du eine zweite Welt im Keller“. Der 48-Jährige will jetzt etwas für die erste Welt tun: „Ich habe jetzt Ökostrom von Lichtblick, Wasserkraft“, sagt Metzinger – und eben dieses neue Auto – 82 PS und eine Reichweite von 160 Kilometern, wenn man sparsam fährt. Danach muss das Auto wieder an die Steckdose, die Batterie kann er mit Haushalts- oder Starkstrom sowie über eine Wallbox (ein spezieller Kasten, den man an die Wand installiert) aufladen. Das Auto ist nichts für lange Touren, Metzinger hat sich zum Spaß mal ausgerechnet, wie lange er von Dudenhofen nach München brauchen würde: „26 Stunden, ich müsste vier Mal tanken“, sagt er. Aber für die vielen kleinen Strecken, die er täglich zwischen den sechs Dörfern zurücklegt, reicht’s. Weiterer Vorteil: „Es ist klein, aber es ist genug Platz, dass noch ein paar Messdiener reinpassen“, sagt der Pfarrer, der sehr auf die Jugendarbeit setzt. Das Auto hat 29.000 Euro gekostet, kein Schnäppchen. Vom Pfarrergehalt hätte er es sich nicht gekauft: „Ich kann’s mir deswegen leisten, weil ich geerbt habe“, sagt er – und auch, dass es eine „rein idealistische Sache“ sei, wenn man auf so ein Auto umsteige. Ihm, der schon als Kaplan in den 1990er Jahren mit einem dreirädrigen E-Auto durch Ludwigshafen gefahren ist, ist es das wert. Er habe vorher im Monat für 400 Euro getankt. „Das sind einige Hundert Liter, wie viele Kilo das ist, wie viele Bäume das kostet“, hat sich der Pfarrer überlegt. Es werde so viel über die Umwelt und die Endlichkeit fossiler Brennstoffe geredet, aber wenn’s konkret werde, habe man immer Ausreden, warum’s jetzt gerade nicht geht, weiß der Pfarrer – und lädt zur Probefahrt mit seinem neuen Auto ein. Der Bordcomputer zeigt an, wie weit man mit der aufgeladenen Batterie (die unten eingebaut ist) kommen würde: 166 Kilometer, wenn man ohne Klimaanlage und Schnickschnack fährt (das nennt sich Eco plus). Wenn man’s kuschelig warm will und die Klimaanlage einschaltet, reicht die Batterie nur für 141 Kilometer. Bei sparsamen Fahren wäre also eine Spritztour nach Stuttgart oder Freiburg drin. Wir beschränken uns: vom Dudenhofener Pfarrhaus aus über die B 9 nach Schwegenheim, von dort nach Mechtersheim, Berghausen und zurück nach Dudenhofen, 19 Kilometer. Bis Mechtersheim fährt der Pfarrer: auf der B 9 gibt er „echt Speed“, 130 Stundenkilometer, das ist die Höchstgeschwindigkeit fürs Auto. Auf der leicht abschüssigen B-9-Abfahrt Schwegenheims wird’s interessant: Das Auto gewinnt dadurch, dass es beginnend von den 130 Stundenkilometern die Abfahrt runterfährt (natürlich langsamer), sechs Kilometer an Reichweite dazu, man nennt das Rekuperation, Rückgewinnung von Bremsenergie. Metzinger hat dem Bischof von seinem Entschluss mit dem Ökostrom und dem E-Auto erzählt. „Die Kirchenleitung hat sich sehr gefreut“, berichtet er. Und der Verwaltungsrat als Vermieter des Pfarrhauses habe ihm beim Tausch des Stromanbieters keine Steine in den Weg gelegt. „Die anderen Verwaltungsräte haben mir sogar erlaubt, die Batterie an der Kirche oder im Pfarrheim aufzuladen“, erzählt Metzinger, fügt aber auch gleich an, dass er den Strom dann auch selbst bezahlen wolle. An was man sich wirklich gewöhnen muss: Dieses Auto ist nicht zu hören. So dass man, wenn man es selbst startet, nicht so recht weiß, ob es tatsächlich fahrbereit ist oder nicht. Trotz des leisen Gefährts wird Metzinger wohl nicht zu überhören sein – denn einen kleinen Luxus hat er sich gegönnt: „Ich habe mir sechs Lautsprecherboxen einbauen lassen.“ Manche Musik muss man einfach laut hören. Für Metzinger hat sich der Kauf gelohnt: „Ich fahre jetzt mit einem besseren Gewissen.“ Und wenn’s dann mal weiter weg gehen soll, hat er immer noch den A 6 zur Auswahl: „Den behalte ich für private Sachen.“

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