Speyer Der Motorradbus ist noch leer

Wenn in Hockenheim Formel 1 ist, herrscht auf dem Speyerer Flugplatz Hochbetrieb. Seit Donnerstag sind Rennfahrer aus aller Welt und ihre Teams gelandet, am Sonntag sind sie unter den Augen zahlreicher Zaungäste wieder zurückgeflogen.
Als Erster habe Formel-1-Chef Bernie Ecclestone vor einer halben Stunde in seiner Privatmaschine „Falcon“ abgehoben, berichtet Flughafen-Chef Roland Kern um 17 Uhr, ein Ohr am Telefon. Taxis für 35 der rund 50 Mitarbeiter des 83-Jährigen müssen geordert werden. Die Bediensteten wollen vor dem Abflug im „Ecclestone-Shuttle“ noch schnell Heidelberg sehen. Neben dem Rollfeld parken fünf Jets, deren Piloten in der eigens für sie eingerichteten Lounge des Flugplatzes warten. Auf dem Großbildschirm verfolgen sie die Ereignisse in Hockenheim. „Wir wollen wissen, ob der Chef gut oder schlecht gelaunt ist, wenn er hier ankommt“, sagt einer auf Englisch und beißt in eines der für die Crew bereitgestellten Brötchen. Die Zaungäste spannen Schirme auf. Sicherheitsleute, Polizisten, Flughafen- und Rennstall-Mitarbeiter dagegen stört der Regen nicht. „Ich werde heute nicht zum ersten Mal nass“, sagt Jürgen Schlindwein, Vorsitzender der Speyerer Motorfluggemeinschaft. Um 10 Uhr sei er mit zwei Flieger-Freunden gekommen, um das Flughafenpersonal zu unterstützen. „Wir bringen die Flieger an ihren Platz, bereiten alles für den Rückflug vor und sorgen für geordneten Ablauf“, zählt er Aufgaben der Ehrenamtlichen auf. „Wir sind heute in voller Besetzung da“, betont Kern. Hauptsächlich in die Schweiz und nach Großbritannien starteten an diesem Tag knapp 30 Maschinen aus Speyer, weist Kern auf ungewohnt viele Flugbewegungen auf dem Speyerer Flugplatz hin. „Wer drin sitzt, wissen wir nicht. Für uns zählt die Sicherheit.“ Dafür sorgen zwei Flugplatzleiter im Tower. Der Funkverkehr hält sie von sämtlichen anderen Aktivitäten ab. „Wie heißen die Hasen, die hier rumlaufen“, ruft einer eine Piloten-Frage in den Raum. „Hase eben“, erhält er zur Antwort. Er habe keinen Promi gesehen, sagt der Verkäufer im Eiswagen des „Café Roma“. Ein Mann in der Warteschlange glaubt, Formel-1-Pilot Jenson Button, kurz zuvor Achter im Rennen, ausgemacht zu haben. „Kann nicht sein, der kommt mit seinem Motorrad“, erklärt ein McLaren-Mitarbeiter und weist auf den braunen Bus am Parkplatzrand. „Das ist Buttons Motorradbus. Und der ist noch leer.“ Taxis kommen mit den Ecclestone-Leuten aus Heidelberg zurück. Im Laufschritt geht’s zum Flugzeug, dessen Motoren bereits laufen. Minuten später rollt es zum Abflug. Über ihm fliegt ein Polizeihubschrauber ein, eine Limousine mit Frankfurter Kennzeichen fährt vor, eine kleine Maschine landet. „Wer sein Flugzeug liebt, der schiebt“, sagt Schlindwein und parkt zwei Sportflugzeuge zu Fuß. Der Ecclestone-Shuttle erhält seine Starterlaubnis. Kurz darauf hebt er ab. Zahllose Freizeit-Kameras filmen die Flugkurven Richtung Westen. Der knallrote Bombardier CL-605 mit den Initialen „LCDH“ für Lewis Carl Davidson Hamilton wartet am Rand des Rollfeldes auf seinen Besitzer. Der Start des Privatjets ist für 19.15 Uhr vorgesehen. Die meisten Zaungäste wollen ihn nicht verpassen. Button soll sich inzwischen auch auf dem Weg nach Speyer befinden.