Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Der Krimi in der Kirche: Tatort-Premiere beim SWR-Sommerfestival

In ungewohntem Ambiente: Ulrike Folkerts (links) und Lisa Bitter präsentieren ihren neuen Krimi in der Gedächtniskirche.
In ungewohntem Ambiente: Ulrike Folkerts (links) und Lisa Bitter präsentieren ihren neuen Krimi in der Gedächtniskirche.

Beim SWR Sommerfestival wurde ein neuer Tatort in der Speyerer Gedächtniskirche gezeigt. Die Kriminalerinnen Lena Odenthal und Johanna Stern waren vor Ort.

Die Kirche war voll wie sonst selten. Der Blick auf den Altar in der Speyerer Gedächtniskirche, die vorübergehend zum Kino umfunktioniert worden war, war von der großen Leinwand verstellt. Hier die Uraufführung des neuesten Ludwigshafener „Tatorts“, der das SWR-Sommerfestival eröffnete.

Über 600 Besucher waren gekommen, um die Folge „Mike & Nisha“ und deren Hauptdarstellerinnen Ulrike Folkerts und Lisa Bitter zu sehen. Alle Bänke mit Sicht auf die Leinwand waren besetzt. Vor und noch mehr nach der Vorstellung spendete das Publikum Beifall für einen Krimi, in dem mindestens drei biblische Gebote gebrochen werden, wie der Produzent Nils Reinhardt vorab zu Bedenken gab.

„Ich hatte impulsiv den Gedanken, das passt überhaupt gar nicht zusammen“, zeigte auch Folkerts sich skeptisch, einen „Tatort“ in einer Kirche vorzustellen. „Dies sollte ein sicherer Ort sein, ein wichtiger Ort, um sich zu besinnen, und jetzt geht’s hier um ein Familiendrama und um Mord und Totschlag.“ Lisa Bitter hingegen, die Darstellerin ihrer Kollegin Johanna Stern, befand, „das ist voll der coole Ort, sich einen ,Tatort’ anzuschauen. Ich find’s irgendwie abgefahren.“ Nur das wenig ergonomische Kirchengestühl sei unbequemer als ein Kinosessel oder das heimische Sofa. Damit behielt sie Recht: Es galt 90 Minuten lang still zu sitzen auf hartem Holz.

Toxische Verhältnisse

Im Krimi, noch unter dem Arbeitstitel „Ordnung ist das halbe Leben“ im Juli vergangenen Jahres vorwiegend in Ludwigshafen, Karlsruhe und Baden-Baden gedreht, spielt Religion keine Rolle. Nur einmal, als Hintergrund einer Suppenküche, rückt eine Kirche ins Bild. Die Story von Drehbuchautorin Annette Lober führt nach Frankenthal und offenbart dort toxische Familien- und Nachbarschaftsverhältnisse. Ein junges Paar kurz vor der Hochzeit besucht dort seine Eltern.

Die beiden Titelhelden Mike und Nisha werden zu Mördern, bevor, diesmal recht spät, die Kommissarinnen auf der Bildfläche erscheinen. „So ein schönes Paar, so unschuldig und so nervös“, stellt Odenthal gleich nach der ersten Begegnung fest. „Was für’n Trip!“ meint Nisha, deren Flucht in die Ludwigshafener Innenstadt führt und in einem schönen Bild auf der Baustelle der Hochstraße Süd endet. Es gab viel Applaus für diesen im Grunde simpel gestrickten, aber effektiv umgesetzten Thriller und rote Rosen für die Darstellerinnen.

Schauspielerinnen und Fans auf Tuchfühlung

Unter den Besuchern waren 20 Gewinner verschiedener Preisausschreiben, darunter Gabi und Rainer Karn aus Schwegenheim, die über die RHEINPFALZ zwei Tickets für einen Sektempfang und ein Meet and Greet gewonnen hatten. Im kleinen Kreis begegnete das Ehepaar den Hauptdarstellerinnen und konnte im Gegenzug erfahren, wie es sich für „die Kommissarinnen“ anfühlt, mit dem Publikum auf Tuchfühlung zu gehen. „Ich genieße das sehr“, gestand eine braungebrannte Ulrike Folkerts, die, wie zu hören war, für dieses Event eigens ihren Urlaub unterbrochen hatte. Sie verwies auf das Ludwigshafener Festival des deutschen Films, das ihr immer wieder ähnliche Erlebnisse beschere. In ungefähr zwei Wochen dürfte das Programm der anstehenden 21. Festivalausgabe bekanntgegeben werden.

Als Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal ist Folkerts die dienstälteste „Tatort“-Ermittlerin überhaupt: „seit 36 Jahren“, zählte die 64-jährige Schauspielerin, die noch nicht daran denkt, in Rente zu gehen. „Ich habe Kolleginnen dort, die waren damals, als ich angefangen habe, Praktikantinnen oder Assistentinnen und sind jetzt selber Kamerafrauen.“ Sie habe einige auch schon in Rente gehen sehen. Die Mitarbeiter rund um den vorderpfälzischen SWR-„Tatort“ seien für sie längst „schon wie eine große Familie, und man hat viel miteinander erlebt“. Aber, bekräftigte die Darstellerin, die zuletzt auch in einer Folge der ZDF-Krimiserie „SOKO Stuttgart“ zu sehen war, „ich bin nicht Lena Odenthal“. Lange schon sei die Figur, die sie zum ersten Mal im Alter von 27 Jahren verkörperte, jedoch „wie eine beste Freundin“ geworden.

Voraussichtlich am 9. November läuft „Tatort: Mike & Nisha“ zum ersten Mal im Fernsehen.

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