Pfalz / Baden
Der große Vergleich: Wie viel Parken in pfälzischen und badischen Städten kostet
In Speyer war der Aufschrei groß: Zum Jahresbeginn hatte die Stadt die Parkgebühren auf ihren Flächen, wie dem Festplatz nahe dem Dom und dem zentral in der Innenstadt gelegenen Königsplatz, verdoppelt. Einzelhändler sorgten sich um den Standort und berichteten von Umsatzeinbußen. Der Stadtrat steuerte infolge der Kritik nach und führte die „Brötchentaste“ ein – eine halbe beziehungsweise eine Stunde kostenlos parken – und reduzierte den Tagestarif auf dem Festplatz und am Naturfreundehaus von sechs auf vier Euro.
Eine RHEINPFALZ-Recherche zeigt, dass Speyer mit den aktuellen Tarifen nicht die teuerste Stadt in der Region ist. Der erste Blick führt über den Rhein – ins badische Schwetzingen. Auch dort wünschen sich die Händler mehr kostenlose Parkplätze, um mehr Kunden in die Innenstadt zu locken. Die Parkgebühren wurden zuletzt vor zwei Jahren um ein Drittel erhöht. Pro Stunde muss dort jetzt 1,80 Euro gezahlt werden. Die Tarife seien auf den städtischen Flächen alle gleich teuer, es gebe keine Begrenzung der Standzeit, dafür einen Nachttarif für Übernachtungsgäste, informiert eine Stadtsprecherin. Ein Tagesticket-Angebot – also eine Pauschale – gibt es in Schwetzingen mit seinem Schloss, dem Park, Geschäften und vielen gastronomischen Angeboten nicht.
Wenn wir schon mal im Badischen sind, werfen wir einen Blick nach Mannheim. Die Innenstadt lockt womöglich einige mit ihrem Angebot auf den Planken, in den Seitenstraßen und der Einkaufspassage Q6/Q7. Das hat allerdings seinen Preis: Die Stadt lässt ihre Parkflächen von einer eigenen Gesellschaft verwalten – den Mannheimer Parkhausbetrieben. Sie ist allein in der Innenstadt für 14 Parkobjekte zuständig. Grundsätzlich sei die Parkdauer dort nicht begrenzt, informiert ein Stadtsprecher.
Nachts fallen andere Gebühren an. Tagsüber liegt die Preisspanne für ein Tagesticket zwischen 7,50 Euro (in der Tiefgarage U2) und 20 Euro im Parkhaus N7 neben dem Cineplex-Kino. Am Straßenrand parken, kostet in Mannheim in der Innenstadt 3,60 Euro pro Stunde. Wer kostenlose Abstellmöglichkeiten möchte, sucht in den Quadraten vergeblich und ist auf den Nahverkehr angewiesen. Stellplätze, für die nichts bezahlt werden muss, finden sich etwa auf den Friedensplätzen in der Nähe des Luisenparks.
Innenstadtnah und kostenlos
Im pfälzischen Frankenthal ist die Situation anders: Wer kostenlos parken möchte, hat in Innenstadt-Nähe zahlreiche Möglichkeiten. Parsevalplatz und Röntgenplatz, die von Schülern und Lehrern der dortigen Gymnasien genutzt werden, der Parkplatz am Hallenbad und der südliche Teil des Jahnplatzes sind weniger als einen Kilometer von den Einkaufsstraßen zwischen Wormser und Speyerer Tor entfernt. Wer sein Auto am gebührenpflichtigen Straßenrand in der Innenstadt abstellt, zahlt pro Stunde einen Euro. Zwei Stunden sind die Höchstparkdauer und kosten zwei Euro.
Der teuerste städtische Parkplatz in Frankenthal befindet sich direkt am Rathaus – unter der Willy-Brandt-Anlage. Die erste Stunde Parken kostet dort 1,50 Euro. Wer sein Auto den ganzen Tag dort stehen lässt, muss 10 Euro bezahlen. Das Parkobjekt wird von der Frankenthaler Bäder & Park Betriebsgesellschaft mbH betrieben. Sie ist auch für ein zweites, etwas abgelegenes Parkhaus zuständig – und zwar am Bahnhof, das in der Vergangenheit den Stadtwerken auch Verluste beschert hat.
Welche Ziele verfolgen Kommunen eigentlich mit Parkgebühren? Ein Sprecher der Stadt Ludwigshafen erläutert, dass Parkgebühren von der Politik als Steuerungselement angesehen werden, um den Verkehr beziehungsweise die Belastung der Straßen nachhaltig zu verringern. Die Erhöhung der Gebühren könne zur Folge haben, dass weniger Fahrzeuge in den Straßen auf Parkplatzsuche gehen, sie mit Hilfe eines Leitsystems zielgerichtet zu bewirtschafteten Parkplätzen und -häusern geleitet werden und außerdem ein weiterer Anreiz geschaffen wird, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Anwohner hätten zudem mehr Möglichkeiten, ihr Auto abzustellen.
Der Stadtrat in Ludwigshafen hat die Parkgebühren einem Verwaltungssprecher zufolge ab 2023 verdoppelt. In der Innenstadt werden jetzt drei Euro pro Stunde verlangt, die Höchstparkdauer ist begrenzt. In Außenbereichen werden 1,50 Euro pro Stunde fällig.
Innenstadt soll attraktiv sein
Während in Neustadt gerade ein neues Parkraumkonzept erarbeitet und das gesamte Gebührensystem laut einer Stadtsprecherin auf den Prüfstand gestellt wird, gibt es in Landau bereits seit drei Jahren eine neue Parkordnung. Sie soll das Parken laut einer Stadtsprecherin übersichtlicher, gerechter und flexibler machen. Das Stadtgebiet besteht aus sieben großen Parkquartieren, die Gebühren unterscheiden sich. „Je näher ein Parkplatz an der Fußgängerzone liegt, desto ,wertvoller’ ist er“, erklärt die Stadtsprecherin. Zudem wurde das Anwohnerparken abgeschafft. Das bedeutet, dass Tickets für Parkquartiere von allen Interessierten – etwa von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Jobs in Landau – gekauft werden können. Ein Tagesticket für die Innenstadt kostet vier Euro, ein Monatsticket 30 Euro und ein Jahresticket 300 Euro.
Der Stadt ist nach Angaben ihrer Sprecherin wichtig, dass Landau gut mit dem Auto erreichbar bleibt, weil viele Kunden des Einzelhandels von außerhalb kämen. Der Einzelhandel hat aber nicht nur mit Parkgebühren zu kämpfen, sondern auch mit dem wachsenden Online-Handel. Landau will dagegen mit einer hohen Aufenthaltsqualität in der Innenstadt ankommen. Die Stadt erhalte daher ausreichend Parkplätze, fördere den Rad-, Fuß- und öffentlichen Personennahverkehr und sorge für mehr Stadtgrün sowie zusätzliche Sitz- und Spielmöglichkeiten, heißt es aus dem Rathaus.
Info
Für die Übersicht wurden nur die städtischen Parkflächen betrachtet, weil die Gebühren von der Kommunalpolitik bestimmt werden. Es gibt darüber hinaus Parkplätze von privaten Anbietern, die ihre Preise selbst bestimmen.
