Speyer Den „Krippe-Virus“ eingefangen

Krippe Marke Eigenbau: Helmut Krämer hat viele seiner Werke verkauft, auch in die USA.
Krippe Marke Eigenbau: Helmut Krämer hat viele seiner Werke verkauft, auch in die USA.

«DUDENHOFEN.»90 Jahre alt ist Helmut Krämer mittlerweile. Da geht es nicht mehr so mit der Feinarbeit. Wenn Krämer aber von seinem Hobby erzählt, packt ihn immer noch die Begeisterung dafür. In Oberammergau, im Urlaub, hat er sich den „Krippe-Virus“ geholt. Ausgebrochen ist er zu Hause, als die Tochter ihren Vater darum gebeten hat, ihr eine Krippe zu bauen. Dann wollte Ehefrau Elisabeth (79) eine. „Dann hat ihre Freundin diese gesehen – und so hat es sich fortgesetzt“, erinnert sich Krämer im Gespräch mit der RHEINPFALZ noch gut daran, wie das Rad in Bewegung kam. Sein Material bekam der Dudenhofener von Schreinern, die er im Außendienst besuchte. „Gebastelt habe ich im Keller“, sagt Krämer. Ein Tisch, Werkzeug und die eigene Kreativität – mehr hat der passionierte Kunsthandwerker nicht gebraucht. Pläne? Die hat er nie gezeichnet. Vorstellungen im Kopf setzte er direkt in die Praxis um. „Ich habe viel mit den Augen gestohlen“, gesteht Krämer und lächelt. Die Warenauslage in der Krippen-Metropole Oberammergau zu fotografieren, war vor zwei Jahrzehnten verboten und ist es bis heute. Vorbilder hat Krämer aber auch nicht gebraucht. Seine Fantasie gab genug her, um ein Unikat nach dem anderen herzustellen. „Keine Krippe glich der anderen. Jedes Mal hat sich etwas daran verändert“, erklärt er. Jedes Einzelstück hat Krämer fotografiert, nummeriert und Fotos davon in einen Ordner einsortiert. „Ich weiß bei jeder Krippe, welcher Kunde sie gekauft hat“, verrät der Dudenhofener und deutet auf eine lange Liste mit den Namen derjenigen, die seine Arbeiten erwarben. Selbst bis nach Passau und München haben es welche geschafft. Die wahrscheinlich weiteste Reise legte eine Krippe in die USA, nach Utah, zurück. „Eine Amerikanerin hat sie auf dem Zweibrücker Weihnachtsmarkt gekauft, als wir dort zum ersten Mal einen Stand aufgebaut hatten“, erzählt Krämer. Seither bekommen er und seine Frau jährlich eine E-Mail aus den Vereinigten Staaten mit einem neuen Bild der Krippe, die sich im Laufe der Zeit dank weiterer Elemente, die die Krämers in die USA geschickt haben, erweitert hat. Die Einzelteile der Krippen von Helmut Krämer sind geschraubt und verleimt. „Viele Leute haben ihre Holzfiguren mitgebracht und mein Mann hat sie deren Maßen entsprechend gebaut“, berichtet Elisabeth Krämer. Die Wünsche der Interessenten nahm ihr kreativer Ehemann stets ernst. Gut ein Meter hoch sei die höchste Anfertigung gewesen, lässt dieser wissen. Ein ehemaliger Pfarrer der protestantischen Johanneskirchengemeinde in Speyer habe diese in Auftrag gegeben. In Dudenhofen hat Krämer früher Ausstellungen organisiert, zu denen sogar Beschicker aus der Nähe von Heilbronn gekommen sind. „Die ganze Festhalle war voll“, denkt er zurück. Seine Kenntnisse gab Krämer sogar mal in einem Kurs in Mannheim weiter. „Da gab es Teilnehmer, die haben wirklich wunderschöne Krippen gebaut“, versichert Krämer und ergänzt mit einem Lachen: „Fast so schön wie meine.“

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