Speyer Dazwischen ganz richtig am Platz

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Pfälzerin mit türkischen Wurzeln, Muslima mit persönlichem Weihnachtsbezug, dreifache Mutter, engagierte Ehrenamtlerin: Um Nehir Tugan zu beschreiben, bedarf es mehr als ein paar Worte. Die 42-Jährige vereint ein großes Herz, viele Talente und große Toleranz.

„Manchmal denke ich deutsch, manchmal türkisch“, fasst sie zusammen, was in ihr als Vertreterin der zweiten Gastarbeiter-Generation vorgeht. Tugan sieht darin mehr Chancen als Probleme. „Die Mischung macht’s.“ Nicht nur im Urlaub in der Türkei empfänden andere sie als typisch deutsch, sagt Tugan. So habe sie ihren Kindern in der Grundschulzeit feste Schlafenszeiten vorgeschrieben. „Das ist in türkischen Familien anders“, betont sie. Inzwischen sind Eda-Sue (17), Elif (13) und Effe-Khan (12) herangewachsen und besuchen die IGS. „Am leichtesten fallen ihnen die Fremdsprachen“, berichtet die Mutter. Ihre Kinder wüchsen zwischen zwei Kulturen zweisprachig auf. Ihr Vater habe 27 Jahre lang in der BASF gearbeitet, die Mutter habe in Speyer etwas hinzuverdient. „Bei den Hausaufgaben konnten sie meinen beiden Brüdern, meiner Schwester und mir nicht helfen“, beschreibt die frühere Schülerin der Siedlungsschule, wie sie sich alleine und mit Hilfe deutscher Freundinnen durch die Fächer gekämpft hat. „Meine Noten waren gut genug, um Arzthelferin zu werden“, sagt sie. „Aber dann habe ich Faruk im Urlaub an der Ägäis kennengelernt“, erinnert sich Tugan an die ersten Begegnungen mit ihrem heutigen Ehemann. Vor 22 Jahren habe sie ihn geheiratet und mitgenommen in ihre pfälzische Heimat. „Wir sind eine deutsche Familie“, ist Tugan überzeugt. „Mit Schrebergarten und allem, was dazugehört.“ Nach dem Sommerurlaub in der Türkei seien sie alle immer froh, wenn sie die Spitzen des Speyerer Doms wieder sähen, betont sie. „Zuhause ist eben Zuhause.“ In der Türkei seien sie „die Deutschen“, hier häufig „die Türken“. Tugan sieht ihren Platz „irgendwo dazwischen. Da bin ich richtig.“ In Speyer setzt sich Nehir Tugan für die ein, die es nicht so gut getroffen haben. Sie kümmert sich um Flüchtlinge, war fünf Jahre im Beirat für Migration und Integration tätig, ist in der Moschee aktiv und seit zehn Jahren feste Größe bei der „Aktion Weihnachtslicht“. „Da haben wir Weihnachten gelernt“, betont sie. Seit Jahren bestückt sie das Salat-Buffet der Feier für Einsame und Bedürftige am Heiligen Abend. Die ganze Familie hilft, den Abend zu gestalten. Mittlerweile sei ihre Wohnung in der Adventszeit geschmückt, ihre Kinder bekämen Geschenke. „Mein Lieblings-Weihnachtsfilm ist ,Drei Nüsse für Aschenbrödel’“, sagt sie lachend. Aber die Kultur ihrer Eltern möchte Nehir Tugan auch an die nächste Generation weitergeben. Seit drei Jahren führt sie den türkischen Kulturverein in Speyer an. Sie veranstaltet Frauenabende für Türkinnen und Deutsche, hat in der Kindergartenzeit ihrer Kinder Bauchtanz in der Kita „Arche Noah“ angeboten, ist Ansprechpartnerin der Eltern im „Stadtteiltreff Nordpol“ und versorgt unterschiedliche Veranstaltungen in der Stadt mit türkischen Gerichten. „Alles ehrenamtlich“, betont Tugan. In der Siedlungsgrundschule sei sie Lesemama gewesen und habe ein Projekt mit Frauenhaus und Frauennotruf begleitet. „Ich bin überzeugte Demokratin“, beschreibt sie ihre politische Einstellung. Menschen in Not zu helfen, offen auf andere zuzugehen – darin sieht Tugan ihre Aufgabe im Leben. „Zuerst ist jeder ein Mensch, egal wo er herkommt, was er hat oder woran er glaubt.“ Diese Sichtweise erwartet sie auch von anderen.

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