Speyer „Das macht ihr so leicht niemand nach“

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Ihr Gedächtnis lässt Schwester Roswinda Martin auch nach 100 Lebensjahren nicht im Stich. Ihr wacher Geist sorgte gestern Mittag beim Empfang anlässlich ihres Geburtstags im katholischen Pfarrheim Mechtersheim für Heiterkeit bei den Gästen. Viele von ihnen, zum Beispiel Marina Konrad vom Pfarrgemeinderat, haben eine persönliche und herzliche Verbindung zu der Ordensfrau.

Ganz geheuer war der Dominikanerin Roswinda, die im Institut St. Dominikus in Speyer lebt, der Einstieg in den schicken weißen Hanomag, Baujahr 1935, nicht. Der Oldtimer war ihr zu Ehren besorgt worden. Doch nach dem stärkenden Festgottesdienst in der Kirche, der von Pfarrer Ralf Metz, Monsignore Otto Kern und Diakon Gerhard Heinz zelebriert worden war, sah sich die Schwester dieser Aufgabe dann doch gewachsen. Großer Bahnhof dann vor dem Eingang zum Pfarrheim: Der Musikverein Mechtersheim spielte „Zum Geburtstag viel Glück“ – einen Wunsch, dem sich alle Gäste des anschließenden Empfangs anschließen konnten. Auf diesen Tag hatte sich Schwester Roswinda gefreut, verriet Richard Schultz als Vertreter aller Pfarrgemeindegremien. „Schließlich ist es selbst unter frommen Ordensfrauen nicht jeder vergönnt, den 100. Geburtstag zu feiern“, sagte er und erinnerte daran, dass sie abzüglich der vier Kriegsjahre 41 Jahre lang den katholischen Kindergarten in Mechtersheim geleitet hatte. „Sie war Jahrzehnte lang unsere Kinnerschulschweschder“, hatte es Schwester Edelgard bereits am Ende des vom Kirchenchor gestalteten Gottesdienstes auf den Punkt gebracht. Mit 60 bis 70 Kindern habe sie zurechtkommen müssen. Das Geschick dafür hat Schwester Roswinda wohl immer besessen, wie Beispiele zeigten. Sogar Krippenspiele habe sie mit der Rasselbande auf die Beine gestellt. „So manche Mama erkannte da ihren Lausebengel nicht wieder“, sagte Schwester Edelgard. Alle Mechtersheimer, die heute älter als 37 und jünger als 85 Jahre sind, seien durch die Obhut der Jubilarin gegangen, sagte Richard Schultz und stellte fest: „Das macht ihr so leicht niemand nach.“ Schon im Alter von 16 Jahren hatte sich die engagierte, warmherzige Frau dem Orden der Dominikanerinnen zugewandt. Die waren bei den gestrigen Feierlichkeiten mit einer großen Abordnung vertreten, allen voran Generalpriorin Gertrud Dahl. Ökumene habe Schwester Roswinda schon gelebt, als die noch kein Thema in der Kirche gewesen sei, merkte Schwester Edelgard an. Autofahren habe sie ebenso beherrscht wie das Orgelspiel. Sowohl als Krankenpflegerin als auch Organistin sei sie in den Kriegsjahren und darüber hinaus gefragt gewesen. Dass die Hundertjährige noch viele mit Namen kennt und in den Gesichtern der Jungen sehen kann, welcher Familie sie entstammen, stellte sie gestern vielfach unter Beweis. Von ihrer liebevollen Art bekam auch die fünfjährige Stina einen Eindruck. Das Mädchen überreichte der Ordensfrau ein Fotoalbum mit Bildern vom früheren und heutigen Kindergartenleben und bekam dafür ein Küsschen. Die Jubilarin selbst sagte über ihren Festtag: „Als ich am Geburtstagsmorgen erwachte, war mein Gedanke: Herr, in deine Hände lege ich Anfang und Ende.“ Die nächste große Feier steht ihr laut Ralf Metz schon bald ins Haus, denn 2016 jährt sich ihre Profess zum 80. Mal.

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