Speyer „Das Katzenstreicheln war der Anfang“

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Herr Hensel, waren Sie heute schon in Ihrem Ehrenamt tätig?

Ich war heute Nachmittag mit meinem Fahrrad in Dudenhofen zu einem Vorausbesuch. Eine Familie wünscht sich nach dem Tod ihrer alten Katze nun eine Katze aus dem Tierheim Speyer. Sie waren bereits im Tierheim und haben sich in eine schwarze Katze verliebt. Damit wir auch sicher gehen, dass im künftigen Heim alles gut ist, statte ich dort jeweils zuvor einen Besuch ab. Ich nehme mir viel Zeit und spreche noch mal alles Wissenswerte durch. Außerdem habe ich heute all unsere Katzen besucht. Wie sind Sie zum Ehrenamt gekommen? Als ich vor neun Jahren in den Ruhestand ging, fragte ich im Tierheim Speyer, ob ich denn öfter mal vorbei kommen könne, um die Katzen zu streicheln. Das war der Anfang. Was fällt für das Amt an – welche Aufgaben, welcher Zeitaufwand? Ich schenke unseren Katzen Liebe und Streicheleinheiten. Insbesondere kümmere ich mich um die schwierigen Fälle. Da gibt es die wildgeborenen Kätzchen, die nie einen näheren Kontakt zu Menschen hatten und deswegen sehr scheu sind. Problematisch sind auch die Verdorbenen und Misshandelten. Diese können einem schon mal ins Gesicht springen oder gefährlich beißen. Bisher konnte ich alle weitgehend normalisieren und in gute Hände vermitteln. Zu den Öffnungszeiten berate ich die Interessenten und führe vor jeder Vermittlung ein ausführliches Gespräch. Zudem helfe ich Menschen, die ein Problem mit ihrer Katze haben mit fachkundiger Beratung – dafür habe ich auch Seminare belegt. Außerdem pflege ich unsere Homepage. Mein Zeitaufwand für alles beträgt mindestens 40 Stunden in der Woche. Haben Sie ein besonderes Talent dafür, das gewisse Etwas? Glücklicherweise war Fotografie schon immer meine Leidenschaft und so macht es mir Freude, unsere Tiere ins beste Licht zu rücken. Wann geht Ihnen das Herz auf? Wenn ich die Dankbarkeit unserer Katzen spüre – und auch wenn mir die neuen Katzenbesitzer mitteilen, wie glücklich sie mit ihrem Tier sind. Und wann platzt Ihnen der Kragen? Wenn Katzenhalter nicht ihre Katze kastrieren lassen und so zu Katzenelend beitragen. Noch schlimmer ist es, wenn man es mit Messie-Haltung oder gar mit Tierquälern zu tun hat. Sie tun etwas für andere – wie kann man denn Ihnen helfen? Man kann unserem Tierheim mit Sach- und Geldspenden helfen. Ebenso mit ehrenamtlicher Praxishilfe. Und bleibt an den Wochenenden auch Zeit für etwas anderes? Sonntags und montags nehme ich mir frei, damit ich Zeit für meine Familie habe. Außerdem mache ich Postcrossing: Ich schreibe Kalligrafie und korrespondiere mit Briefen und Karten in alle Welt. Zur Person Lothar Hensel (69), pensioniert, war von Beruf Lokomotivführer, ist seit Januar 2010 im Tierheim Speyer ehrenamtlich tätig. | Interview: Narin Ugrasaner

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