Harthausen / Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Das blaue Wunder: Warum der Zebrastreifen farbliche Akzente hat

Blaue Akzente am Fußgängerüberweg in Harthausen.
Blaue Akzente am Fußgängerüberweg in Harthausen.

Der Landesbetrieb Mobilität in Speyer hat anscheinend eine blaue Phase, wie sich in Harthausen und Dudenhofen zeigt. Was dahinter steckt.

Künstler haben oft verschiedene Lebens- und Schaffensphasen, in denen bestimmte Sujets, Farben oder Gestaltungen ihre Werke dominieren. Die Kunstgeschichte fasst das unter einem Namen oder Etikett zusammen und gliedert das Werk des Künstlers danach. So ist die Blaue Phase Pablo Picassos zwischen 1901 und 1904 geprägt durch blaugefärbte Werke, die Tod, Armut und Einsamkeit thematisieren. Yves Klein ist für seine blauen Bilder (Monochrome) bekannt, insbesondere durch das von ihm entwickelte „International Klein Blue“. Auch Wassily Kandinsky, Henri Matisse, Vincent van Gogh, Franz Marc, Jean Miro und Marc Chagall hatte es die Farbe Blau zeitweise sehr angetan.

Auch der Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Speyer um Leiter Martin Schafft scheint einen neuen kreativen Schub zu haben und ist in einer „blauen Phase“ angekommen. Die Werke fallen wegen ihrer Farbgebung und ungewöhnlicher Formate auf. Sie sind im wahrsten Sinn des Wortes für die Straße gemacht.

Anlage wirft Frage auf

Erstmals richtig aufgefallen ist es Beobachtern in Harthausen. Jahrzehnte hat es dort gedauert, zahllose Anläufe waren nötig. Doch im März erhält das Tabakdorf seinen ersten Fußgängerüberweg. Groß ist die Freude, dass der LBM 175.000 Euro für Installation, Beleuchtung, Beschilderung und die vier Beplankungspfosten in blau-weiß ausgibt. Die Verkehrsanlage wirft seither die Frage auf: Warum? Auf die Blau-Frage der RHEINPFALZ antwortet der Leiter des LBM: „Eine Vorgabe dafür gibt es keine. Blau-weiß wurde gewählt, weil das zugehörige Verkehrszeichen 350, Fußgängerüberweg, blau ist.“

Dass das Blau keine Eintagsfliege ist, zeigte im April die zweite großformatige Arbeit des LBM: eine Lärmschutzwand in Blau in Dudenhofen. Auch dort sorgt die Farbauswahl für Fragen, weckt Begeisterung wie Abscheu gleichermaßen und öffnet Raum für vielfältige Interpretationen.

Psychologische Wirkung

In der Kunst gilt Blau als Gegenpart zu Gelb- und Orangetönen und damit als kalt und in Hinblick auf die Perspektive als Hintergrundfarbe. So avanciert sie zum Symbol für Sehnsucht und Weite. Sie ist aber auch die Farbe, die im Mittelalter für den Himmel, Gott und Engel steht und als wertvoll gilt. Sie soll darüber hinaus eine psychologische Wirkung besitzen: Blau soll den Puls senken, die Gedanken beruhigen, eine entspannte Atmosphäre schaffen sowie Konzentration und klares Denken fördern.

Etwas anders sehen der Zebrastreifen der Königskinder und die Wand der Sandhasen schon aus. Aber Hauptsache, die blauen Wunder des LBM erfüllen ihren Zweck. Die Fans sind schon gespannt, wie die blaue Phase im Mai auf den Straßen weitergeht.

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