American Football
Daniel McCray aus Speyer heuert bei Frankfurt Galaxy an
Am 7. September hatte Daniel McCray, der aus Speyer stammende Footballtrainer, sein Ziel erreicht. Mit seinem Team Stuttgart Surge gewann er das Finale der European League of Football (ELF) in der Stuttgarter MHP Arena vor knapp 37.000 Zuschauern gegen die Vienna Vikings mit 24:17. Surge erreichte nach einer Halbfinal- und einer Endspielniederlage in den beiden vorangegangenen Jahren den europäischen Gipfel.
Doch schon kurz nach dem Finale kam die bittere Nachricht: Surge stand finanziell am Abgrund. Es geht wohl nicht weiter. Kurz nach dem großen Sieg stand McCray plötzlich ohne Team und ohne Zukunft in dem Sport da, den er liebt. Dass Stuttgart monetären Herausforderungen entgegensieht, darauf stellten sich alle Beteiligten schon vor der Saison ein, aber eben auch, dass die Mannschaft gut genug für den Titel sein würde.
Newman redet Klartext
Deshalb bestand die Hoffnung, dass der Titel neue Einnahmequellen für die Franchise erschließt. Cheftrainer Jordan Newman gab das Ziel Meisterschaft aus. McCray, der die Special Teams betreute: „Wir haben über die Meisterschaft einmal vor der Saison gesprochen, das Thema dann in eine imaginäre Kiste gepackt und während der Saison nie wieder darüber geredet. Die Planung ging immer nur von Woche zu Woche.“
Unter dieser Voraussetzung war der Meistertitel natürlich eine riesige Erleichterung. Das Team erledigte seinen Teil. Sponsoren äußerten Interesse. Neue Besitzer fanden sich. Doch aufgrund der umstrittenen Führung der ELF plante die Mehrzahl der Teams, sich aus der Liga von Besitzer Zeljko Karajica zu verabschieden.
McCray unter Schock
Die Abtrünnigen zerstritten sich jedoch untereinander. Alle Entscheidungen zogen sich immer wieder hin, bis die wartenden Sponsoren bei Surge aufgrund der andauernden Ungewissheit schließlich absprangen. Dazu kam die Hiobsbotschaft für die neuen Besitzer von noch höheren Verbindlichkeiten als ursprünglich kommuniziert. Das Ende schien unausweichlich.
„Der Schock war groß“, sagt McCray. „Ich wollte ja gar nirgends anders hin. Ich wollte weiter in Stuttgart coachen. Es war ein richtiger Dämpfer, und ich habe überlegt, ganz mit Football aufzuhören.“ McCray feierte als Spieler zwei deutsche Meisterschaften und gewann mit dem Nationalteam zweimal die EM.
Bruder in Crailsheim
Schon zu Jugendzeiten nahm der Football einen Riesenplatz in McCrays Leben ein. Er spielte in Heidelberg, Weinheim, Schwäbisch Hall, Marburg, Saarbrücken und Mannheim. Fast seine ganze Freizeit drehte sich um den Sport. Damit aufzuhören, hätte eine Riesenlücke hinterlassen, auch, weil er kurz zuvor noch ein private Trennung zu verkraften hatte. „Der Football war für mich auch ein Anker“, sagt er.
Hilfreich erwiesen sich in dieser Zeit viele Gespräche mit seinem Bruder David, Cheftrainer des Basketballteams Merlins Crailsheim: „Mein Bruder sagte, du bist jetzt frustriert und willst hinwerfen. Aber spätestens im Sommer, wenn es wieder losgeht und du, erstmals seit 20 Jahren nicht mit dabei bist, wirst du es bereuen. Du hast dein Leben lang Football gespielt. Der Sport wird dir gut tun.“
Unicorns interessiert
Angebote gab es durchaus, zum Beispiel von Ex-Team Schwäbisch Hall Unicorns, bei dem sich McCray immer sehr wohlfühlte: „Schwäbisch Hall ist schon etwas Besonderes für mich.“ Doch die weiten Fahrten schreckten McCray ab, genauso die Aussicht, seine Kinder seltener zu sehen. Und so kam zur rechten Zeit ein Anruf aus Frankfurt, von der Galaxy.
Die Hessen verkrafteten die ungewisse Zeit des Übergangs von der alten Liga in die Zukunft besser als Surge und planten für die Zukunft. Trotzdem fiel McCray die Entscheidung, dort als Trainer anzuheuern, nicht leicht. Jahrelang bekämpften sich Frankfurt und Schwäbisch Hall vor der Entstehung der ELF als übergeordnete europäische Liga in der alten deutschen Bundesliga, der GFL, heftig.
Konkurrent Galaxy
Beide erwiesen sich als klar besser als die Konkurrenz in der GFL Süd, weshalb die direkten Duelle immer über die Südmeisterschaft entschieden, psychologische Kriegsführung inklusive. Als die Einhörner mal in Frankfurt antraten, wartete das Heimteam mit einer besonderen Überraschung auf: „Auf der Toilette hatten sie extra für uns Toilettenpapier mit aufgedruckten Einhörnern platziert.“
Trotz aller Animositäten gewannen die Unicorns tatsächlich alle GFL-Duelle mit Frankfurt, auch wenn es oft eng zuging, wie zum Beispiel im Meisterschaftsfinale 2018, dem German Bowl, den Hall 21:19 gewann. Nun arbeitet McCray also für den Erzfeind, dessen Cheftrainer Thomas Kösling schon zu den GFL-Zeiten in Frankfurt wirkte.
Skeptiker gibt es sogar im eigenen Familienkreis. McCrays Ex-Frau, die ihm trotz ihrer Bedenken bezüglich des neuen Arbeitgebers mit den gemeinsamen Kindern den Rücken frei hält, sagte: „Du musst wissen, ob du da glücklich wirst.“ Die ersten Gespräche mit Kösling verliefen positiv. Der neue Chef fordert Input von McCray ein. Frankfurt spielt in der EFA (European Football Alliance), mit McCray, wenn es im Mai losgeht. Denn ein Leben ohne Football wäre irgendwie nicht vollständig.