Speyer
Chai-Festival: Starkes Duo zum Abschluss, Planung für 2027 läuft
Das Bühnen-Duo Hans-Jürgen Herschel und Bernd „Lömsch“ Lehmann ist in Speyer ein Begriff. Im ausverkauften Judenhof haben der Rezitator und der Musiker mit ihrem Programm „Im Dunkel ein Glanz, unverlöschlich“ jüdischen Dichtern und solchen, die sich mit dem Judentum auch literarisch befasst haben, ein eindrucksvolles Denkmal gesetzt.
Lehmanns jeweils zwei Klarinetten beziehungsweise Saxofone kommen großartig zum Einsatz, Herschel streift gemeinsam mit seinen begeisterten Zuhörern durch deutsch-jüdische Literatur der Vergangenheit und Gegenwart. Lyrik und Prosa setzt er unnachahmlich in Szene wie das „Wiegenlied für Mirjam“, das in seiner Schlichtheit berührt. Heinrich Heine, Franz Kafka, Ephraim Lessing und Mascha Kaleko gehören ins Programm wie Lion Feuchtwanger, Paul Celan, Rose Ausländer, Joseph Roth, Hilde Domin oder Nellie Sachs.
Worte dringen tief ein
Herschels Appell gilt dem Mut zum Frieden, zur Wahrheit und Selbstbestimmung. Lehmanns Improvisationen unterstützen die Textpassagen, die sein Bühnenpartner voller Leidenschaft vorträgt. Der „Alte Fritz“ kommt wahrhaftig auch vor und „Nathan der Weise“. Der Rezitator sendet literarische Botschaften aus, die Lehmann beispielsweise mit seiner eigenen Version des Loreley-Lieds verstärkt.
„Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“, hat Heinrich Heine vor mehr als 100 Jahren geschrieben. Herschel stellt damit einen Bezug zur Gegenwart her. Worte dringen tief ein, verschmelzen mit der Musik. An Kalekos 117. Geburtstag ehrt das Duo die jüdische Dichterin mit Auszügen aus ihren Gedichten. Nach zwei Stunden beenden die Lokalmatadore ihr Programm unter stürmischen Beifallsbekundungen.
Positive Festivalbilanz
Beifall spendet auch Chai-Organisator Matthias Nowack den Künstlern, ihrem Publikum und den Ehrenamtlichen, die an allen vier Abenden für einen reibungslosen Ablauf gesorgt haben. „Drei Konzerte waren ausverkauft, eines sehr gut besucht“, weist er auf voll besetzte 150 Plätze neben der Mikwe hin. Der Judenhof ist nach Nowacks Überzeugung der perfekte Ort für ein Festival dieser Art. Der aus Wetter-Gründen erzwungene Ausweich-Standort Alter Stadtsaal für das erste Chai-Konzert sei indes „zwar anders aber nicht zweitrangig gewesen“, sagte der Organisator der RHEINPFALZ. Viele junge Besucher aus Speyer, ganz Deutschland, den USA, Israel, Palästina und der Ukraine seien zum Abend mit Daniel Kahn gekommen, berichtet Nowack von außergewöhnlichem Interesse am Trio aus Hamburg, Berlin und London.
Nach zwei erfolgreichen Chai-Festival-Jahren plane der Verkehrsverein bereits die dritte Auflage für 2027. „Die Zustimmung des Verkehrsvereins, der die Grundfinanzierung übernimmt, vorausgesetzt“ betont Nowack. Derzeit gebe es Überlegungen, im nächsten Jahr beim Chai-Festival auch eine Tanzveranstaltung anzubieten, kündigt der Organisator einen weiteren möglichen Höhepunkt an.