Speyer
CDU-Kandidat im Wahlkreis Speyer: „Die Menschen erwarten Antworten“
Ein Thema treibt Michael Wagner besonders um: „Ohne Bildung geht nichts“, sagt der Landtagsabgeordnete. Und: „Der Schlüssel zu Bildung ist der Erwerb der Sprache“, ist der 65-Jährige überzeugt, der in Speyer-Nord wohnt – einem Stadtteil, der seit je her geprägt ist von Zuwanderung. Aus dieser Erfahrung heraus will sich der Christdemokrat in Mainz – sollte er nach der Wahl am 22. März wieder dem Landtag angehören – für Spracheingangstest vor der Einschulung stark machen. Hier liege vieles im Argen, nicht nur bei Kindern mit migrantischen Wurzeln, wie der Vater zweier Kinder betont.
„Wir brauchen ein verbindliches letztes Kindergartenjahr und eine flächendeckende Sprachförderung schon in den Kitas“, sagt Wagner. Die Defizite im Bildungssystem ließen sich weder wegdiskutieren noch verschweigen. Eine Rückkehr zum dreigliedrigen Schulsystem verficht Wagner nicht. Er, dessen Vater und Großvater einen Malerbetrieb führten, möchte jedoch durch verpflichtende Schulpraktika mehr junge Menschen fürs Handwerk gewinnen.
Umfragen indes deuten auf eine schwarz-rote Koalition nach der Landtagswahl hin. Wird es da nicht schwer, Änderungen in der Bildungspolitik durchzusetzen? „Wenn wir die Demokratie retten wollen, müssen wir ordentlich zusammenarbeiten und Lösungen finden“, sagt Wagner. Seit sieben Jahren gehört er dem Parlament an. Der 65-Jährige ist Vorsitzender des Kulturausschusses und Mitglied im Wirtschaftsausschuss. In Mainz habe er häufig erlebt, wie Politik Probleme ignoriere: „Die Menschen erwarten aber, dass wir Antworten finden.“
Wagner beschreibt sich als sachlichen Menschen. Als Verwaltungsfachmann stehe er für „faktenbasiertes Arbeiten“. Dabei versuche er stets, alle mitzunehmen. „Polarisierung ist meine Sache nicht“, sagt der Christdemokrat. Simple Botschaften und markige Worte seien nicht sein Stil. Politik bestehe aus Kompromissen. Damit sie gelängen, „muss jeder bereit sein, Positionen aufzugeben“.
Um Ausgleich bemüht – so versteht er auch sein Wirken im Wahlkreis: als Mensch, der zuhört und Dinge in die Hand nimmt, der sich kümmert. Eine Unzahl sogenannter Kleine Anfragen hat der Abgeordnete an die Landesregierung gestellt, von den Belangen sozialer Einrichtungen bis zum immer noch fehlenden Radweg zwischen Harthausen und Schwegenheim, der nun immerhin in Aussicht gestellt ist. Wagner fordert von den Handelnden in Politik und Verwaltung mehr „Mut zu Pragmatismus statt an Vorschriften zu kleben. Wir dürfen uns nicht zu Tode regulieren“.
Politisch ist Wagner ein Spätberufener. Am liebsten wäre er Opernsänger geworden, gesteht der Tenor. Als Knabe sang er im Domchor, später war er dessen Vorsitzender. Noch heute singt er im Vokalensemble des Vereins Palatina Klassik, dem Wagner seit 2012 vorsteht, und auch im Duett mit seiner Frau Annette (60), einer Sopranistin. Der Berufsweg wurde dann doch ein anderer: Wagner studierte Steuerrecht und trat in die Finanzverwaltung ein. Er war 38 Jahre alt, als ihn die CDU 1998 bat, bei der Kommunalwahl zu kandidieren. Wagner wurde Christdemokrat und Stadtrat – ein Amt, das er bis heute bekleidet. Im Mai 2019 rückte er für den verstorbenen Reinhard Oelbermann in den Landtag nach, 2021 holte er das Direktmandat.
Neben dem Thema Bildung ist für Wagner die Kultur eine Herzensangelegenheit. Sein Ziel ist ein Kulturfördergesetz, das städtische Aufwendungen für kulturelle Zwecke gesetzlich verankert. Derzeit fallen sie im Haushalt zumeist unter „freiwillige Leistungen“, bei denen in der Not zuerst der Rotstift angesetzt wird. „Doch Kultur ist wichtig, dafür will ich kämpfen“, kündigt Wagner an.
Die Familie gebe ihm großen Halt, sagt der Christdemokrat. Zugleich müsse sie vieles an seinem Amt mittragen: häufige Abwesenheiten etwa und auch Drohungen, die er bekomme. Sohn Jonas (27) studiert Biomedizin, Tochter Jana (29) Medizin. Durch sie kam der Hobby-Maitre darauf, in der heimischen Küche Koch-Videos aufzunehmen. Er sei erstaunt, wie viele Menschen er damit erreiche. Sein Lieblingsrezept ist Ragù alla Bolognese, die norditalienische Hackfleischsoße, bekennt Wagner. Die könne seine Frau aber viel besser als er.